Neuigkeiten aus dem religiösen Paralleluniversum


Quelle: bruedergemeinde.de

Frankreich: Landesreligionen treten für die Trennung von Kirche und Staat ein
[…]Während die französische Regierung an einem sakrosankten Prinzip der Nation, dem Laizismus, rüttelt, setzen sich die großen Landesreligionen für die Trennung von Kirche und Staat ein. Die katholische Bischofskonferenz, die protestantische Föderation, die orthodoxe Kirche, der muslimische Dachrat sowie Oberrabbiner Gilles Bernheim und Buddhisten-Reverend Olivier Wang-Genh haben am Mittwoch einen gemeinsamen Appell erlassen, in dem sie sich von der geplanten Islam- und Laizismus-Debatte der Regierungspartei UMP distanzieren. Die sechs Unterzeichner mit Kardinal André Vingt-Trois an ihrer Spitze schreiben, der französische Laizismus sei als Folge jahrhundertealter Religionskriege ein „Grundpfeiler der Republik“ und ein „wertvolles Gut“ , das man nicht verwässern dürfe[…]

Atheismus, Laizismus und der liebe Gott
[…]Ein Glaube, der nur das private Leben bestimmt, nicht aber das öffentliche Wirken, diminuiert Gott zum Hausgötzen oder zur Selbstfindungstherapie. Wer wirklich glaubt, dass der Allmächtige sich und seinen Willen dem Menschen geoffenbart hat, dass das Leben des Einzelnen wie der Gesellschaft in der Befolgung der Gebote Gottes und der aus dem Glauben destillierten Tugenden gelingen kann, der kann Gott den öffentlichen Raum unmöglich verwehren. Genau dies wird jedoch in Europa seit 250 Jahren systematisch versucht: von der Aufklärung mit ihrem verengten Vernunftbegriff bis zum aggressiven ideologischen Atheismus, der dem Gottesglauben den offenen Krieg erklärt hat. Eingeklemmt zwischen radikalem Laizismus und esoterischer Patchwork-Religiosität mit ihrer Wiederkehr des irrationalen Numinosen scheinen dem Christentum in den Gesellschaften Europas nur mehr im höchst Privaten und im rein Caritativen Nischen geblieben zu sein. Und viele Christen sind – schuldbewusst ob des einstigen politischen Missbrauchs ihrer Religion – bereit, sich demütig in diese Nischen zu fügen. Die verstärkte Präsenz des Islam in Europa könnte jetzt europäische Laizisten aufschrecken und christliche Minderwertigkeitskomplexler aufwecken: Da sind Gottgläubige, für die ein Gott-freier Raum grundsätzlich Häresie ist, und die sich weigern, Gottes Gebote unter den Teppich des Säkularismus zu kehren. Jetzt und hier sind die Christen als Dolmetscher neu gefordert, denn Laizismus und politischer Islam sprechen keine gemeinsame Sprache[…]

Comic „Habemus Papam“, Bene als Manga-Held
[…]–Jonathan Lin: Im letzten Jahrzehnt hat die Popularität von Mangas in aller Welt ein erstaunliches Wachstum angenommen und Millionen von Kindern und Erwachsenen haben sich zu Fans entwickelt. In der Tat wird es als einer der erfolgreichsten japanischen Exporte gesehen. Das Manga hat eine große Erweiterung seiner Inhalte in einer große Zahl von Gattungen erfahren. Wir wollen das Manga als ein Werkzeug nutzen, um der Jugend und der gesamten Welt eine Kirche ohne Angst vor der Modernität und der schnellen Veränderung der Kultur zu zeigen. Wir haben uns nicht gescheut, neue Medienformen zu nutzen, um uns jungen Menschen zu nähern[…]

