Verschwörungstheorien als Ersatzreligion


Dan Brown stellt in seinem Roman 'Illuminati' abstruse Thesen über eine Liebesbeziehung von Jesus und Maria Magdalena auf. Bild: The Last Supper (1495-1498)/Leonardo da Vinci /Wikimedia Commons

Warum sind Verschwörungstheorien wie Dan Browns neuer Roman so erfolgreich. Und was hat die Religion damit zu tun? Ein Erklärungsversuch.

Von Henrik Schmitzevangelisch.de

Dan Brown gehört zu den erfolgreichsten Autoren der Gegenwart. Seine Verschwörungsbücher „Sakrileg“ oder „Illuminati“ haben sich millionenfach verkauft – und haben heftige Kritik hervorgerufen. Vor allem die katholische Kirche hat gegen Browns Werke protestiert. Mehrere Kardinäle kritisierten unter anderem, dass Brown in seinem Roman „Illuminati“ abstruse Thesen über eine Liebesbeziehung von Jesus und Maria Magdalena aufstelle und die Kirche verunglimpfe.

Was die Kirche ärgert ist, dass die Werke Dan Browns bei vielen Lesern nicht als Romane rezipiert werden, sondern – fälschlicherweise – als Tatsachenromane. Sie sind keine reinen Thriller, sondern Erbauungsbücher die bei vielen Lesern eine Art Ersatzreligion sind. Dass dies so ist, hängt vielleicht damit zusammen, dass Kirche in weiten Teilen der Gesellschaft an Bedeutung verloren hat. Gleichzeitig suchen die Menschen nach Ersatz, und finden sie im Verschwörungsglauben. So jedenfalls drückte es der Philosoph Karl Popper in seinem Buch „Vermutungen und Widerlegungen“ aus: Die Menschen hätten Gott „abgeschafft“ und bräuchten nun etwas, das an seine Stelle trete. Aber: Warum liefert ausgerechnet die Verschwörungstheorie diesen Ersatz?

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2 Comments

  1. Eine uralte und geradezu klassische Verschwörungstheorie ist die von Menschen konstruierte Story von der Existenz eines Gottes.

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  2. Ich schätze, dass man in dem Bereich mehr differenzieren muss.
    Wenn jemand glaubt, dass Erdbeben tatsächlich von experimentellen Waffensystemen der USA verursacht werden, oder Bertelsmann mit Hilfe von Chemtrails oder Mobilfunkmasten versucht, die Gedanken des gemeinen Volks zu beeinflussen, könnte schon als religiös bezeichnet werden.

    Die Maxime „Glaube niemals einer Regierung oder einem Konzern, weil die fast nur lügen“ ist meiner Meinung nach gesunde Skepsis.

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