Heinz Oberhummer: Ketzer im Parlament


Heinz Oberhummer mit seinen atheistischen Mitstreitern vor dem Parlament./ derstandard.at

Politik und Kirchen offen für österreichweites Schulfach Ethik – Ob dieses ein Pflichtfach werden soll, ist dagegen heftig umstritten

Von Lukas KapellerderStandard.at

Heinz Oberhummer kam ohne Gott, aber auch nicht alleine. Vier Atheisten begleiteten den streitbaren Professor, als er das Wiener Parlament betrat, um über den Ethikunterricht zu diskutieren. „Ich bin heute der einzige Ketzer im Parlament. Früher hat man die angezündet“, scherzte Oberhummer. „Ich habe ein paar meiner Studenten gebeten, Feuerlöscher mitzunehmen.“

Dann posierten die Atheisten in ausgelassener Stimmung fürs Gruppenfoto. Doch das Thema der Enquete war ernst, das verriet schon der Titel: „Werteerziehung durch Religions- und Ethikunterricht in einer offenen, pluralistischen Gesellschaft“. Es geht um die Zukunft des Unterrichtsfachs Ethik, das schon seit 14 Jahren und an mittlerweile 200 Schulen als Schulversuch läuft. Dass man dabei nicht an der Religion vorbeikommen würde, verriet auch die Gästeliste: je zwei Vertreter aller anerkannten Religionsgesellschaften. Wo sonst die Abgeordneten tagen, saßen am Mittwochnachmittag also Bischöfe, Imame und Rabbis. Und der katholische Kardinal Christoph Schönborn lauschte ganz bescheiden auf einer der hinteren Bänke.

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