Finnland: Wahrer Christ ist Rechtspopulist


Quelle: schwule-seite.de

Warum Christen die ‚Wahren Finnen‘ wählten
Die Partei lehnt Abtreibung und „Homo-Ehe“ ab

Kath.net

Helsinki (kath.net/idea) Zum Wahlerfolg der „Wahren Finnen“ bei den Parlamentswahlen am 17. April in Finnland haben offenbar viele Christen beigetragen. Die von Medien als „Rechtspopulisten“ bezeichnete Partei erreichte 19 Prozent und steigerte ihren Stimmenanteil damit um das Viereinhalbfache gegenüber der Wahl von 2007. Sie liegt knapp hinter der bürgerlichen Nationalen Sammlungspartei (20,4 Prozent) und den Sozialdemokraten (19,1 Prozent).

Die Zentrumspartei, die bisher die Regierungschefin stellte, erhielt nur 15,8 Prozent. Beobachter gehen davon aus, dass die drei Parteien mit den höchsten Stimmenanteilen die künftige Regierung bilden.

Im Wahlkampf hatte sich die Partei unter Führung des Katholiken Timo Soini gegen den EU-Rettungsschirm für finanzschwache Länder wie Griechenland und Portugal gewandt sowie für einen Ausstieg Finnlands aus der EU ausgesprochen. Im Parteiprogramm stehen aber auch einige Punkte, die für Christen interessant sind, etwa die Ablehnung von Abtreibungen und gleichgeschlechtlichen „Ehen“. Das hat sie für Konservative attraktiv gemacht, sagte der Vorsitzende der Finnischen Evangelischen Allianz, Timo Keskitalo, gegenüber idea. Seiner Ansicht nach ist der Erfolg der „Wahren Finnen“ zu einem Großteil eine Reaktion darauf, dass die etablierten Parteien in ethischen Fragen weitgehend liberale Positionen vertreten. Dazu komme die Sorge vieler Bürger vor einem wachsenden Einfluss von Muslimen. Die von Evangelikalen gewöhnlich bevorzugten Christdemokraten bekamen rund vier Prozent der Stimmen, fast ein Prozentpunkt weniger als bei der letzten Wahl.

Keine extreme Fremdenfeindlichkeit

Die Forderungen der „Wahren Finnen“ nach einer restriktiven Einwanderungspolitik seien vermutlich nicht ausschlaggebend gewesen, so Keskitalo. Die meisten Einwanderer kämen aus christlich geprägten Ländern, so dass die „Wahren Finnen“ keine extreme Fremdenfeindlichkeit hätten propagieren können. Außerdem habe der Parteivorsitzende ständig mit Ausländern zu tun. Die kleine katholische Kirche, in der er mitarbeite, bestehe hauptsächlich aus Einwanderern. Allerdings hätten sein Verständnis von sozialer Solidarität und seine Kritik an der Asylpolitik bei gesellschaftspolitisch engagierten Christen große Besorgnis ausgelöst, so Keskitalo. Von den 5,3 Millionen Einwohnern Finnlands gehören knapp 80 Prozent zur Evangelisch-Lutherischen Kirche. Die römisch-katholische Kirche hat rund 10.000 Mitglieder, von denen ein Großteil polnische Wurzeln hat.