Islamisten sind hier die Ausnahme


Quelle: quran-m.com

Radikaler Islamismus: Von der Predigt zum Hass
Der Ausdruck „Hassprediger“ geistert immer wieder durch die Berichterstattung zum Thema Islam und Islamismus. Was aber genau steckt hinter dem Begriff? Und wo liegen die verfassungsrechtlichen Grenzen? Eine Annäherung an das Wort und die Vorurteile, die es schürt.

Von Maike FreundEvangelisch.de

Der Imam Usamma A.: Das Oberverwaltungsgericht Münster erkannte ihm seinen Asylstatus ab, weil er in seinen Predigten zu Hass gegen Christen und Juden aufrief. Und schon beschleicht manchen das Gefühl, in jedem Gebetsraum steckt ein „Hassprediger“. Einer, der Feindseligkeit schürt, der gegen Andersgläubige hetzt, der zu Gewalt anstachelt. Woher aber kommt diese Angst? Und was steckt hinter dem Begriff? Darauf weiß Rauf Ceylan eine Antwort.

„Das Wort ‚Hassprediger‘ ist kein wissenschaftlicher Begriff, sondern einer, der von Politik und Medien konstruiert wurde“, sagt der Professor für Religionssoziologie an der Universität Osnabrück. „Man unterscheidet in traditionell etablierte und fundamentalistische Moschee-Gemeinden.“ Wichtig dabei: Fundamentalistische Imame predigen nicht immer Hass, also den direkten Aufruf zu Gewalt gegenüber Einzelnen oder Gruppen, „sondern die Diffamierung der Mehrheitsgesellschaft.“ Das geschehe unterschwellig, subtiler, „direkte Angriffe mit Namensnennungen sind selten“.

Auch der Verfassungsschutz nutzt das Wort „Hassprediger“ nicht, die Behörden unterscheiden zwischen „Islam“ und „Islamismus“. Hans-Michael Haußig von der Universität Potsdam versucht in einem Vortrag den Unterschied mit „Nation“ und „Nationalismus“ zu erklären. Während „Nation“ im allgemeinen Sprachgebrauch neutral bis positiv besetzt sei, beinhalte „Nationalismus“ ein Element der Übertreibung.

Eine bloße Meinung ist noch kein Islamismus
Es ist genau diese Übertreibung, die für die Verfassungsschützer ausschlaggebend ist: Islamismus ist „eine religiös legitimierte Form des politischen Extremismus“, definiert die Behörde. Die Grenze zum Extremismus sei dort überschritten, „wo zu den fundamentalistischen Überzeugungen politisch bestimmte Verhaltensweisen hinzutreten, die darauf gerichtet sind, eine angeblich vom Islam vorgegebene Gesellschaftsordnung zu verwirklichen“. Es ist also nicht die Auslebung der Religion, ob gemäßigt oder konservativ, sondern die politische Motivation dahinter, die aus dem Islam Islamismus macht.

Das heißt aber auch: Eine bloße Meinungsäußerung ist noch kein Islamismus und verstößt nicht gegen die Verfassung. „Es geht also nicht um die Gesinnung Einzelner, sondern vorrangig um das Handeln von Organisationen und Gruppierungen“, definiert der Verfassungsschutz.

Laut Verfassungsschutzbericht werden in Deutschland ein Prozent der Muslime – rund 32.000 – islamistischen Organisationen zugerechnet. Zahlen darüber, wie viele Asylantragsteller unter Beobachtung des Verfassungsschutzes stehen, gibt es nicht. Auch Statistiken über die nachträgliche Aberkennung des Flüchtlingsstatus wie bei Imam Usamma A. werden beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge nicht geführt.

Extremistische Prediger sind in traditionellen Moschee-Gemeinden sehr selten
Rauf Ceylan, Autor des Buches „Die Prediger des Islam – wer sie sind und was sie wirklich wollen“, beschäftigt sich auch mit dem Thema religiöser Extremismus. Er weiß: Jede Religion leidet unter extremistischen Strömungen, der Islam genauso wie beispielsweise der Protestantismus. „Religiöser Extremismus ist ein Produkt der Moderne“, sagt Ceylan. Er entstehe dann, wenn die gläubige Lebensweise durch eine säkulare Übermacht bedroht würde. „Dann versuchen Fundamentalisten, kleine Enklaven zu schaffen.“

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1 Comment

  1. Rund 32.000 Islamisten – das ist schon ziemlich heftig.
    Es gibt ja nur 4 bis 6 Millionen Muslime in Deutschland.

    Um die Zahlen einordnen zu können:
    die rechtsextreme Szene zählte laut Verfassungschutz 2009 etwa 26 600 Personen (Tendenz fallend)

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