Die Inflation des Heiligen


Ihre Wundertätgikeit strahlt bis heute aus: Die Heilige Mutter Gottes von Fatima © dpa

Mehr als achtzig Prozent aller Heiligen sind im 20. Jahrhundert anerkannt worden: Jetzt sucht die Forschung Antworten auf die Frage, ob es eine Inflation von Heiligen analog zur Versorgung der Wirtschaft mit immer mehr Geld gibt.

Von Jürgen KaubeFAZ.NET

Gottes Handeln ist in der Geschichte, die uns das Christentum erzählt, rückläufig. Erst sah man ihn, dann hörte man ihn immerhin noch, was Verhandlungen erlaubte, dann schickte er seinen Sohn, und zuletzt bleiben Texte, von denen die Philologen dann herausfanden, dass sie mehr als einen Autor haben.

Aber es blieben nicht nur Zeichen, sondern auch noch Wunder. Das Wunder, schrieb Kardinal Ratzinger 1977, sei als Zeichen dafür unersetzlich, dass Gott handeln könne, ohne den Glauben daran falle die Annahme schwer, er sei auch in der Gegenwart anwesend und zu Spontaneität fähig. Auch Gott, heißt das wohl, kann Kausalketten anfangen, aber dann müssen es schon besondere sein. Vor Experimenten betet niemand, und Politiker, die ihre Wiederwahl als Wunder im strikten Sinne bezeichnen würden, müssten mit Kommentaren rechnen.

weiterlesen

1 Comment

  1. Heilige zu produzieren ist ein probates Mittel, um die schwindende Akzeptanz der Katholen-Kirche zu überspielen.
    Wer in der Lage ist, Wunder zu erfinden und in beliebiger Zahl zu produzieren, dokumentiert auf diese Weise Macht. Es wird eben immer Dumme geben, die an diese hausgemachten Wunder glauben. Also, mich wundert das schon lange nicht mehr !

    Liken

Kommentare sind geschlossen.