Feste Feindbilder


Islamfeindliches Plakat der Lega Nord. Hier wird ein geplanter Moscheebau in Trient mit islamistisch motiviertem Terrorismus in Verbindung gebracht. (Bild: Paolo Massa/cc 2.0)

Usama bin Ladin hat sich als religiöser Märtyrer perfekt inszeniert. Der Drahtzieher von 9/11 ist aber nicht alleine verantwortlich für die zunehmende Islamophobie in Europa. Der Kommunikationswissenschafter und Islamkenner Kai Hafez im Interview mit NZZ Online.

Von Andreas JahnNZZ Online

NZZ Online: Usama bin Ladin diente vielen Menschen als Symbolfigur für den islamistischen Terror. Warum konnte sich diese Figur in den westlichen Medien derart prominent inszenieren?

Kai Hafez: Der Mann hat es geschickt verstanden, sich zu inszenieren und die Inszenierung ist aufgenommen worden. Uns allen sind ja ikonographisch die Videobotschaften von bin Ladin bekannt und darin sind ja bestimmte Atavismen: Die Höhlensituation, die asketische Ausstrahlung und seine durchaus sehr gepflegte hocharabische Sprache. Er inszenierte sich mit den klassischen Elementen eines Märtyrerkriegers. Ob dieses Bild mit seiner Persönlichkeit wirklich etwas zu tun hatte, wissen wir nicht. Die Botschaften wurden von nahöstlichen aber auch westlichen Medien aufgegriffen, weil sie einen hohen Nachrichtenwert hatten. Sie zeichnen sich durch ein hohes Mass an Personalisierung und rhetorischer Zuspitzung aus. In der wissenschaftlichen Forschung geht man davon aus, dass der moderne Terrorismus – im Gegensatz zum früheren Sabotageterrorismus – eigentlich eine Kommunikationsstrategie ist, die sich symbolisch inszeniert. Auch die Toten von 9/11 waren für bin Ladin nur symbolische Tote, um eine Botschaft abzusenden – so seltsam das klingt. In diesem Versuch des modernen Terrorismus, weltweit Panik auszulösen, spielen die Medien eine zentrale Rolle. Bin Ladin wusste sehr genau, wie die kommerzielle Logik der Massenmedien funktioniert.

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