Klöckner und Göring-Eckardt im Interview: Die Wichtigkeit des Glaubens in der Politik


Quelle: perlbal.hi-pi.com

Klöckner und Göring-Eckardt im Interview
„Wir sind von Gott getragen“
(RP) Können Politiker etwas vom Osterfest lernen? Ein Doppelinterview mit zwei Frauen, die einerseits in der Politik aktiv sind, andererseits auch kirchliche Funktionen ausüben: Julia Klöckner, CDU-Chefin in Rheinland-Pfalz und Mitglied im Zentralkomitee der Katholiken, im Gespräch mit Katrin Göring-Eckardt (Grüne), Bundestagsvizepräsidentin und Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Michael Bröcker, Rena Lehmann, Eva Quadbeck und Lothar Schröder führten das Gespräch – RP-online

Was bedeutet Ihnen Ostern?

Göring-Eckardt Für mich ist Ostern der höchste christliche Feiertag, mir ist Ostern wichtiger als Weihnachten. Ostern steht für die große Verwunderung, für das ewige Erstaunen: Jesus lebt, und wir sollen auch leben! Denn Gott zeigt in der Auferstehung: Dieser Jesus ist da und bleibt da, wir Menschen können ihn nicht zerstören, nicht verscharren, nicht mundtot machen. Deshalb ist Ostern das höchste Fest.

Was können Politiker vom Osterfest lernen?

Klöckner Das Osterfest zeigt, dass nach jedem Niederschlag ein Neuanfang möglich ist. Dass wir von Gott getragen sind. Das bezeichne ich als Urvertrauen – ein Geschenk, das mich ruhig und gelassen werden lässt.

Göring-Eckardt Ostern ist die Zusage, dass es bei Gott nichts Endgültiges gibt und man darum immer wieder neu anfangen kann, auch wenn man etwas komplett falsch gemacht hat oder zutiefst bereut. Man selbst darf verzweifelt sein. Selbst Jesus war verzweifelt. Aber die Verzweiflung behält nicht das letzte Wort.

Müssen Politiker die Osterbotschaften wie Demut, Vergebung, Wiederauferstehung mehr verinnerlichen?

Göring-Eckardt Politiker sind sehr normale Menschen. Die Frage ist, ob sie den Trost durch Gott empfinden und dadurch die Stärke haben, auch demütig sein zu können. Es ist ja eine Mutprobe, demütig zu sein. Man muss stark sein, wenn man sein eigenes Scheitern zugibt. Ich merke es immer wieder, dass die Leute völlig verblüfft sind, wenn ich einen Fehler zugebe.

Klöckner Politiker brauchen einen verlässlichen „Instrumentenkasten“ an Grundüberzeugungen. Das christliche Menschenbild, Wert und Würde eines jeden Einzelnen, diese Grundüberzeugung hilft mir bei ethischen Fragen in der Politik. Bei der Entscheidung zur Patientenverfügung bin ich strikt gegen aktive Sterbehilfe, bei der Frage nach der Präimplantationsdiagnostik bin ich für den ungeteilten Embryonen-Schutz und deshalb gegen Embryonenvernichtung.

Göring-Eckardt Ich bin evangelisch geprägt, für mich gehört es zur Freiheit eines Christenmenschen, Positionen immer wieder anzweifeln und die Dinge immer wieder neu durchdenken zu können. Ich möchte nicht sagen: Sehr gut, dass da schon einmal jemand für mich nachgedacht hat, da mache ich jetzt einen Haken dahinter.

Klöckner So meine ich das auch nicht. Aber ich muss mich beim Embryonen-Schutz nicht jedes Mal wieder fragen, wann ein Leben beginnt. Es gibt Entscheidungen, da gibt es nur ein Ja oder ein Nein, nicht ein bisschen schwanger sein.

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1 Comment

  1. Mir scheint der geistige Dünnpfiff dieser Tage hat sich multipliziert. Ich kann mich nicht erinnern, am Eierfest jemals soviel Aufmerksamkeit in der Presse gesehen und gehört zu haben wie dieses Jahr.
    Politiker werden durch die Presse nahezu genötigt Stellung zu ihrem Glauben zu beziehen.
    Und welcher Politreligiot lässt sich so eine Gelegenheit entgehen sich hier mit seinem geistigen Ejakulat zu prostituieren.

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