Positiv denken macht dumm


Quelle: http://www.runnersworld.de

BR2 via Ratgeber News Blog

Die unterschätzten Nebenwirkungen

„Glaube versetzt Berge.“ Mit Weisheiten im Stil dieses Bibelzitats versuchen Motivationstrainer, den Menschen das positive Denken schmackhaft zu machen. Doch eine zu positive Denkweise kann ernsthafte Probleme verursachen.

„Sorge dich nicht, lebe!“ – so heißt der Bestseller von Dale Carnegie, dem Urvater der modernen Motivatoren. Sein Motto: Wenn das Leben dir Zitronen gibt, mach’ daraus Limonade. Wer nur fest genug an sich und seinen Erfolg glaubt, der kann alles erreichen. Der bekommt den begehrten Managerposten, der findet in der Stadt immer sofort einen Parkplatz und der verwirklicht all seine Träume im Handumdrehen. Zumindest in der Theorie.

In der Praxis allerdings kann man noch so optimistisch eingestellt sein – der versprochene Erfolg bleibt aus. In bestimmten Situationen, meint der Münchner Soziologie-Professor Armin Nassehi, kann es tatsächlich helfen, mit einer positiven Einstellung an etwas heranzugehen. Allerdings nutzt sich positives Denken im Alltag schnell ab. Und es wirkt sich auch eher auf die Denkweise an sich aus als auf das, woran man denkt.

Misserfolg? Selbst schuld!

Positives Denken soll dabei helfen, Ziele zu erreichen. Doch oft hält es Menschen sogar genau davon ab. Denn sie lassen sich von allzu hoch gesteckten Zielen und blumigen Träumereien einschüchtern. Wer immer nur positiv denkt, ohne zu hinterfragen, kann böse auf die Nase fallen – zum Beispiel mit hundertprozentig erfolgsversprechenden Geschäftsideen, die dann eben doch nicht funktionieren. Hier fehlt, was Nassehi als „Erdung“ bezeichnet: „Wenn man glauben soll, dass Dinge funktionieren, muss man sachliche Kriterien haben, dass sie funktionieren können.“

Doch Hinterfragen ist im Erfolgsmodell „Positives Denken“ gar nicht vorgesehen. Negative Gedanken, ein „was, wenn’s schiefgeht?“, sind nicht vorgesehen. Wer damit keinen Erfolg hat, der ist eben selbst schuld, weil er nicht positiv genug gedacht hat. Dass auch mal die Gesellschaft die Schuld am Misserfolg tragen könnte, dass für das Scheitern nicht man selbst verantwortlich ist, sondern zum Beispiel die aktuelle Weltwirtschaftskrise, wird völlig ausgeblendet.

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1 Comment

  1. Ich habe dieses Prinzip des positiven Denkens oft ausprobiert und was ist passiert. Nichts, ich bin kein Stück besser geworden als andere. Ausserdem stellt sich die Frage, wenn zwei Parteien einen Sieg wollen und saich einreden, dass sie gewinnen werden, dann stellt sich die Frage, wer als erster auf den Kopf fällt. Denn gewinnen können nicht beide Seiten.

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