Culture Clash – Atheistische Interessenkonflikte?


Quelle: http://www.adventgemeinde-ostfildern.de

Das Ende ist nah! Jetzt zeichnen sich schon Konfessionskonflikte unter den Atheisten ab. Vielleicht steht die Welt wirklich nicht mehr lange (mindestens aber noch bis 21.Oktober)

Von Michael PrüllerDie P resse

Wie Sie merken, gehöre ich leider nicht zu den 200Millionen Auserwählten, die am  Samstag bei dem von einer evangelikalen Sekte vorhergesagten Beginn der Apokalypse in den Himmel entrückt werden sollten. Allerdings bin ich diese Woche in den Dienst der Erzdiözese Wien getreten (dies nur als Hinweis, denn wer eine Kolumne über den Zusammenprall von Religionen und Weltsichten liest, soll erkennen können, „wes Brot“ der Autor isst).

Die Weltuntergangsmeldung war ja nicht die erste ihrer Art. Neu aber ist gewesen, wie der selbstbewusster gewordene amerikanische Atheismus darauf reagiert hat: mit Humor. So hat etwa eine Gruppe, die sich Seattle Atheists nennt, einen „Entrückungs-Unterstützungs-Fonds“ ins Leben gerufen, der jenen zugute kommen soll, die hienieden bis zum endgültigen Ende der Menschheit am 21.Oktober in schrecklichen Qualen darben werden. Sollte das doch nicht so ablaufen, erhält das Geld ein Verein, der Kindern kritisches Denken beibringen soll (oder zumindest das, was die Seattle Atheists dafür halten).

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2 Comments

  1. @ David:

    Tja… Es ist natürlich verlockend den Glauben an eine allmächtige etc. Wesenheit mit der Leugnung der Existenz dieser Wesenheit gleichzusetzen. Auf den ersten Blick… nein, ich muss schon sagen recht oberflächlich betrachtet, scheinen die Lager argumentativ auf ähnlichem Niveau zu stehen:


    Theist: Da ist ein GOTT!
    Atheist: Nope.
    Theist: Doch! Beweise mir, dass es IHN nicht gibt!
    Atheist: Kann ich nicht.
    Theist: Das heißt also, du GLAUBST nur, dass es IHN nicht gibt. HAHA! *TriumphierenddieFanflaggederjeweiligenWesenheitSchwenkundmitLuftdruckfanfaretröt*
    Das heißt du bist auch ein Gläubiger!“

