Schavan:“Das Christentum gehört zum kulturellen Fundament unserer Gesellschaft und nimmt den Staat in die Pflicht …“


Quelle: brigitte.de

Schavan: Trennung von Staat und Religion bedeutet Freiheit
„Den Bezug zu Gott als Freiheitsimpuls zu sehen und nicht als Begründung für eine Verengungsgeschichte“, forderte Bundesforschungsministerin Annette Schavan am Mittwochabend bei einem Vortrag unter dem Titel „Gottesbezug als Freiheitsimpuls. Zur freiheitsstiftenden Kraft von Religion in modernen Gesellschaften“ an der Freien Universität Berlin. Die studierte katholische Theologin ging dabei auf die Entwicklung von Staat und Religion in Europa ein.

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Der Vortrag beschäftigte sich mit dem „doppelten Emanzipationsprozess“ von Staat und Religion in Europa, wie der „Tagesspiegel“ berichtet. Es habe lange gedauert, bis sich der Staat von den religiösen Führern trennen konnte, so Schavan. Doch die Trennung habe zu Glück und Freiheit auf beiden Seiten geführt. „Bürgerliche Toleranz und friedliche Koexistenz der Konfessionen“ konnten von nun an entstehen. Der Staat war nicht mehr dafür verantwortlich, ein religiöses Fehlverhalten zu bestrafen. „Die Religion wurde in den Bereich des Privaten verwiesen, der Staat garantierte fortan die Freiheit der Religion und auch die Freiheit des Bürgers, an nichts zu glauben“.

Weiter bezog sich die 55-Jährige auf den Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel, der bereits vor etwa 200 Jahren der Meinung war, dass eine Trennung von Staat und Religion die „Offenbarung, die mit Jesus Christus in die Welt gekommen sei“, verwirkliche. Das bedeutet für die Bundesministerin, dass sich das Christentum „auf das persönliche Bekenntnis zu Gott und zur persönlichen Nachfolge Jesu“ konzentrieren konnte, nachdem Staat und Kirche voneinander getrennt waren. Das sei für beide Seiten gut gewesen. Die Bürger sollten aber „die Weltlichkeit des Staates nicht als etwas Fremdes betrachten, sondern als die Chance der Freiheit“. Dennoch dürfe man trotz Freiheit nicht alles tun, was man wolle. „Der Staat, der Freiheit gewährt, baut auf die moralische Substanz seiner Bürger“, sagte Schavan mit Blick auf fundamentalistische Gruppen.

Zudem äußerte sich Schavan zu der häufig diskutierten Präambel des Grundgesetztes und den darin vorkommenden Gottesbezug „im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen“. Dieser Ausdruck zeige dem Staat seine Grenzen auf, gleichzeitig stelle er dar, dass “ Religion – egal welche – eine freiheitsstiftende Kraft“ sei. Damit schnitt sie den Dialog zwischen Christentum und Islam an. Es gehe „um die Demokratiefähigkeit des Islam und seine Toleranz gegenüber Andersgläubigen“, so die Ministerin. Daneben machte sie deutlich: „Das Christentum gehört zum kulturellen Fundament unserer Gesellschaft und nimmt den Staat in die Pflicht, die religiösen Wurzeln der eigenen Kultur zu achten“.

Der Vortrag war die Eröffnung des diesjährigen Konzeptlabors des „Dahlem Humanities Center“, das unter dem Motto „Religion und Gesellschaft im 21. Jahrhundert“ steht. Das Forschungszentrum versucht, „die deutschlandweit einzigartige Breite geisteswissenschaftlicher Forschung an der Freien Universität“ in Berlin zu bündeln. Es wurde 2007 gegründet.

4 Comments

  1. Trennung von Religion und Staat… bis auf die kleine Tatsache, dass in Deutschland jeder Unmengen Geld an die beiden christlichen Kirchen zahlen muss und man bei medizinischer Versorgung an den Kirchen nicht vorbei kommt.

    Und, liebe Frau Schavan, es ist lächerlich für Sie von „Religion – egal welche“ zu sprechen, denn gerade Ihre Religion–der Katholizismus–ist eine der intolerantesten Religion, die überhaupt existieren: nach Ihrem Glauben kommt jeder, der sich nicht Ihrer Kirche unterwirft auf ewig in die Hölle. Sie wollen Frieden stiften? Fangen Sie damit an, den Katholizismus von Grund auf zu reformieren.

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  2. Noch etwas: Frau Schavan sagt: Religion, egal welche, soll eine friedensstiftende Kraft sein !

    Das ist wohl der Gipfel der Frivolität ! Die Geschichte der Menschheit belegt doch unwiderlegbar das Gegenteil !

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  3. Jedesmal, wenn ein politischer Religiot vom kulturellen Fundament spricht, dem unsere Geschellschaft sich verpflichtet fühlen sollte, stelle ich mir die Frage, ob diese Politiker denn keinen Geschichtsunterricht genossen haben ?

    Schließlich ist das, was diese Leute gemeinhin als christliche Leitkultur bezeichnen und propagieren, doch nichts anderes als eine von Blut getränkte Historie, auf die man nun wirklich nicht mit Stolz zurückblicken kann. Es sei denn, diese Leute leiden an pathalogischer Gehirnerweichung und einer offensichtlich fortgeschrittenen, geistiger Demenz.

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