God bless my Donut


Antiliberale Strömungen, zunehmend stärkerer evangelikaler Protestantismus und die sich politisierende Religious Right sind nur ein Teil des komplexen Verhältnisses der Amerikaner zur Religion. Im Bild ist der Fernsehprediger Joel Osteen zu sehen. (© ASSOCIATED PRESS)

49 Prozent der Amerikaner glauben an die Hölle, 60 Prozent wissen sicher, dass es einen Himmel gibt: Ein Buch zur spirituellen Produktvielfalt in den USA erklärt den rätselhaften Markt der Religionen.

Von Friedrich Wilhelm Grafsueddeutsche.de

1995 veröffentlichte Robert D. Putnam, Politikwissenschaftler in Harvard, den Essay „Bowling Alone“, der in den USA weit über den akademischen Diskurs hinaus große Beachtung fand. Im Bowlingspieler, der an einer vollmaschinisierten Bahn nur noch mit sich selbst spielt, fand Putnam ein geniales Bild für den von ihm beklagten Verfall des von Amerikanern einst so reichlich akkumulierten Sozialkapitals.

Habe man früher im Kegelclub mit- und gegeneinander gespielt und dabei auch über Politik reden oder Geschäfte anbahnen können, sei Bowling nun zu einem Zeitvertreib einsam um sich selbst kreisender Solipsisten geworden, die sich hier mit niemand mehr austauschen und keine Kontakte pflegen oder knüpfen können. Liberaler Individualismus habe gewachsene Gemeinschaften zerstört, und die einst blühende Landschaft der vielen freien Assoziationen drohe zunehmend zu versteppen: Fitnessstudio mit Glotze statt Sportclub mit Geselligkeit.

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