Nächster Kirchenskandal: Säuglingsheime der 70er Jahre


Quelle: aschendorff-buchverlag.de

Ja, die liebe kirchliche Wohlfahrt, wertvoll, zu schätzen, zu loben, zu finanzieren und schließlich unersetzlich. Dies ist zumindest aktuell der Tenor in sämtlichen Partei-Spitzen, die sich allesamt den Kirchen hörig verpflichtet fühlen.

Zitat von Alois Glück:

Die Kirche , insbesondere seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil, will zu einer humaneren Gesellschaft beitragen, für alle Menschen, im Wechselspiel von Nächstenliebe und Gottesliebe. Zentral sei dabei der „Dienst am Menschen“, die „Diakonie“. Und gerade der Rückbezug über die Irrungen des Nationalsozialismus brauchte nach dem Zweiten Weltkrieg das Korrektiv der Kirchen. Auch darin seien die Kirchen, insbesondere die katholische Kirche, der Anwalt der Menschen.

Die verlogene Propaganda zeigt Wirkung, denn nicht Wenige zahlen ausschließlich aus dem Grund brav Kirchensteuer, um einen Beitrag für die Wohlfahrt zu leisten.

Mal sehen, wann mit diesem liederlichen Gewäsch endlich Schluss sein wird und wie viel unmenschliches und kriminelles Schindluder noch aufgedeckt werden muss, damit diese absurde und irrsinnige Unterstützung der angeblich mildtätigen Kirchen ein Ende hat.

Nach den thematisierten Missbrauchsfällen, die jahrzehntelang stattfanden, nun die katastrophalen Zustände in kirchlichen Säuglingsheimen der 70er Jahre, die Bastarde, sprich sündige uneheliche Babys in Obhut hatten. Verwahrlost, seelisch missbraucht und geschlagen, als Ergebnis christlicher Nächstenliebe. Die Folge davon: psychisch leidende Erwachsene, die zum Teil gar nicht wissen, woher ihre Probleme stammen.

Dass der Skandal so wie auch viele Missbrauchsfälle lange zurück liegen, ist kein Indiz dafür, dass sich die kirchlichen Wohlfahrtsverbände heute nichts mehr zu Schulden kommen lassen. Diakonie und Caritas hatten es schon immer in sich, damals wie heute. Menschenverachtung, Ausbeutung, menschenunwürdige Behandlung und Bezahlung stehen immer noch auf der Tagesordnung. Also genug mit dem Fähnchen Nächstenliebe, Barmherzigkeit und „Im Namen des Herrn“. Weg damit, aber schnell!

Report Mainz berichtet:

Weil sie überfordert waren, sollen Mitarbeiter von Caritas und Diakonie in Säuglingsheimen Tausende Babys misshandelt haben, berichtet das ARD-Magazin „Report“.

Die Vorwürfe gegen Caritas und Diakonie klingen ungeheuerlich: In den Säuglingsheimen der beiden Wohlfahrtsverbände sollen zwischen 1949 und 1975 bundesweit Tausende Babys misshandelt worden sein

„Die Hände, die Arme, die Beine wurden an die Gitterstäbe der Betten angebunden und es wurden unruhige Kinder auch mit Medikamenten ruhig gestellt, mit sedierenden Medikamenten, völlig ohne Problembewusstsein. Hauptsache sie waren ruhig“, berichtete der Sozialpädagoge Professor Manfred Kappeler in „Report Mainz“. Dies sei „generelle Praxis“ gewesen.

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Auszug aus dem  Säuglingsheim-Archiv:

Die Reinlichkeitsdressur beginnt damit, dass die Kinder zu bestimmten Zeiten, um 9.Uhr und um 18 Uhr, auf den Topf gesetzt werden. Da sie noch nicht gut sitzen können, werden sie im Laufstall an den Ecken festgebunden. Die Kinder schaukeln dabei hin und her, und zwar so lange die „Sitzung“ dauert. Bis zu 30 Minuten bleiben sie sitzen, danach haben sie tiefe Druckstellen und einen bläulich verfärbten Hintern.
Gefüttert wird in der Weise, dass die Flasche mit einer Windel umwickelt wird, wo es alleine trinken muss. Wenn einem Kind die Flasche wegrutscht, wird es ermahnt und bekommt die Flasche wieder in den Mund gestopft.
Die Beschäftigung mit den Kindern besteht eigentlich nur darin, dass die Kinder in fahrbare Stühle gesetzt werden, auf denen man mehr schaukeln als sich fortbewegen kann. Längere Zeit, so während der Pausen, bleiben die Kinder alleine im Zimmer. Jedes Kind bekommt „sein Klötzchen“ und „seinen Beißring“. Hat das Kind ihn weggeworfen oder verloren, bekommt es ihn höchstens durch Zufall wieder. In den Säuglingsheimen muß das Kleinkind also funktionieren lernen. Den Grad des optimalen Funktionierens bestimmt der Kinderarzt, die einzige Autorität für die Pflegerinnen. (…) Kinderärzte und Säuglingsschwestern wissen nachweislich von (…) Fällen des Hospitalismus. Sie übersehen gleichzeitig geflissentlich, dass es in den Säuglingsheimen bei den Säuglingen nicht bloß um das klinische Phänomen Hospitalismus geht, um soziale Anpassungsfähigkeit oder nicht, sondern um die massiven Persönlichkeitsstörungen beim späteren Erwachsenen. Sie entsteht aufgrund der geringen affektiven und emotionalen Zuwendung zum Säugling. (…) Diese negative Entwicklung wird sich dann in den Kinderheimen, in die 50% dieser Säuglinge eingeliefert werden, fortsetzen und verstärken.“…

