SPD – Causa Sarrazin: Gegen biologischen Dilettantismus


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Entscheidung im Parteiausschlussverfahren: Verrat an unseren gemeinsamen Grundwerten. Sarrazin, seine Thesen und warum das Vorgehen der Parteispitze ein Verrat an unseren Grundwerten ist.

Von Yacine GhoggalVorwärts.de

Schon vor tausenden Jahren schotteten sich Menschen gegen andere Menschen ab, weil sie sie als anders, minderwertig ansahen. Anders waren diese Menschen, weil sie einer anderen Religion angehörten, besondere kulturelle Rituale hatten, die sich von den eigenen Unterschieden oder weil sie einfach unterschiedliche Sprachen artikulierten. Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal war jedoch für viele immer die Hautfarbe und andere äußerlich unterschiedliche Merkmale.

Aufgrund des genetischen Phenotyps sahen die Europäer in Schwarzafrikanern keine richtigen Menschen oder Menschen minderer Qualität. Durch Darwin und andere Evolutionsbiologen und Genetiker sahen sich dann vor hundert Jahren immer mehr Europäer in ihren Ansichten bestätigt. Rassismus und Antisemitismus zeigten sich in der Versklavung von Millionen Schwarzafrikern, dem Töten von Millionen Ureinwohnern Amerikas. Der Rassenhass gipfelte dann im Holocaust, vor und während des zweiten Weltkrieges, in der industriellen Ermordung von sechs Millionen Juden. Bis heute ist Rassismus in jedem Staat, mal ausgeprägter, Mal weniger ausgeprägt ein Problem. Aufgrund von Rassismus starben bis heute viele weitere Millionen Menschen und noch viel mehr werden unterdrückt, durch den Staat, aber auch durch die Gesellschaft.

Ein Staat, der viel Erfahrung mit Antisemitismus und Rassismus hatte, ist unsere Bundesrepublik und ihre Vorgängerstaaten. Der Staat war jedoch in erster Linie nicht Opfer sondern Täter, woraus sich eine Art kollektives Verantwortungsbewusstsein entwickelte, dass Taten wie die, die sich zwischen 1933 und 45 abspielten, weltweit verhindern wollte. Viele Menschen verwechselten und verwechseln diese Verantwortung bis heute mit Schuld und wehren sich gegen diese Verantwortung, die eigentlich jeder Mensch auf der Welt für sich und seine Umgebung tragen sollte. Aus dieser, für viele Menschen gefühlten Schuld und dem Scham, sich als überlegen geriert zu haben, entwickelte sich ein besonderer Umgang mit der eigenen nationalen Identität, Nationalstolz war verpönt, Patriotismus fehl am Platz, Nationalismus aus gutem Grund gesellschaftlich geächtet.

Vielen Menschen, die in ihrem Leben nichts eigenes vollbracht haben, fehlte jedoch die Identifikation mit etwas großem Erfolgreichem, dem sie angehören wollten. Dies ist alleine nichts negatives, das Bild welches Deutschland z.B. während der Fußball WM 2006 in Deutschland in die Welt abgab war durchweg positiv und wurde auch weltweit positiv aufgenommen. Problematisch wird es erst, wenn diese Menschen anfangen, und Teile eines jeden Staates tendieren dazu, andere aufgrund der eigenen nun gefundenen Identität vom Rest der Gruppe auszuschließen, wegen kultureller, religiöser oder gar ethnischer Unterschiede, sich als was Besseres zu sehen. Diese Menschen, die für eine solche Gruppendynamik verfänglich sind, weil sie eben im Leben nichts erreicht haben, worauf sie stolz sein können und deshalb versuchen die Leistungen einzelner anderer Menschen für sich zu vereinnahmen, sei es die von der Deutschen Fußball Nationalelf oder die einiger Wissenschaftler, etc. versuchen Rechte und Rechtsextreme für sich zu gewinnen. Für solche Parolen erreichbar sind jedoch auch die, die sich immer mehr in einer Identitätskrise befinden, denen es selber nicht gut geht, aber die Schuld bei sich selber nicht suchen wollen oder können. Für sie sind die, die aus ihrer Sicht nicht zur Gruppe gehören und gar dennoch etwas von dieser bekommen, Eindringlinge und Verantwortliche, da sie ihnen, ihren gerechten Anteil an der Gesellschaft wegnähmen, sei es nur am Arbeitslosengeld oder den Arbeitsplatz.

Für viele in Deutschland ist es schwierig mit einer solchen Situation zu leben. Sie wollen keine Rassisten, keine Nazis sein und schlucken das, was sie eigentlich denken, lieber runter als es auszusprechen. Sie wissen, dass sie gerade hier in Deutschland, wenn sie meinen, sie hätten einen höheren Anteil am Land verdient, als Zuwanderer, dass sie dann leicht in der Rechten Ecke landen. Diese zusätzliche gesellschaftliche Ächtung könnten sie auch nicht ertragen.

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4 Comments

  1. @Kalerjerna

    Selbstverständlich habe ich schon von Godwins Law gehört. Aber wenn jemand rassistische Bücher schreibt, soll ich dies nicht in Bezug zu Faschismus setzen?

