Islamisierung: Unbegründete Angst


Islamwissenschaftler Prof. Mathias Rohe

Der Jurist und Islamwissenschaftler Mathias Rohe spricht im Interview über die gemeinsamen Schnittpunkte und Konfliktpunkte des Islam mit der Geschichte Europas, sein Verständnis für die Äußerung von Innenminister Friedrich, der Islam gehöre nicht zu Deutschland sowie sein Plädoyer für eine härtere Hand im Jugendstrafrecht.

Von Felix KubachDeutsch Türkische Nachrichten

Mathias Rohe ist überzeugt, dass Deutschland sich noch viel von anderen europäischen Ländern wie Frankreich oder Großbritannien abschauen kann. “Die sind näher dran”, meint Rohe und bezieht sich damit beispielsweise auf die seiner Meinung nach insgesamt bessere mediale Berichterstattung über Themen der islamischen Welt.

Dass jedoch auch die Migranten selbst  zum Teil große Schwierigkeiten hätten, “sich in der hochkomplexen deutschen Zivilgesellschaft Gehör zu verschaffen”, betont er auch. Als Grund führt er das zum Teil niedrige Bildungsniveau der Einwanderer an. Die Kirchen in Deutschland sieht Rohe eher als Verbündete denn als Nutznießer der zum Teil antiislamischen Stimmungsmache. Er erklärt: “Ich glaube, dass die Kirchen sehr wohl verstanden haben, dass der Umgang mit dem Islam in Deutschland auch für ihre eigene Zukunft nicht unbedeutend ist.” Der Austausch zwischen Juden und Muslimen leidet aus seiner Sicht sehr stark unter dem Nahost-Konflikt. Lesen Sie hier das komplette Interview.

Deutsch Türkische Nachrichten: Können Sie uns einen Aufriss in Stichpunkten geben – wo der Islam in Deutschland in der Geschichte eine Rolle gespielt hat?

Mathias Rohe: Kulturtransfer und Wissenstransfer aus der islamischen Welt hierher waren vor allem im Mittelalter sehr bedeutsam – das hat sich bis in die universitäre Ausbildung niedergeschlagen. Insgesamt wird man sagen müssen: In den letzten Jahrhunderten wurde die Bedeutung im Vergleich zu anderen Faktoren sicherlich etwas geringer. Inzwischen ist der Einfluss des Islam aber wieder stark zunehmend – bis hin zur dauerhaften Präsenz von ungefähr vier Millionen Muslimen in unserem Land als Teil unserer Gesellschaft. Das bleibt nicht unbemerkt. Mir ist vor allem wichtig, dass man sich klar macht, was man eigentlich mit der Diskussion über die Aussage meint „Gehört der Islam zu Deutschland?“. Mit den vielen Muslimen gehört der Islam selbstverständlich zu Deutschland. Wenn das jedoch heißen sollte, dass wir eine breitflächige Islamisierung bekommen und das übrige Kulturerbe verschwinden soll – irrationale Ängste mancher Leute, die teils auch bewusst geschürt werden – dann ist es eine Selbstverständlichkeit, dass dem nicht so ist.

weiterlesen

5 Comments

  1. Natürlich ist mir bewusst, dass der Islam in Europa im allgemeinen und in Deutschland im speziellen weit davon entfernt ist einen politischen Machtfaktor darzustellen. Das die Unterwanderung republikanischer und demokratischer Tugenden in Deutschland durch rechtskonservative Christen eine wesentlich realere Gefahr darstellt ist auch klar. Trotzdem ist mir die islamfreundliche Tendenz in diesem Blog suspekt. Aus atheistischer Perspektive stellen alle Religionen eine potenzielle Gefahr dar, dazu zähle ich übrigens auch atheistische Erlösungsreligionen.

    Gefällt mir

  2. @nickpol

    Jedes Kind kann auf dieser Internetseite von „Brights“ deutlich erkennen, dass die Berichterstattung auf dieser Internetseite dem Islam meist befürwortend gegenübersteht und positiv gesinnt ist!

    Eigentlich befindet sich „Brights“ in einer Zwickmühle! Denn durch die wachsende Islamisierung in Europa gewinnen die christlichen Konservativen und Rechten immer mehr an Bedeutung und Stärke! Die Menschen suchen wieder Identifikation mit christlichen Werten, Tradition und einen höheren Sinn! Das gefällt den Atheisten nicht, darum versuchen sie die eigentlich nicht zu leugnende Gefahr der Islamisierung und des Islamismus zu relativieren, indem gesagt wird, dass alles bloß Panikmache und Einbildung sei!

