Aufklärung auf Neulateinisch


Ungarns erste Zeitung erschien in Neulatein

Lateinische Texte aus der Renaissance sind zahlreich, aber kaum erforscht – Ein neues Ludwig-Boltzmann-Institut will diesen Schatz nun heben, um das moderne Europa besser zu verstehen

Von Sascha AumüllerderStandard.at

Der niederländische Universalgelehrte, Herausgeber, Textkritiker und Begründer der modernen Philologie Erasmus von Rotterdam gilt heute als wichtigster Wegbereiter des europäischen Humanismus; und als ziemlich schreibwütig mit einem errechneten Pensum von eintausend täglich zu Papier gebrachten Wörtern. Erstaunlich nur: Die Empfänger seiner Briefe – mehr als 2000 davon sind noch erhalten – lobten ihn trotz dieser Wortsalven durchwegs für seinen elaborierten Stil.

Verfasst hat er seine Schriften häufig in Neulatein, also in einer Sprache, die nach ihrer schlampigen Verwendung im Mittelalter zu Beginn der Neuzeit erst rehabilitiert werden musste. Erasmus war der festen Überzeugung, dass formale Aspekte der Sprache auch den Charakter ihrer Benutzer prägen. Schöngeistige Gedanken zur humanistischen Bildung, wie sie 1600 Jahre vor ihm Cicero artikulierte, wollte er nur in einem Latein formulieren, das der vorbildlichen Form der Antike wieder näher war. Neulatein ist also gewissermaßen klassisches Latein.

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