Unwirkliche Wirklichkeiten


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Zur Wissenssoziologie von Verschwörungstheorien

Von Andreas Anton – Perilog.net

Wie entstehen Verschwörungstheorien? Wie werden sie verbreitet? Und wie wirken sie? Auf diese und ähnliche Fragen antwortet ein neues wissenssoziologisches Modell verschwörungstheoretischen Denkens. Das unterliegende theoretische Konzept wird im Band ausführlich vorgestellt und am Beispiel der verschwörungstheoretischen Deutungen der Ereignisse des 11. September 2001 praxisnah erläutert.

In den Blick genommen wird dabei nicht nur das Zusammenspiel zwischen orthodoxen und heterodoxen Überzeugungssystemen, sondern auch der Prozess der gesellschaftlichen Konstruktion von Wirklichkeit in modernen Gesellschaften generell. Ziel des Bandes ist es, mithilfe verschiedener wissenssoziologischer bzw. diskurstheoretischer Ansätze (Peter Berger und Thomas Luckmann, Michel Foucault, Ulrich Oevermann, Reiner Keller) eine theoretisch plausible wie empirisch tragfähige wissenssoziologische Theorie zur Entstehung und Verbreitung sowie zu den Funktions- bzw. Wirkungsweisen von Verschwörungstheorien zu entwickeln. Hierfür wird zunächst aufgezeigt, dass die wenigen wissenschaftlichen Arbeiten, die sich generell mit Verschwörungstheorien beschäftigen, in der Regel wirkungsorientierte deskriptive Ansätze verfolgen und in erster Linie um historisch-politische Einordnungen und Problematisierung bemüht sind.

Die vorgelegte Arbeit geht einen anderen Weg: Mittels eines wissenssoziologischen Zugangs werden Verschwörungstheorien als eigenständige Formkategorie sozialen Wissens beschrieben und im Abgleich mit anderen Wissensformen (wie Ideologien, Mythen, Meinungen oder sozialen Deutungsmustern) kategorial bestimmt. Zur empirischen Überprüfung werden die theoretischen Setzungen auf die Verschwörungstheorien rund um die Angriffe auf das World Trade Center vom 11. September 2001 angewandt.

In einem weiteren Schritt wird das Verhältnis zwischen den offiziellen (orthodoxen) und den abweichenden (heterodoxen) Erklärungen dieser Ereignisse geklärt. Dabei zeigt sich, dass die Verschwörungstheorien zum 11. September – und damit wohl auch andere verschwörungstheoretische Deutungen – fast zwangsläufig massive Widerstände bei den etablierten Leitmedien als „Wächtern der Wirklichkeit“ auslösen müssen, geht es hierbei doch um nicht weniger als um die Verteidigung einer geltenden (orthodoxen) Wirklichkeitsordnung.

140 Seiten
Ladenpreis: 22,00 Euro
ISBN 978-3-8325-2798-3

3 Comments

  1. Also, für mich ist völlig klar, auf welcher Basis Verschwörungstheorien entstehen. Dazu bedarf es keiner wissenschaftlichen Untersuchungen. Menschen, die z.B. an die Existenz eines göttlichen Wesens glauben und auch die sich darum herum rankenden Fantasy-Stories für bare Münze nehmen, fallen leichter auf noch so abstruse, konstruierte Verschwörungstheorien herein. Wer nämlich bereits mit dem Glaubensvirus infiziert und somit vorbelastet ist, leidet zweifellos an akutem Realitätsverlust. Folgerichtig können sich Verschwörungstheorien bei religiös vorbelasteten Menschen leichter entwickeln und einnisten.

    Zweite These: Bildungsferne und/oder Menschen mit verminderten geistigen Fähigkeiten fallen eher auf Verschwörungstheorien herein. Dies auch dann, wenn sie nicht religiös infiziert sind.

    Dritte These: Eine Symbiose aus Bildungsferne und religiöser Infiltration eröffnet ebenfalls die Bereitschaft, zu einem Anhänger von Verschwörungstheorien zu werden.

    Knapper ausgedrückt: Es reicht aus, dumm, doof oder religiös zu sein, um mit hoher Wahrscheinlichkeit einer Verschwörungstheorie zu verfallen.

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