Geistliche Unterschiede: Dialog – Debatte


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„Gerade in der Praxis der Liturgie wurde das Zweite Vatikanum oft gründlich missverstanden“ – Kath.Net-Interview mit Bischof Gregor Maria Hanke über den „Dialogprozess“, Liturgie, Summorum Pontificum und den Papstbesuch in Deutschland

kath.net

Kath.Net: Nicht wenige Katholiken in Deutschland haben derzeit Fragen zum „Dialogprozess“ der Bischöfe: Was heißt in diesem Zusammenhang „Dialog“? Wie kann dafür gesorgt werden, dass nicht nur die üblichen organisierten Laienverbände tragendes Element dieses „Dialogprozesses“ sind, sondern vor allem auch denen Stimme gewährt, wird, die sich jenseits eines Establishments bewegen?

Bischof Hanke: Der Begriff Dialogprozess wurde und wird nicht selten als eine innerkirchlich breite und ergebnisoffene Debatte verstanden, an deren Ende Veränderungen kirchlicher Strukturen und lehramtlicher Positionen sein soll. Es geht nicht wenigen, die auf einen solchen Prozess setzen, um eine sogenannte „Modernisierung“ der Kirche, die nicht zuletzt wegen der Missbrauchsfälle und die zahlreichen Kirchenaustritte des zurückliegenden Jahres erforderlich zu sein scheint.

Dialog im theologischen und geistlichen Sinne meint freilich etwas anderes als Debatte um Modernisierung von Strukturen usw. Ein solcher Dialog setzt an beim ewigen Sohn, beim Logos-Wort des Johannesevangeliums, das in die Welt eintritt und von uns aufgenommen werden will.

Das Ankommen Gottes bei uns ist der Urdialog. Aus dieser neuen Wirklichkeit heraus, Christus in uns und wir in Christus, stehen wir, seine Jünger, dialogisch in der Welt. Wir wollen die Botschaft Gottes ins Gespräch bringen, mehr noch in die Herzen. Die Verdunstung des Glaubens in unserer Gesellschaft, die Gottes- und Glaubenskrise, die sich ja schon lange in der Gesellschaft angekündigt und ausgebreitet hat, laden uns Gläubige ein zu solch einem Dialog: Zeugnis zu geben vom Grund des Glaubens, von der Hoffnung, die uns trägt.

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