Deshalb geht Ostern alle an


Die Geschichte von Tod und Auferstehung gehört zum Selbstverständnis des Westens

Von Alan PosenerWELT ONLINE

Es ist die aufregendste Geschichte der Welt. Und die einflussreichste. Selbst Atheisten können sich ihrem Sog nicht entziehen. Die Ostergeschichte, dieses Drama um Verrat, Erniedrigung, Qualen, Tod und Auferstehung, enthält nicht nur die zentrale Botschaft des Christentums. Es schwingt auch mit in anderen, ganz und gar nicht christlichen Vorstellungen – im Sozialismus etwa, mit seiner Vorstellung des Proletariers als Schmerzensmann, der mit seiner Selbstbefreiung die ganze Menschheit befreit. Die besten und die schlimmsten Momente der westlichen Geschichte sind mit dieser Erzählung verbunden: die antiautoritär grundierte Vorstellung, gerade im verachteten Außenseiter könne sich das Heil verbergen, ebenso wie die Verachtung der Juden als „Gottesmörder“. Grund genug, sie sich noch einmal vor Augen zu führen.

Sie beginnt mit dem Einzug des Rabbi Jesus aus Nazareth mit seinen Anhängern in Jerusalem. Vom Galiläer Jesus sind Worte und Handlungen überliefert, die alles infrage stellen, was den strengen Tempelpriestern heilig ist. Er hat die Steinigung einer Ehebrecherin verhindert, verkehrt mit Prostituierten und Steuereintreibern, ja sogar mit Nichtjuden, heilt Menschen am Sabbat und fragt, ob der Mensch dem religiösen Gesetz oder das Gesetz nicht vielmehr dem Menschen dienen soll. Kein Wunder, dass er von den einfachen Menschen mit „Hosianna!“-Rufen empfangen wird.

weiterlesen