    Doch damit tun sich die Atheisten nichts Gutes! Denn der Islam ist ein potentieller Feind des Atheismus! Die Atheisten schaufeln sich also ihr eigenes Grab!

    „Nickpol“ du schreibst:
    „Da sind Muslime weit von entfernt. Ich kann mir nicht vorstellen das ein Großmufti im Bundestag Redezeit eingeräumt bekommt, der Papst schon.“

    In Europa NOCH nicht! Werf doch einen Blick in die Islamischen Länder! Iran, Saudi-Arabien, Sudan usw. Ich denke ich brauche dir da kein Lieb von zu singen…

    Der Atheismus hat versagt, er hat schon im Kommunismus versagt! Nichts wird den GOTTESGLAUBEN zerstören können! Ganz im Gegenteil; die Religionen gewinnen immer mehr und mehr an Bedeutung! Da kann uns der Atheismus noch so mit moderner Technologie locken, mit „wissenschaftlichen“ Aussagen uns die Evolution zu belegen versuchen, und als dumm, reaktionär oder sonstwie bezeichnen. Der Mensch wird gemäß seiner psychologischen Dynamik an alles glauben, nur nicht an den bodenlosen, nichtigen, leeren, nihilistischen ATHEISMUS!

    Gefällt mir

  3. Der Artikel ist ziemlich bedenklich, denn Rohe erklärt alle Konfessionslosen zu Antiislamisten und verleugnet die enorm wichtige Verbindung zwischen dem Antiislamismus und der christlichen Religion. Wer gegen den Religionsunterricht ist, ist den Augen dieses Stümpers gleich ein Islamhasser.

    In den antiislamistischen Kreisen dominiert das Christentum als Identität stiftende Macht und bei PI-News.net und co sieht man nicht nur in den Artikeln, sondern auch an den Links, daß das Christentum und das Judentum für den Antiislamismus großer Bedeutung sind. Der Antiislamismus in den USA, der ja auch den europäischen mit Propaganda unterstützt, wäre ohne die christliche Rechte aus den USA undenkbar.

    Rohe steht der Religion zu nahe, um eine akzeptable Stimme gegen den Wahnsinn des Antiislamismus zu sein. Daß er das Tragen von Kopftücher an Schulen unterstützt, ist auch ein Grund auf Distanz zu gehen.

    Auch kritisieren kann man, daß Rohe den Einfluss und die Macht religiöser Extremisten unterschätzt. Die extremsten Ausprägungen der jeweiligen Religion sind die Gruppen mit dem größten und schnellsten Wachstum.

    Am schwersten wiegt natürlich sein Versuch die Konfessionslosen als Keimzelle des Antiislamismus zu verkaufen und die Kirchen als Verbündete gegen diese Gottlosen, den gemeinsamen Feind von Christemtum und Islam, anzubieten.

    Gefällt mir

  4. Woher kommt eigentlich die islamfreundliche Richtung des Brightsblog? Es wäre doch eigentlich nur konsequent, wenn der Islam hier mit der gleichen Vehemenz angegangen würde wie das Christentum auch.

    Gefällt mir

    1. Der Blog ist nicht islamfreundlich. Der Islam wird genauso behandelt wie andere Religionen auch. Der Unterschied ist lediglich dergestalt, dass soziale Konflikte nicht religionisiert werden. Es ist mir prinzipiell egal, ob jemand an Allah, Gott, oder Jahwe glaubt. Der Unterschied ist, dass der Gott der Christen bis hin zum Bundestag gelabert wird und an den Schalthebeln der Macht sitzt. Da sind Muslime weit von entfernt. Ich kann mir nicht vorstellen das ein Großmufti im Bundestag Redezeit eingeräumt bekommt, der Papst schon.
      Darüber hinaus unterscheiden sich die Menschen eben nicht durch ihre Religion. Der katholische Bundespräsident ist evangelikal vernetzt, der katholische Vizepräsident des Deutschen Bundestages ist sozialdemokratisch. Aber niemand von den rassistischen Islamkritikern würde die Honoratioren Deutschlands an ihrer Religion messen oder entsprechend markieren.

      Gefällt mir

Kommentare sind geschlossen.