Leonardo Boff: Das Fegefeuer von Petrópolis


Leonardo Boff (2003 bei der Vorstellung seines Buchs Masculino e Feminino. Foto: Hermínio Oliveira/ABr)

Vor 25 Jahren war Leonardo Boff der große Gegenspieler des Papstes. Um den Franziskaner ist es ruhig geworden. Laut werden kann der 72-Jährige aber immer noch. Ein Hausbesuch

Von Claus Christian MalzahnWELT ONLINE

In der brasilianischen Kaiserstadt Petrópolis, 860 Meter über dem Meer und kaum eine Brise von Rio de Janeiro entfernt, wartet ein Mann Gottes zwischen Palmen und Pinien wütend auf ein gutes Wort aus Rom. Bis dahin betet er sein radikales Vaterunser. Es klingt erst so wie überall auf dieser Welt. Aber dann, bitte schön: Dein Wille geschehe – und nicht der von United Fruit und Texaco.

Wenn Leonardo Boff heute in die Kirche geht, dann gedenkt er zu Ostern der Auferstehung eines Guerilleros, der von seinen Gegnern wegen subversiver Aktion ans Kreuz geschlagen wurde. Dieser Jesus Christus kann Aktionäre und Banker nicht ausstehen. Boffs Messias taugt nicht als Wellness-Ikone. Der dunkelhaarige Typ mit dem Dornenkranz kommt direkt aus dem Untergrund.

Vor 25 Jahren war Boff in etwa so berühmt wie heute Julian Assange – und spielte im globalen Medienbetrieb eine ähnliche Rolle. Er forderte die Macht heraus. Und die saß für den katholischen Prof. Dr. theol. Leonardo Boff natürlich in Rom.

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1 Comment

  1. Anläßlich der letzten Papstwahl unterlag der argentinische Kardinal Jorge Mario Bergoglio dem deutschen Kardinal Ratzinger. Die Allianz der lateinamerikanischen Kardinäle konnte somit ihren Favoriten nicht durchsetzen. Somit blieb auch die Stimme von Leonardo Boff ohne weiteren Einfluß auf das Geschehen im Vatikan. Unbestritten ist, dass die Stimmung in Lateinamerika seit der Papstwahl nicht unbedingt romfreundlich ist. Der Vatikan – insbesondere die einflußreiche, konservativ ausgerichtete Organisation Opus Dei – fürchtet einen kommunistischen Einfluß bei den lateinamerikanischen Kardinälen und Bischöfen. Die Quintessenz: Solange der Ratzinger in Rom die Politik bestimmt, wird sich der Vatikan nicht reformfreundlich zeigen. Schlechte Zeiten für Kritiker wie Leonardo Boff.

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