Nordrhein-Westfalens Linkspartei macht Front gegen katholische Kirche


Bärbel Beuermann, Quelle: jungewelt.de

»CDU sollte das Kreuz aus Fraktionssaal entfernen«
Nordrhein-Westfalens Linkspartei macht Front gegen katholische Kirche. Staatszuwendungen sollen auf Prüfstand. Ein Gespräch mit Bärbel Beuermann.

Interview: Markus BernhardtJunge Welt

Bärbel Beuermann ist Vorsitzende der Fraktion Die Linke im nordrhein-westfälischen Landtag

Der Kölner Erzbischof Kardinal Joachim Meisner hat Ende vergangener Woche dem Kirchenkritiker David Berger die Lehrerlaubnis entzogen, weil er Kritik an der Doppelmoral der katholischen Kirche geäußert und keinen Hehl aus seiner Homosexualität gemacht hat. Wie bewerten Sie diesen Vorgang?

Ich bin entsetzt über das Vorgehen der Kirchenoberen, habe aber auch nichts anderes erwartet. Jeglicher gesellschaftlicher Fortschritt ist an den Verantwortungsträgern der katholischen Kirche vorbeigegangen. Mit welcher Selbstverständlichkeit diese fernab der eigenen Sonntagsreden zum Thema christliche Nächstenliebe gegen Lesben, Schwule und andere sogenannte Minderheiten hetzen, schockiert mich immer wieder aufs neue. Diesem Treiben muß endlich Einhalt geboten werden.
Es wird geschätzt, daß zwischen 20 und 40 Prozent der katholischen Priester schwul sind…

Das wird ja von den katholischen Amtsträgern stets bestritten. Trotz alledem ist es mehr als ein offenes Geheimnis, daß viele schwule Männer Priester werden, um möglichen Fragen zu ihren sexuellen Orientierungen zu entfliehen. Es ist dringend an der Zeit, eine gesamtgesellschaftliche Debatte über das mehr als zweifelhafte Wirken sowohl der katholischen Kirche als auch der evangelikalen Gruppen und Sekten zu führen, die für seit Jahrzehnten überholte Moralvorstellungen eintreten und unverhohlen die Diskriminierung und Ausgrenzung von Frauen, Lesben und Schwulen propagieren.
Woher nimmt die Kirche die Berechtigung, gegen alternative Lebensweisen zu wettern? Immerhin hat sie selbst genügend Dreck am Stecken – denken wir nur an die zahllosen Sexualstraftaten, die katholische Priester und ihre Mitarbeiter an Kindern und Jugendlichen verübt haben.

Offenbar haben einige kirchliche Amtsträger den biblischen Ausspruch »Lasset die Kindlein zu mir kommen« ein wenig zu wörtlich interpretiert. Aber im Ernst: Die Kirche sollte dringend umdenken und anstatt mit dem Finger auf andere zu zeigen, endlich ihre eigenen Verfehlungen und Verbrechen aufarbeiten.

Ich habe jedenfalls bisher nicht mitbekommen, daß sich der Papst oder ihm untergeordnete Stellen ernsthaft mit der Geschichte der christlichen Kreuzzüge, der Unterstützung des deutschen Faschismus oder auch den kontinuierlichen sexuellen Gewalttaten auseinandergesetzt haben.

Ich lehne es auch ab, daß katholische Militärbischhöfe Bundeswehrsoldaten den Segen erteilen, die für Deutschland in völkerrechtswidrige Angriffskriege ziehen – wie etwa gegen Jugoslawien oder Afghanistan.
Die extrem rechten Positionen vieler Katholiken spielen in der Öffentlichkeit kaum eine Rolle. So wurden etwa hochrangige Vertreter der antisemitischen Piusbruderschaft 2009 vom Papst wieder in die Kirche integriert …

Mit dem damaligen Zugehen auf die Piusbruderschaft hat Papst Benedikt tatsächlich einer extrem rechten und antisemitischen Gruppierung seinen Segen erteilt. Dagegen gab es auch an der katholischen Kirchenbasis massive Proteste.

Tatsächlich kommt es aufgrund des zunehmenden antimuslimischen Rassismus in Deutschland, der nicht nur von SPD-Politikern wie Thilo Sarrazin geschürt wird, verstärkt zu massiven Anfeindungen gegen Muslime. Dem hat sich meine Partei stets entschlossen entgegengestellt. Natürlich gibt es im Islam auch Frauenunterdrückung, die Ausgrenzung von Minderheiten usw. Vor dem Hintergrund der aktuellen, aber auch zurückliegenden Verfehlungen der katholischen Kirche kann ich nur sagen: Wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein.
Das Grundgesetz trennt zwar zwischen Staat und Kirche – die Realität sieht aber anders aus. Wie geht die Linkspartei damit um?

Wir werden uns in NRW in Kürze mit eben diesem Thema befassen und die staatliche Förderung von Religionsgemeinschaften auf den Prüfstand stellen. Selbstverständlich ist Die Linke auch gegen religiöse Symbole in staatlichen Einrichtungen. So stünde es etwa der CDU-Fraktion im nordrhein-westfälischen Landtag gut zu Gesicht, endlich das Kreuz aus ihrem Fraktionssaal zu entfernen, in dem auch Ausschüsse tagen.

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