„Clash of civilisations“ auch von Christen und Klerikern erwünscht


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Islamdebatte
Bedrohungsszenarios vermitteln den Eindruck, dass internationale islamische Organisationen an einer Abschaffung der Demokratie in Europa arbeiten

Von Pfarrer und Dechant Martin RupprechtDer Standard

Die Konfrontation mit dem Islam wurde für viele in unserem Lande zu einem gefundenen Fressen. Mit Vehemenz stürzen sich Bürgerinitiativen, Christenverteidiger, Kulturraumbewahrer und Heimatliebende in die Argumentation eines Bedrohungsszenarios. Auch katholische Kirchenführer in Österreich stimmen in der Einschätzung überein, dass internationale islamische Organisationen an einer Abschaffung der Demokratie in Europa arbeiten.

Bürgerinitiativen glauben berechnen und beweisen zu können, dass die Geburtenüberlegenheit der Muslime in unserem Land den Österreicher verschwinden lassen wird und es deshalb gebotene Pflicht ist, den Muslimen das Verfassungsrecht auf Gebetsorte zu verweigern.

Vertreter der Kirchen erkennen in terroristischen Akten die gezielte Christenvernichtung und blenden bewusst den politischen Zusammenhang aus, um in der These bestätigt zu werden, dass aus dem Christentum eine verfolgte Glaubensminderheit geworden sei. Dabei wird mal von 250 Millionen, mal von 150 Millionen, mal von 80 Millionen verfolgter Christen gesprochen.

Mein Nachbarpfarrer fühlte sich bemüßigt, eine vierteilige Abhandlung über den Islam zu schreiben, ohne je mit einem Muslim gesprochen, noch islamische Werke verwendet zu haben. Anhand westlicher Überlegenheitsliteratur glaubte er nachweisen zu können, dass die Gewalt dem Islam inhärent sei und angesichts der damit verbundenen Bedrohung eine westliche und kirchliche Verteidigungsstrategie ausgearbeitet werden müsse.

Die Grundregeln menschlichen Miteinanders

Es ist zwar psychologisch verständlich, dass in einer Phase der gefühlten Schwächung der eigenen Identität der Aufbau eines Feindbildes helfen kann, doch darf diese nachvollziehbare Reaktionsbildung nicht die rationale Notwendigkeit ersetzen, die Grundregeln menschlichen Miteinanders zu beachten:

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