Andrea Fischer: als gläubige Katholikin zurück in die Politik
[…]Exbundesministerin Andrea Fischer versucht ein politisches Comeback. Nach der Wahl am 18. September will sie grüne Bezirksbürgermeisterin werden … Dabei ist es nicht so, dass Fischer in den vergangenen Jahren auf keinem Podium gestanden hätte. Sie ist Landesvorsitzende der Malteser, einer katholischen Hilfsorganisation; sie schrieb in der Missbrauchsaffäre 2010 Gutachten für den Jesuitenorden … Sie trat wieder in die katholische Kirche ein, schrieb ein Buch darüber und unterstützte 2009 das Volksbegehren „Pro Reli“[…]

Religioten-Talk im öffentlich-rechtlichen TV
[…]Die evangelische Fernsehtalkshow „Tacheles“ startet mit ihrer neuen Staffel. Bis Sommer 2012 seien unter dem Titel „Deutschland 2020 – nach welchen Werten wollen wir leben?“ zehn Sendungen geplant … „Tacheles“ wird von dem öffentlich-rechtlichen Sender Phoenix ausgestrahlt. Die Sendung zu Gentests am Embryo ist am Sonntag um 17 Uhr sowie am 17. April um 13 Uhr und 22.30 Uhr zu sehen. Die Redaktion plant in den kommenden Monaten Sendungen zur Atomenergie, zur Ökumene, zum Internet-Netzwerk Facebook und zur Frage, ob die Landwirtschaft Pflanzen anbauen sollte, um daraus Treibstoff zu gewinnen[…]

Necla Kelek verteidigt Friedrichs Auftritt bei der Islamkonferenz
[…]Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hat sein Vorgehen bei der Islamkonferenz verteidigt … Bei der Konferenz müsse man „Probleme wirklich ansprechen und sie nicht politisch korrekt ausblenden“, sagte der CSU-Politiker der „Süddeutschen Zeitung“ (Donnerstag). Die türkischstämmige Islamkritikerin Necla Kelek nahm Friedrich unterdessen in Schutz und verlangte eine Fortsetzung der Islamkonferenz … Die Unterscheidung des Ministers zwischen dem Islam und den Muslimen bezeichnete Kelek als „legitim“. „Die Muslime sind selbst herausgefordert, eine Antwort auf die Frage zu finden, ob und in welcher Weise der Islam mit europäischen Werten vereinbar ist. Das müssen sie klären, nicht der Innenminister“, unterstrich die Soziologin[…]

 

2 Comments

  1. @S.Bauer: Ich sehe nicht, wo der Autor die muslimische Einstellung als „verwerflich“ aburteilen würde. Ich verstehe ihn eher so, dass er meint, die Muslime würden gewissermassen mit gutem Beispiel voran gehen, indem sie sich weigern, ihre Religion Privatsache sein zu lassen – und die Christen sollten sich daran ein Beispiel nehmen…

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  2. Zitat aus „Atheismus, Laizismus und der liebe Gott“:

    Über Christen: „Wer wirklich glaubt, dass der Allmächtige sich und seinen Willen dem Menschen geoffenbart hat, dass das Leben des Einzelnen wie der Gesellschaft in der Befolgung der Gebote Gottes und der aus dem Glauben destillierten Tugenden gelingen kann, der kann Gott den öffentlichen Raum unmöglich verwehren.

    Über Muslime: „Da sind Gottgläubige, für die ein Gott-freier Raum grundsätzlich Häresie ist, und die sich weigern, Gottes Gebote unter den Teppich des Säkularismus zu kehren. “

    Wo ist da bitteschön der Unterschied? Beidesmal wird gesagt, daß Gott nicht ins Private abgeschoben werden darf. Nur ist es für den Autor offensichtlich das eine Mal ein unbedingtes Gebot (falls es um den christlichen Glauben geht), und das andere Mal verwerflich (wenn es um den muslimischen Glauben geht).

    Doppelmoral pur. Man sollte dem Autor mitteilen, daß vielmehr die radikalen Muslime genau ihm den Spiegel vorhalten.

    Der radikale Islam sollte uns daran erinnern, warum wir Europa säkularisiert haben. Daß wir die Religion ins Private abgedrängt haben, das hat einen sehr guten Grund. Den Säkularismus gegen die Zumutungen der Religionen zu verteidigen ist notwendiger denn je.

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