Kardinal Schönborn: „Kirche braucht gelebte Heiligkeit“


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Die Osternacht ist die Nacht aller Nächte
Der Fehler der Liturgiereform nach dem Konzil war wohl vor allem die zu große Eile – Kath.Net-Interview mit Kardinal Schönborn über YOUCAT, das Theologenreferendum, die Liturgiereform und das Osterfest

Von Roland Noé – Kath.net

Kath.Net: Sie haben vor wenigen Tagen den neuen Jugendkatechismus YOUCAT vorgestellt. Neben vielen positiven Reaktionen gab es aus dem Bereich der theologischen Fakultäten einige Kritik. So meinte der Salzburger Religionspädagoge Bucher im ORF zur YOUCAT-Aussage über Kreuzestod Christi: „Wenn das so interpretiert wird, daran seien auch die heutigen Sünder mitschuldig, dass Jesus das alles gelitten habe, das finde ich einfach höchst problematisch.” Was sagen Sie als Herausgeber des YOUCAT zu solchen Vorwürfen?

Schönborn: Der YOUCAT ist jetzt bereits eine Erfolgsgeschichte. Ich habe nicht die genauen aktuellen Zahlen, doch muss ständig nachgedruckt werden, so enorm ist die Nachfrage. Ich glaube, der YOUCAT wird weltweit ein ganz wichtiges Buch der Glaubensvermittlung werden. Schon jetzt sind über 15 Übersetzungen im Gange. Bald werden es 25 sein.
Natürlich gibt es auch Kritik an diesem Jugendkatechismus. Es wäre ja seltsam, wenn es das nicht gäbe. Die Aussagen von Prof. Bucher möchte ich nicht kommentieren, da ich nicht den ganzen Zusammenhang seiner Äußerungen kenne. Ich darf nur an zwei Texte im großen Katechismus erinnern, die wohl eine klare Antwort auf das Zitat von Anton Bucher bieten: In der Nummer 605 des großen Katechismus heißt es:
„Diese Liebe schließt niemanden aus“.

Jesus sagt das anhand des Gleichnisses vom verlorenen Schaf: „So will auch euer himmlischer Vater nicht, dass einer von diesen Kleinen verlorengeht“ (Mt 18, 14). Er erklärt, er gebe sein Leben hin „als Lösegeld für viele“ (Mt 20, 28). Der Ausdruck „für viele“ ist nicht einengend, sondern stellt die ganze Menschheit der einzigen Person des Erlösers gegenüber, der sich hingibt, um sie zu retten. Im Anschluss an die Apostel lehrt die Kirche, dass Christus ausnahmslos für alle Menschen gestorben ist: „Es gibt keinen Menschen, es hat keinen gegeben und wird keinen geben, für den er nicht gelitten hat“ (Syn. v. Quiercy 853).

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