In Mainz gibt es einen kollektiven Kirchenaustritt


Nichts wie raus aus der Kirche? DPA (ARCHIVBILD)

Endlich raus? Kollektiver Kirchenaustritt geplant
Mainz – Am Donnerstag – einen Tag vor Karfreitag – soll es eng werden im Mainzer Standesamt.

Von Alexandra SchröderRhein-Zeitung

Über Facebook haben sich mehr als 70 Personen (Stand: Montagmorgen) zu einem kollektiven Kirchenaustritt verabredet. Mit der Aktion wollen die Organisatoren ein Zeichen „gegen die Missstände in der Kirche“ setzen. Wer David Häußer, einer der Organisatoren, nach seinen Gründen fragt, der wird schon fast erschlagen mit Argumenten. Ganz klar sei, dass die Kirche nicht die liebevolle, moralische Institution sei, als die sie „sich verkauft“. Die im vergangenen Jahr aufgedeckten Missbrauchsfälle sind für ihn nur ein Beispiel. Auch die Verwendung der Kirchensteuer ärgert ihn: „Oft wird ja darauf verwiesen, dass die Kirche damit soziale Aufgaben erfüllt, aber laut Giordano-Bruno-Stiftung gilt das nur für 10 Prozent der Steuern. 90 Prozent sind für innerkirchliche Zwecke.“

Häußer, der auch beim Internetmagazin FICKO aktiv ist, das im Januar die Demo gegen Thilo Sarrazin organisiert hatte, macht aber eine wichtige Unterscheidung: „Es geht uns nicht um Religion. Wer an Gott glaubt, soll das ruhig weiterhin tun. Es gibt nur einfach keinen Grund, warum man dafür in der Kirche organisiert sein sollte.“

Die Frage, warum er nicht einfach aus der Kirche austritt und den Rest der Welt damit in Ruhe lässt, kontert der noch evangelische Ungläubige ganz locker: Die Kirche lässt den Rest der Welt ja auch nicht in Ruhe. „Die Mitspracherechte der Kirche im Leben der Menschen sind immens, etwa beim Thema Schwangerschaftsabbrüche. Und obwohl die Kirche diese nicht einmal bezahlt, hat sie das letzte Wort bei den Theologieprofessuren an der Uni und darf wegen des Konkordatslehrstuhls sogar in der Philosophie und in Geschichte entscheidend mitbestimmen. Ich kenne außerdem Leute, die in sozialen Berufen arbeiten und nicht aus der Kirche austreten dürfen, weil sie sonst ernste Probleme mit ihrem Arbeitgeber kriegen. Das finde ich unglaublich!“

Erst hatten sich nur ein paar Freunde ganz privat für den gemeinsamen Austritt gefunden. Dann wurde die Facebookseite erstellt. Wie viele Austritte es am Donnerstag tatsächlich geben wird, ist allerdings unklar. Denn laut Häußer wollen auch Personen live dabei sein, die nie in der Kirche waren oder längst ausgetreten sind. Und natürlich freuen sich die Organisatoren, wenn noch mehr Mainzer dabei sind.

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Ein Gedanke zu “In Mainz gibt es einen kollektiven Kirchenaustritt

  1. Argus7

    Diese angekündigten Kirchenaustritte sind der beredte Beweis dafür, dass nicht nur gottgläubige Menschen erleuchtet werden können, sondern eben auch künftige Atheisten diese Gnade teilhaftig werden können !

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