„Der Papst lebt vor, was dann die kleinen Päpstlein wie Kardinal Meisner nachmachen“


Quelle: n-tv.de

Der schwule Theologe David Berger hat die Homophobie der Kirche in einem Buch angeprangert. Kardinal Joachim Meisner hat ihm die Lehrbefugnis entzogen.

Von Michael MeierBasler Zeitung

Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat Ihnen die Lehrbefugnis entzogen, weil Sie «in Lehre und Lebensführung nicht mit den moralischen Normen der Kirche übereinstimmen». Kurz: weil Sie schwul sind?
Ja, das heisst es, auch wenn er dieses Wort vermieden hat – wie der Stier, der das rote Tuch nicht sehen will. Der Kardinal beanstandet meine Lebensführung, weil ich mit meinem Partner zusammenlebe.

Was heisst das konkret? Dürfen Sie am städtischen Ville-Gymnasium nicht mehr unterrichten?
Ich habe dort in sechs Klassen Religion unterrichtet. Das hat mir der Kardinal jetzt mit sofortiger Wirkung untersagt. Er trägt den Konflikt auf dem Rücken der Kinder aus: Die stehen mitten im Schuljahr ohne Religionslehrer da. Ich kann allerdings an der Schule mein Lehrpensum mit Deutschunterricht füllen.

Ist der eigentliche Grund für die Strafe nicht Ihr Buch «Der heilige Schein. Als schwuler Theologe in der katholischen Kirche»? Sie zeigen darin, wie die Ästhetik der lateinischen Messe homoerotische Neigungen sublimieren hilft.
Ja. Dass ich diesen Zusammenhang aufzeige und die Männerliturgie der lateinischen Messe als homosexuelle Subkultur beschreibe, hat den Klerus massiv verärgert und den Kardinal bis zur Weissglut gereizt. Dass ich mit einem Mann zusammenlebe, war in der katholischen Welt längst bekannt. Der eigentliche Auslöser für die Strafe war das Buch. Der Kardinal nennt es ausdrücklich im Dekret. Damit hätte ich den Nachweis erbracht, unfähig zu sein, weiterhin katholischen Religionsunterricht zu erteilen.

Für Sie ist der «neue Haute-CoutureWind unter Papst Benedikt XVI.» auch eine ästhetische Versuchung zum Fundamentalismus.
Natürlich. Und sie geht von der Spitze aus. Der Papst lebt vor, was dann die kleinen Päpstlein wie Kardinal Meisner nachmachen. Meine Kritik an der päpstlichen Liturgie hat in der zweiten Reihe Entsetzensschreie provoziert, weil man sich dort mit getroffen gefühlt.

Ihr Buch liegt bereits in 4. Auflage vor. Nur die Kirchenoberen lesen es nicht.
Doch, ich glaube schon, dass sie das Buch lesen. Es ist mir zugetragen worden, dass es gerade von Klerikern gelesen wird, die sagen, sie würden so ein Buch nie in die Hände nehmen. Die Neugierde ist eine der grossen Tugenden des Klerus. Darum bin ich mir sicher, dass Kardinal Meisner das Buch ganz genau gelesen hat. Etwas anderes würde mich auch enttäuschen.

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1 Comment

  1. Weshalb tritt der schwule Religionslehrer David Berger denn nicht aus der Kirche aus ? Er wird doch bei diesem verkalkten Haufen und bei seiner sexuellen Präferenz nie mehr ein Bein auf den Boden bringen ! Bei allem Mitgefühl für diesen ehrlichen und aufrechten Menschen hält sich mein Mitleid mit ihm doch etwas in Grenzen. Er muß doch damit rechnen, dass ein als Brandstifter erkannter Mensch niemals einen Job bei der Feuerwehr erhalten würde !

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