Studie: Die größten Angsthasen sind religiös und politisch rechts


Quelle: blick.ch

Angst in der Schweiz
Auweia! Die grössten Angsthasen sitzen in der SVP oder FDP – und sind religiös.

Von Romina LenzlingerBlick.ch

Die Evolution mag uns Menschen stetig verändern – doch eines wird nie von uns weichen: die Angst. Vielleicht auch deshalb ist das sogenannte Angstbarometer die älteste Schweizer Umfrage überhaupt. Einer der wichtigsten «Angstauslöser» ist die Kriminalität: So zeigen es die jährlichen Auswertungen des Forschungsinstituts Gfs-Zürich.

1000 Leute befragt die Schweizerische Gesellschaft für praktische Sozialforschung jedes Jahr zu diesem heiklen Thema. Insgesamt, so ergab die letzte Umfrage, nimmt die Angst vor Kriminalität in der Schweiz eher ab.

Die Kriminologin Simone Walser (33) wollte es allerdings genauer wissen. Die Psychologin am Kriminologischen Institut der Universität Zürich hat die Gfs-Daten noch einmal unter die Lupe genommen. Dabei ging sie der Frage nach, inwiefern sich die Kriminalitätsangst verschiedener Bevölkerungsgruppen unterscheidet. Untersucht hat sie auch, welche Rolle die politische und die religiöse Ausrichtung, der Bildungsstand, die jeweilige Wohn- und Sprachregion spielt.

Dabei – die Resultate liegen SonntagsBlick exklusiv vor – kam Überraschendes zum Vorschein.

Am ausgeprägtesten ist die Angst vor Kriminalität nicht etwa bei den Frauen. Viel entscheidender ist die Gesinnung. Je rechter jemand politisch steht, umso mehr fühlt er oder sie sich von Kriminalität bedroht. Das gilt übrigens auch für andere Bereiche: Die Angst vor Überfremdung, vor Sittenzerfall, vor Job- oder Wohnungsverlust, die Panik, in Geldnöte zu geraten oder Opfer von Terrorismus zu werden, ist bei politisch rechts Stehenden deutlich ausgeprägter als bei Linken. Die fürchten sich besonders vor Atomkatastrophen (die Befragung fand weit vor der Atom-GAU in Japan statt, einen Fukushima-Effekt gibt es also nicht).

Das Resultat erstaunt sogar die Kriminologin: «Der Unterschied zwischen links und rechts in Bezug auf die Ängste ist enorm», hält Simone Walser fest.

Interessant ist zudem der Einfluss der Konfessionszugehörigkeit auf die Kriminalitätsangst. Angehörige von Reli­gionsgemeinschaften sind deutlich ängstlicher als Konfessionslose. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie ihrem Glauben streng folgen oder nur einmal pro Jahr in der Kirche sitzen – sie haben deutlich höhere Angstwerte. Konfes­sionslose fürchten sich generell weniger – am ehestens ängstigen sie sich vor ökologischen Risiken.

Die Auswertungen zeigen auch, dass sich Westschweizer stärker von Kriminalität bedroht fühlen als Deutschschweizer – vor fünf Jahren war es noch umgekehrt. Warum das so ist? Da müssen die Forscher passen – Gründen gingen sie nicht nach.

Generell gilt: Je verwundbarer eine Person ist, desto bedrohter fühlt sie sich vor Kriminalität. So fürchten sich Frauen insgesamt etwas mehr als Männer, Alte mehr als Junge. Es scheint paradox: Laut Statistik werden genau diese Personen deutlich seltener Opfer von Straftaten.

Deutlich anfälliger für Angst vor Kriminalität sind auch Menschen mit niedrigem Einkommen oder Bildungsgrad. Walser: «Je höher das Einkommen einer Personen ist, desto mehr gibt sie für ihre Sicherheit aus – und fährt nachts beispielsweise mit einem Taxi nach Hause.»