    Das ist meistens so die Argumentationsstruktur, die mir bisher in diesem Zusammenhang begegnet ist. (Dawkins z. B. geht darauf im „Gotteswahn“ auch genauer ein.)
    Dazu ist anzumerken: Ein Atheist braucht die Nichtexistenz eines Gottes nicht zu beweisen, da dies von seinem Standpunkt aus gesehen unmöglich ist; eine Nichtexistenz kann man nicht beweisen. In diese Kerbe schlägt dann schließlich auch der Pastafarismus.
    Sicherlich wird ein einigermaßen vorbereiteter Atheist auf die Gleichsetzung, dass „Glaube = Nichtglaube“ einander argumentativ entsprechen antworten, dass es bei ihm eben kein Glaube sei, sondern eine argumentativ hergeleitete ÜBERZEUGUNG, die wissenschaftlich fundiert, auf empirisch gesicherten Erkenntnissen, Evolutionstheorie… etc. etc. bei der man zu dem Schluss gelangt, dass die Existenz eines Gottes keinesfalls ZWINGEND ist, um die Welt, so wie wir sie z. Zt. kennen, zu erklären. Letztendlich ist es doch nicht Sinn wissenschaftlicher Theoriebildung Gott hinweg zu erklären, sondern Konzepte zu entwickeln, die einen bestimmten Sachverhalt beschreiben, bis es eine Theorie gibt die das besser kann. Ich könnte jetzt hier noch was zur Falsifizierbarkeit schreiben und bla und blubb.
    Jedenfalls müssten Theisten die Beweisführung FÜR eine Existenz eines wie auch immer gearteten Gottes erbringen, damit dies ein wissenschaftliches Konzept wäre, nicht umgekehrt.
    Das hat bis jetzt nur noch keiner wirklich überzeugend geschafft.
    Ich für meinen Teil halte die Existenz eines Gottes, besonders im christlichen Sinn für recht unwahrscheinlich, und bin daher Agnostiker. Freilich kann ich die Existenz besagter Wesenheit GENERELL nicht ausschließen. Das gilt aber auch für die Existenz von fliegenden Schweinen oder dem Fliegenden Spaghettimonster.
    Und -hier wird es „politisch“ wenn man so will- würde ich nicht im Traum Geld für die Errichtung eines Zentrums für die Erforschung der Aerodynamik von Schweinen von der BRD fordern, noch würde ich eine Institution sonderlich ernstnehmen, die akademische Grade für die Erforschung von Flugeigenschaften von Schweinen verleiht, WENN sie denn so gebaut WÄREN, dass sie WIRKLICH fliegen KÖNNTEN.
    Was Leute angeht, die behaupten tatsächlich fliegende Schweine gesehen zu haben… dazu brauche ich mich wohl nicht zu äußern.
    Und dennoch: um es sinngemäß mit Voltaire zu sagen, würde ich mein Leben dafür einsetzen, dass diese Leute dies GRUNDSÄTZLICH sagen dürfen auch wenn es mir nicht gefällt!
    Solange sie anderen gleiche Rechte zugestehen.
    Und hier kommen wir zur Tolleranz bzw. Intolleranz. Theisten, besonders die großen Monos, tendieren dazu viel zu schnell im wörtlichen, wie im übertragenen Sinn, in die Luft zu gehen. Ich glaube die Zahl der Atheisten, die Flaggen verbrennen, sich in die Luft sprengen oder Morddrohungen ausstoßen und diese ausführen wollen, sich gegenüber der von bekennenden Theisten in dieser Sparte vergleichsweise klein ausnimmt.
    Und ja, Atheisten neigen dazu ätzende Karikaturen zu zeichnen und genervt bis zynisch auf Androhung „ewiger Qualen“ zu reagieren. Wenn man sie fragt warum sie das tun bekommt man meist auch eine ehrliche und ausführliche Antwort. Ist jedenfalls meine Erfahrung.
    Die Vorstellung, dass „die Atheisten“ eine geschlossene Bewegung sind, oder dies mal sein könnten finde ich höchst amüsant. Ich glaube Pratchett meinte mal das wäre wie „herding cats“. 😉

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  2. Hm, also der Grundgedanke ist natürlich durchaus interessant, nämlich die Frage, ob nicht am Ende auch das Nicht-Glauben eine Form des Glaubens ist, so wie alle anderen Glaubensformen auch. Und ob Atheisten sich dementsprechend vielleicht genauso halsstarrig und blockiert verhalten, wie sogenannte „Gläubige“. Das mag teilweise sogar so sein, denn Atheisten haben mit vielen Linken die etwas paradoxe Eigenart, sich einen gewissen toleranten Anstrich zu geben, aber doch unsagbar unaufgeschlossen zu reagieren, wenn jemand an Gott glaubt oder eher konservative Werte hat.
    Dennoch verhält es sich hier natürlich nicht anders als bei den Revolutionen in Nordafrika und in der arabischen Welt: einig sind sich alle nur darin, gegen was sie sind. Ist dieser Stein des Anstoßes aber ersteinmal aus dem Weg geräumt, fängt das Chaos erst richtig an, entzünden sich die Gegensätzlichkeiten, die man in Zeiten des revolutionären Kampfes ausblenden konnte. Warum sollten Atheistenauch frei sein von dieser menschlichen Unvereinbarkeit?

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