    Soll ich aus dem Buch zitieren, anstatt nur darüber zu schreiben? Dann hätte der Artikel noch einiges an Umfang zugenommen, das wollte ich meinen Lesern nicht antun.

    Was habe ich z.B. mit dem Kreisverband der Linken in Duisburg zutun? Ich bin SPD-Mitglied!
    Außerdem, wie kommst du überhaupt darauf, dass mein Weltbild auf dem Kulturalismus fußt? Hast du den Artikel überhaupt zuende gelesen? Es gibt da einen Link zum vollen Artikel, der mit „weiterlesen“ benannt ist 😉
    Erkläre mir einmal, wie du darauf kommst.

    Ich habe Darwin in keinster Weise für die Naziverbrechen verantwortlich gemacht. Ich schreibe nur, dass Nazis Darwin auch vorgeschoben haben, so wie sie auch Christus für den Holocaust vorgeschoben haben.

    Wer, so wie Sarrazin, diese Schlüsse aus den Theorien von Darwin zieht, für den ist der Holocaust immer gerechtfertigter. Darwin werfe ich dagegen garnichts vor, seine Theorien hat er nie in der Art und Weise vertreten, dass diese absolut seien und nur diese das Wesen eines Wesens absolut bestimmten. Jeder intelligente Mensch wird dies zudem auch nicht da raus lesen, aber leider ist ein Großteil der Deutschen doof und stimmt den Thesen von Sarrazin zu. Genauso scheint ein Großteil der Deutschen die Begründung damals auch gerne so angenommen zu haben, anstatt einmal darüber nachzudenken und sich Darwins Thesen selber einmal durchzulesen und sich darüber Gedanken zu machen.

    Bis dann

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  2. Hat Yacine Ghoggal schon von Godwins Law gehört?

    Pech nur, dass Ghoggals Weltbild auf dem Kulturalismus der modernen Form des Rassismus fußt und Sarrazins Hypothetisieren über biologistische Ursachen von denen verteufelt und in einem Atemzug mit Rassismus von anno dazumal genannt werden, die als legitime Nachfolger im Geiste doch nur von sich selbst ablenken wollen.
    An der Linken des Kreisverbandes Duisburg konnte man dies erst kürzlich wieder sehen.

    „Aufgrund des genetischen Phenotyps sahen die Europäer in Schwarzafrikanern keine richtigen Menschen oder Menschen minderer Qualität. Durch Darwin und andere Evolutionsbiologen und Genetiker sahen sich dann vor hundert Jahren immer mehr Europäer in ihren Ansichten bestätigt. “

    Das gleiche Gesabbel wie von Christen die Darwin für die Naziverbrechen verantwortlich machen wollen. Selten solche Einfalt gelesen.

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  3. Die SPD hat vor allem auch ein Glaubwürdigkeitsproblem.
    Einerseits macht die SPD „Radikale salonfähig“, arbeitet mit „antisemitischen Islamisten“ und „türkischen Rechtsradikalen“ zusammen (Ali Ertan Toprak in der WELT *1).
    Andererseits dann der Versuch Sarrazin auszuschließen.
    Das wirkt willkürlich und das kann man halt nur schlecht verkaufen.

    *1)
    http://www.welt.de/politik/deutschland/article13242127/SPD-und-Gruene-machen-Radikale-salonfaehig.html

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  4. Dass Sarrazin mit den von ihm vertretenen Thesen und Wertungen nicht in die SPD gehört, ist doch leicht erkennbar. Aber dann müßten auch Leute wie die Nahles und der Thierse mit ihrer antilaizistischen Einstellung aus der SPD ausgeschlossen werden. Deren Demokrativerständnis scheint mir nämlich arg beschädigt zu sein ! Indem sie sich gegen die offizielle Anerkennung eines laizistischen Arbeitskreises in der SPD stellen, liefern sie den beredeten Beweis für ihr undemokratisches Verhalten.

    Bezeichnenderweise sind sowohl die Nahles als auch der Thierse engagierte Katholen. Zudem gibt es ja in der SPD auch einen christlichen Arbeitskreis. Weshalb wird dasselble Recht den SPD-Laizisten eigentlich verwehrt ?
    Hier ein Auszug aus http://www.ak-christen.spd.de

    „Wer wir sind und was wir wollen. Wir sind ein Zusammenschluss von Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten, die sich aus ihrem christlichen Glauben heraus in der SPD engagieren.

    Wir wollen christliche Überzeugungen für sozialdemokratische Politik fruchtbar machen. Zugleich suchen wir den Dialog mit Kirchen, kirchlichen Verbänden und Gruppen. Auf Katholiken- und Kirchentagen stellen wir uns der Diskussion und bieten unseren Beitrag an.

    Wir bieten auf Bundesebene einmal jährlich in Zusammenarbeit mit der SPD-Bundestagsfraktion eine offene Tagung mit Verantwortlichen aus SPD und Kirchen. Eine anschließende Klausurtagung des Arbeitskreises dient der Vernetzung und der Verabredung von Projekten.“ (Zitatende)
    Weiterer Kommentar dazu ist überflüssig !

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