Vom Tod des kuhäugigen Manga-Jesus


No Easter This Year, They´ve found the Body

Schön wärs. Würde es doch behilflich sein und das Halleluja-Geschrei der kommenden Woche zum verstummen bringen. Den Ungläubigen bleibt das aber nicht erspart. Jesus, wenn er denn überhaupt als historische Figur gelebt hat, stirbt immer schöner und blutiger. Der angebliche Sohn eines angeblichen Gottes stirbt für die Sünden der Menschheit, es geht eben immer noch etwas dümmer.

Fundamentale Christen, die sich in einem Verein „Campus für Christus“ organisiert haben, bringen nun eine besonders blutige und brutale Fassung der Kreuzigung des göttlichen Bastards in die Medien. Der Zuschauer sieht die Auspeitschung des Gottessohnes mit den Augen eines verurteilten Diebes und Mörders. Genussvoll lässt der Henker die Peitsche auf dem Rücken des Deliquienten tanzen, blutige Striemen hinterlassend. Dann gibt es den Querbalken zum tragen und ab geht es auf den Todesacker. Hier wird nun das Einschlagen der Nägel in Hände und Beine detailliert gezeigt und wieder spritzt und fließt digitales Blut.

Gedacht ist der Clip für das junge Publikum, dem man einen neuen medialen Zugang zum Evangelium bereiten will. Für den Kurzfilm konnte man den japanischen Anime-Produzenten „STUDIO4°C“ aus Tokio gewinnen. Die Wirklichkeit der Kreuzigung, die Leiden und Qualen Jesus sollen anschaulich und plastisch dargestellt werden.

Werden solche Szenen in bekannten Ego-Shootern gezeigt ist das Geschrei groß, sinken der Hemmschwelle, Retardierung der Moral, Töten als verpixelte Lust, Amokläufe an Schulen. Das Geblöke all jener Pädagogen, Medienwissenschaftler, Soziologen, die aus Mausschubsern Killermaschinen machen, habe ich noch in den Ohren.

Im Sterben des Gottessohnes liegen aber die höheren Weihen, hier sollen Menschen, insbesondere Jugendliche durch Wort und TAT für ein Leben mit Gott gewonnen werden, so jedenfalls der missionarische Anspruch des Vereins „Campus für Christus.“ Ich vermisse das Geschrei und Geheule all jener Gutmenschen, die gleich alle Computerspiele verbieten wollen, aber in ihrer religiösen Bigotterie solchen Christen-Dreck gutheißen.

4 Comments

  1. Wie passen da jetzt bitte Gutmenschen rein? Was man üblicher Weise als Gutmenschen bezeichnet, also die Grünen und co, läßt für gewöhnlich die Finger von Computerspiel-verboten.

    Hinter den Forderungen nach Computerspielverboten stehen in der Regel die Ränder des konservativen, rechten und linken Spektrums und die werden eher selten Gutmenschen genannt.

    Es ist Animegewalt (und die wird auch in Deutschland nachsichtiger behandelt und bei religiösen Themen schaltet ohnehin der Verstand der Jugendschützer aus) und wird, wenn es nach Deutschland kommen sollte, wohl auch erlaubt werden. Mel Gibsons Variante ist ja leider auch nicht als Snuff-Film erkannt worden.

    Diese Gewaltorgien, die eigentlich ja im Hintergrund bei der Ostergeschichte stehen (Es geht primär darum zu predigen „Fürchtet den Tod nicht, den der Gläubige wird erlöst“), sollen einschüchtern, ein schlechtes Gewissen wecken und den Zuschauer sich schuldig fühlen lassen. Die Filmchen sollen den christlichen Zuschauer manipulierbar und möglichst radikalisieren, was ja leider erlaubt zu sein scheint.

    Im Grunde ist das Filmchen ein höchst unchristliches aus den Händen manipulierender religiöser Extremisten, die sich für
    überchristlich halten.

    Wie bei allen evangelikalen Taten steht die Show im Mittelpunkt, die Möglichkeit aus Individuen einen Mob zu machen und sich mit psychologischen Tricks, Gruppendruck und co andere Menschen untertan zu machen.
    vielleicht soll das Filmchen ja auch de Sade – Verehrer in den Reihen der christlichen Extremisten ein Möglichkeit geben das Sündige mit dem Heiligen zu verbinden.

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  2. Wem das evangelikale Manga-Video zu homoerotisch ist, der sollte sich lieber den attraktiveren Ostersong dieser Atheistin anschauen:

    „If you become a zombie we will follow?“

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