Religionsunterricht: „Religiöse Sprachlosigkeit“ der Eltern hat Folgen


Quelle: ev-schuldekan-muehlacker.de

Religionsunterricht, quo vadis?
XVI. Workshop der Generation Benedikt über Chancen und Herausforderungen des Religionsunterrichts

Von Reinhild RösslerDie Tagespost

Kein Schulfach ist so umstritten, bekämpft, verteidigt und erörtert worden, wie der Religionsunterricht. Er muss sich nicht nur im säkularen Umfeld immer wieder neu legitimieren, sondern ist auch innerhalb der Kirche stetig regen Diskussionen ausgesetzt. Inwieweit ist es überhaupt sinnvoll, Religion in der Schule zu unterrichten? Ist das Fach an öffentlichen Schulen fehl am Platz? Was können die Inhalte dieses Unterrichts sein und kann er die religiöse Erziehung in der Familie und die Katechese in der Gemeinde ersetzen? Zu diesen und vielen weiteren Fragen referierten am vergangenen Samstag Professoren, Lehrer und Ausbilder beim Workshop des Mediennetzwerkes Generation Benedikt in Bonn.

„Religiöse Sprachlosigkeit“ der Eltern hat Folgen

Professor Ulrich Rhode SJ legte zu Beginn des Workshops den rechtlichen Rahmen des Religionsunterrichts in Deutschland dar, der in seiner heutigen Form weltweit wohl einzigartig ist. Dabei wies er auf die rechtliche Verankerung im Grundgesetz hin und auf die Unterschiede zwischen öffentlichen und privaten Schulen. Bei der Einordnung dieses Unterrichtsfaches müsse klar sein, dass es sich dabei um ein ordentliches Schulfach handelt, ebenso wie Mathematik und Biologie. Im Gegensatz zu Letzteren sei es den Schülern jedoch möglich, unter bestimmten Voraussetzungen vom Unterricht abgemeldet zu werden, was eine Folge der Religionsfreiheit ist. Auch Lehrer dürften nicht zum Erteilen des Religionsunterrichts verpflichtet werden. Das im Fächerkanon der Schulen einmalige Mitbestimmungsrecht der Religionsgemeinschaften in Bezug auf die Inhalte des Unterrichts und auf die Anforderungen an das Lehrpersonal, sei rechtlich auf die grundgesetzlich verankerte Neutralität des Staates in religiösen Belangen zurückzuführen.

Die kirchlichen Erwartungen an den Religionsunterricht legte Andreas Verhülsdonk als Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz dar. Dabei betonte er, dass Glaube niemals das Ergebnis von schulischem Lernen sein könne, sondern ein Werk Gottes und die freie Entscheidung des Einzelnen ist. Dem Unterricht komme daher die Rolle zu, die Verbindung von Glaube und Vernunft für die Jugendlichen verständlich darzulegen. Vielfach würde jedoch fälschlicherweise davon ausgegangen, der Religionsunterricht könne die Lernorte „Familie“ und „Gemeinde“ ersetzen.

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2 Comments

  1. Hier passt wieder mein Lieblingszitat von Arthur Schopenhauer:
    „Wenn die Welt erst ehrlich genug sein wird, um Kindern vor dem 15. Jahre keinen Religionsunterricht zu erteilen, dann wird etwas von ihr zu hoffen sein“.

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