Die Jesus-Erfindung


Neues Testament aus dem Jahre 1546, gedr. von Hans Lufft, Nürnberg, Holzschnitt von Lukas Cranach d.Ä.

Milliarden Christen werden an Karfreitag der in der Bibel beschriebenen Kreuzigung Jesu gedenken, an Ostern seine Auferstehung feiern. Hat dieser Glaube einen wahren Kern? Was wissen wir sicher über den Menschen Jesus von Nazareth? Sybille Marx sprach mit dem Theologen und Jesus-Forscher Professor Jens Schröter von der Humboldt-Universität zu Berlin.

Von Sybille Marxnordkurier.de

Jesus ist die am meisten überschätzte Person der Weltgeschichte, sagt der Theologe Heinz-Werner Kubitza in seinem neuen Buch „Der Jesuswahn“. Stimmen Sie zu?

Überhaupt nicht. Dieses Buch bleibt ohnehin weit hinter der gegenwärtigen Jesusforschung zurück. Eine von Kubitzas Argumentationslinien lautet etwa: Was die Anhänger Jesu im Neuen Testament über Jesus berichten, ist böswillig erfunden oder das Ergebnis einer Selbsttäuschung. Wer so argumentiert, müsste reihenweise antike Texte als Erfindungen oder Selbsttäuschungen abtun.

Ist Ihrer Meinung nach alles genau so passiert, wie es in der Bibel beschrieben wird?

Nein. Das behauptet aber auch kein ernstzunehmender Bibelwissenschaftler. Die biblischen Texte, die von Jesu Worten und Taten berichten – die vier Evangelien Matthäus, Markus, Lukas und Johannes – sind keine historischen Tatsachenberichte im Sinne neuzeitlicher Geschichtsschreibung. Das ist auch gar nicht ihr Anspruch. Sie sind Interpretationen des Wirkens und Geschicks Jesu aus der Sicht der frühen Christen. Die Verfasser bringen darin ihren Glauben zum Ausdruck, dass Jesus Gottes Sohn war und dass er von den Toten auferweckt wurde. Aus dieser Überzeugung heraus erzählen sie von ihm und legen ihm auch Worte in den Mund, die er historisch betrachtet nicht gesagt hat. Das bedeutet aber nicht, dass es sich um pure Erfindungen handeln würde. Man kann diesen Texten nicht ihren Realitätsgehalt absprechen.

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2 Comments

  1. „… und legen ihm auch Worte in den Mund, die er historisch betrachtet nicht gesagt hat. Das bedeutet aber nicht, dass es sich um pure Erfindungen handeln würde. Man kann diesen Texten nicht ihren Realitätsgehalt absprechen.“

    Der kreative Umgang von Geistlichen mit der Wahrheit treibt immer wieder amüsante Blüten.

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  2. Die Ostertage sind Märchentage ! Oder steht irgendwo in der Bibel etwas über Osterhasen ?

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