… Die sich in der Bundesrepublik[59] seit den 1950er Jahren entwickelnde Hospitalismusdebatte ist vor allem mit den Namen Hellbrügge (München) und Pechstein (Mainz), einem Schüler von Hellbrügge, verbunden. Auch wenn sich vereinzelte Heimleiter, wie Andreas Mehringer, leidenschaftlich für eine Veränderung der Säuglingsheimpflege einsetzten, blieben diese Mahnungen bei den Heimleitungen und -trägern ungehört. In einer unseligen Allianz unqualifizierter Bürokraten der Jugendämter und Vertretern der freien Wohlfahrtsverbände wurden diese „Gehäuse systematischer Kindes-Vernachlässigung“ bis in die Mitte der 1970er am Leben gehalten, Mitverantwortlich hierfür waren die „bigotten Moralvorstellungen“ der Wirtschaftswunderrepublik, die geschickt installierte Abschottung dieser Säuglingsheime vor der Öffentlichkeit und ein aus den Zeiten des deutschen Faschismus „nachhallender“ Sozialdarwinismus in den Einstellungen der Verantwortlichen …


9 Comments

  1. Gottfried John WAR unehelich.

    Mir erscheint die Unterscheidung zwischen ehelich und unehelich ein wenig oberflächlich. natürlich wars juristisch relevant.
    Allerdings eben… auch das Kind einer Geschiedenen konnte ganz fix im Heimbetrieb verschwinden.
    Echten Schutz gab es nicht. Da fällt mir ein, ich müßte mal recherchieren, wie das für Witwen war. Die waren ja genausowenig zum Sorgerecht befähigt.
    Möglicherweise ist das auch ein vergessener-vertuschter Skandal.

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  2. Hier erfahren wir das wahre Gesicht der christlichen Leitkultur ! (Hoffentlich nimmt das auch Frau Merkel endlich zur Kenntnis !)

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  3. Hi, Subkutan, ich habe mal für ein REferat (hab mit mit dem forensischen Psychologen bei uns in der Wolle gehabt, also dem Prof) die Gesetze gewälzt.

    Sorgerecht konnte erst ab 1969 an eine Frau übertragen werden (und auch danach wurde es teilweise anders gehandhabt, vor allem bei schuldhafter Scheidung oder „lockerem Lebenswandel“).

    Nicht immer wurde ein Amtsvormund bestellt. Bei Scheidungen war es auch häufig der Ehemann (was dann den Weg offenließ für Beherrschung der Exe, über das Sorgerecht fürs Kind, nämlich wenn ihr die Sorgepflicht übertragen wurde [=Alltagssorge], hingegen das Vermögenssorgerecht, die Personensorge und das AUFENTHALTSBESTIMMUNGSRECHT auf den Mann übertragen wurde).

    Und es konnte auch ein erwachsener männlicher Anverwandter zum Vormund bestellt werden.

    Wie erwähnt, Gottfried John: Bekenntnisse eines Unerzogenen

    sehr lesenswert. Er hat auch über die rechtlichen Sachen gut recherchiert. Seine Beschreibung der „Fürsorgeerziehung“ ist auch vielsagend.

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  4. Normalerweise bin ich einigermaßen „hart im nehmen“.
    Ebengerade musste ich allerdings nach dem Film eine Beruhigungspause einlegen. Es ist unsagbar was da wieder an´s Licht kam. Die Vorfälle, um das nocheinmal ganz klar zu sagen, fanden hier in der Bundesrepublik und in der Schweiz statt. Vollzogen von christlichen Verbänden und ihren sadistischen Helfern und Helfershelfern, unter dem Deckmantel von Caritas und Diakonie. Angwiesen, ausgeführt und für gut befunden von inhumanen Menschen die sich Christen nennen. Pfui Teufel ! Und der soll sie auch holen !

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  5. Dazu auch:

    Entscheidend für die „Einweisung“ in ein Säuglingsheim der Nachkriegszeit war die Regelung (bis 1961) der „Amtsvormundschaft“ für sog. „uneheliche Kinder“, die automatisch mit der Geburt eines nicht ehelichen Kindes eintrat. Dem Amtsvormund, zumeist ein Mitarbeiter des örtlichen Jugendamtes, oblag das Aufenthaltbestimmungsrecht und die gesetzliche Vertretung des Kindes (und nicht der leiblichen Mutter bzw. dem leiblichen Vater), im Rahmen der sog. „Freiwilligen Erziehungshilfe (FEH)“. Hier waren die „örtlichen“ (kommunalen) sozialbürokratischen Verhältnisse von entsprechender Bedeutung, die sich vor allem in der sog. „Provinz“, bis heute als „modernsierungsresistent“ beschreiben lassen.
    Insoweit ist der Begriff des „Vormundes“ als sozialtechnokratischer Begriff irreführend, da diese sog. „Amtsvormünder“ in den meisten Fällen ihre „Mündel“ während der Vormundschaft überhaupt nicht zu Gesicht bekamen, sondern rein nach Aktenlage „entschieden“. Hierbei ging es vor allem um die Bezahlung der Pflegesätze, die zu Lasten der Kommune gingen und die man erst im Rahmen einer „überörtlichen FEH“ auf das Land abwälzen konnte. Hinzu kam, dass es bis Ende der 1950er Jahre keine Heimaufsicht für die vielen unter verschiedener Trägerschaft stehenden Säuglings- und Kleinkinderheime gab.

    http://www.saeuglingsheim-archiv.de/page1.php

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  6. dazu noch eine passende Gesetzgebung…
    bis 1969 war eine Weibliche nicht für das Sorgerecht für ihre Kinder fähig – also juristisch einfach unmöglich, das mütterliche Sorgerecht.

    Kamen viele Kinder gegen den Willen ihrer Mütter in die Heime.

    Heile Welt.

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