Der (Christen-)Bundestag und die Moral einer Zelle


Quelle: welt.de

Bundestagsdebatte: Führt PID zu einem Dammbruch?
Parlament berät über Gentests an künstlich erzeugten Embryonen

Kath.net

Berlin (kath.net/idea) Sollen Gentests an künstlich erzeugten Embryonen vor der Einpflanzung in den Mutterleib strikt verboten werden oder sollen Ausnahmen möglich sein? Über dieses als Präimplantationsdiagnostik (PID) bezeichnete Verfahren beriet der Bundestag in erster Lesung am 14. April in Berlin. Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte im Juli 2010 das bis dahin geltende Verbot der PID aufgehoben und sie in bestimmten Fällen für zulässig erklärt. Daher muss das Embryonenschutzgesetz überarbeitet werden. Mit der PID werden künstlich befruchtete Eizellen vor der Einpflanzung in den Mutterleib auf mögliche genetische Defekte untersucht und gegebenenfalls vernichtet. Kritiker sehen darin eine Selektion sogenannten „unwerten Lebens“.

Parteiübergreifend gehen die Meinungen über die ethische Bewertung von PID auseinander. Der Fraktionszwang ist daher bei der voraussichtlich im Sommer stattfindenden Abstimmung aufgehoben. Drei Gesetzentwürfe stehen zur Diskussion: 192 Abgeordnete um Volker Kauder (CDU/CSU), Birgitt Bender (Bündnis 90/Die Grünen) und Pascal Kober (FDP) haben einen Gesetzentwurf für ein Verbot der PID eingebracht. Zu den Unterstützern zählen auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles.

Dagegen setzen sich 215 Abgeordnete um Ulrike Flach (FDP), Peter Hintze (CDU/CSU) und Carola Reimann (SPD) mit ihrem Gesetzentwurf für eine Zulassung in Ausnahmefällen ein. Danach wäre die PID erlaubt, wenn ein Elternteil für eine schwerwiegende Erbkrankheit veranlagt ist oder falls eine Fehl- oder Totgeburt wahrscheinlich ist. Noch strengere Ausnahmebestimmungen sieht der Entwurf der Abgeordneten Priska Hinz (Grüne), René Röspel (SPD) und Patrick Meinhardt (FDP) vor. Ihr Antrag hat derzeit 36 Unterstützer, darunter Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU). Diesem Entwurf zufolge soll PID nur dann möglich sein, wenn bei einem Elternteil eine genetische Disposition vorliegt, die mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer Fehl- oder Totgeburt oder zum Tod des Kindes im ersten Lebensjahr führt.

Knapp ein Drittel der Abgeordneten noch nicht festgelegt

Folgt man den Unterschriftenlisten der drei Entwürfe, so haben sich 178 der 620 Abgeordneten bisher auf keine Position festgelegt. In der dreistündigen, sachlich geführten Debatte argumentierte die FDP-Abgeordnete Flach, der Gesetzgeber dürfe Eltern mit unerfülltem Kinderwunsch nicht in eine noch schwerere Notlage bringen. Es sei ethisch nicht verantwortbar, Frauen das Wissen vorzuenthalten, das sie in der Lage versetzt, eine Entscheidung zu fällen. Eine begrenzte Zulassung sei von der Zahl der PID-Fälle her kein Dammbruch. In Großbritannien gebe es jährlich 215 Fälle, in Frankreich seien es 320. Selbst in der evangelischen Kirche gebe es Stimmen, die sich für eine begrenzte Zulassung aussprechen. Peter Hintze (CDU) zufolge ist es ein Gebot der Menschenwürde, Frauen in Not zu helfen. Die PID sei eine wichtige medizinische Hilfe für Frauen mit sehnlichem Kinderwunsch und belasteten Erbanlagen. Sie solle nur für diesen eng begrenzten Kreis zugelassen werden, so der evangelische Theologe.

Steinmeier: Menschen in Seelennot die Hilfe nicht verweigern

Auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier (SPD) sprach sich für eine Zulassung der PID in Ausnahmefällen aus. Man dürfe Menschen in äußerster Seelennot die Hilfe nicht verweigern. Die „Büchse der Pandora“ stehe nach dem BGH-Urteil sperrangelweit offen, es gehe nun darum, einen verlässlichen Gesetzesrahmen zu schaffen. Sonst bestehe die Gefahr, dass sich Menschen die Hilfe außerhalb gesetzlicher Wege suchen.

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2 Comments

  1. Ich bin auf jeden Fall für die PID, schon weil die Kirche dagegen ist. Es muss also zwangsläufig gut sein. Wer soviel verbochen hat, wie dieser schwarze Rattenschwanz, der kann nichts Gutes wollen.

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  2. Ein eindeutiges JA zur PID. Alles andere ist unmenschlich, verlogen und realitätsfern. Die häufig vorgebrachten Befürchtungen, dass Designer-Babys „bestellt“ werden könnten, entbehrt jeder Grundlage. Es ist völlig unmöglich, Haarfarbe, Augenfarbe, Größe und sonstige Eigenschaften eines Kindes anhand von Stammzellen zu bestimmen und auszuwählen.

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