Bischof Müller: „Kirche muss Finger in die Wunden der dekadenten Tendenzen legen“


„Manche dekadente Tendenz erinnert mich an Niedergang”
Gerhard Ludwig Müller ist nun seit neun Jahren Bischof von Regensburg. Auch das Wochenblatt hat ihn immer wieder hart kritisiert. Redaktionsleiter Christian Eckl traf den Mann, der schon mehrfach als Kardinal gehandelt wurde. Es war ein aufwühlendes Gespräch, Müller wirkt verbittert über Anwürfe gegen die Kirche, an der er nie zweifelt. Wir sprachen mit Müller über die Rehabilitierung der Piusbrüder-Bischöfe, die Missbrauch-Debatte, das Verhältnis zu den Protestanten, kirchliche Ablehnung der Homosexualität, das Zölibat, angebliche Dekadenz unserer Zeit und Müllers Karriere.

Von Christian EcklWochenblatt

Wochenblatt: Leiden Sie körperlich drunter, wenn Sie kritisiert werden in den Medien?

Müller: Körperlich nicht. Geistig ist das schwer zu verkraften. Nicht wegen mir persönlich, sondern wenn die Kirche insgesamt schlecht gemacht wird durch Lügen und Entstellungen. Diffamierung ist etwas anderes als Kritik. Schlimm ist, wenn 15.000 Mitarbeiter allein in der Caritas pauschal diffamiert werden, indem man ihre positive Arbeit totschweigt.

Was sind für Sie die gravierendsten Vorwürfe gegen die Kirche, wo Sie sich ungerecht behandelt fühlen?

Wenn zwischen der realen und virtuellen Welt eine große Diskrepanz besteht, ist das schlimm. Wenn wegen des Fehlverhaltens einzelner hunderte und tausende hochmotivierte Mitarbeiter darunter leiden müssen, wenn jemand als Priester erkenntlich ist oder aber unsere Domspatzen freche und zynische Bemerkungen aushalten müssen. Jeder muss sich auch fragen, was ihn dazu berechtigt, unbescholtene Menschen anzupöbeln, nur weil sie sich zum Christentum bekennen.

Haben Sie die Missbrauchs-Debatte so empfunden?

Das war ja offensichtlich. Das eine ist Missbrauch als Unrecht, das andere seine Inszenierung gegen die Kirche. Wer fragt nach den 99,9 Prozent der Taten außerhalb des Kreises kirchlicher Mitarbeiter?

Fanden Sie die Entschuldigung des Papstes trotzdem richtig?

Der Papst konnte sich nicht entschuldigen anstatt der Täter oder als hätte er etwas durch Amtsvernachlässigung beigetragen. Er hat sein Erschrecken darüber zum Ausdruck gebracht, dass es einen Widerspruch gibt zwischen dem priesterlichen Dienst und dem Verbrechen an Kindern oder Jugendlichen. Das ist ein Verrat am Priestertum und an der Kirche.

Gab es auch Dinge, die in den 50er und 60er Jahren falsch gehandhabt wurden bei Missbräuchen?

Zu der Zeit war ich selbst noch ein Kind und habe da nichts mitbekommen. Man hat damals, so weiß ich es jetzt, einfach appelliert an das priesterliche Ethos und gehofft, dass sich der Täter das zu Herzen nimmt. Dass es wirklich eine schwere Störung ist, weiß man ja auch erst seit zehn, 15 Jahren. Es gab in den 70er, 80er Jahren sogar Parteitagsanträge derjenigen, die heute „die“ Kirche an den Pranger stellen, sexuellen Missbrauch an den Bereich der Strafbarkeit herauszunehmen. In diesem ganzen Klima ist da manches nicht richtig gesehen worden. Dass Missbrauch von den Verantwortlichen in der Kirche absichtlich vertuscht worden ist, dafür habe ich keinen Beleg. Die Kirche hat immer gesagt, dass sexueller Missbrauch eine schwere Sünde ist.

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4 Comments

  1. Es ist das altbekannte Opferspiel. Man ist ja so sehr in der Seelsorge engagiert, hat tolle Kindergärten, betet für den Weltfrieden, singt sich das Wetter schön und wird dann für ein paar simple Missbräuche, die irgendwelche „Einzeltäter“ ausgeübt haben, angepflaumt?

    Natürlich(!) hat die Kirche dabei überhaupt keine Schuld. Sie ist toll, sie ist lieb und sie hat die Täter auch schleunigst der Justiz übergeben, um für die Missetaten auch gerade zu stehen. Gut, das letzte ist frei erfunden 😉 .
    Tatsache bleibt: dieser Verein ist kein Garant für moralisches oder gar ethisches Handeln. Nicht nur ausserhalb der Kirche, sondern auch(!) innerhalb dieser Institution hat man Kinder missbraucht. Der feine Unterschied ist, dass man für diese eindeutig menschenrechtsfeindliche Tat lieber „kircheninterne“ Lösungen angestrebt hat. Noch heute beteuern Apologeten, dass eines solches Staat-im-Staat Verhalten nichts schlimmes sei und die mediale Aufregung völlig überflüssig sei. Die Kirche, Mutter der göttlichen Moral, hat es auch nicht nötig, sich etwaigen Fleischklumpen zu „unterwerfen“. Sie ist immer noch die Speerspitze der Moral und darf demnach jegliche „menschliche“ soziale Gesellschaft mit eigenen Regeln umgehen. Kirchenfreundliche Politiker sehen hierbei kein Problem. Wenn etwa ein Nazi einen Ausländer halb-tot schlägt und danach mit einer Schweigepflicht und einer Geldsumme „ruhig stellt“, ist ja auch nichts zu bemängeln. Der Staat hat anscheinend nicht die Aufgabe, die Bürger vor (Trieb-)täter zu schützen und Fälle zu behandeln. Nein, dafür ist der Personalleiter einer Firma, oder hier eben der Vatikan zuständig.

    Und exakt dies ist für den armen Müller klar. Er sieht sich und seine Firma als Opfer, die für ein angemessenes (=kircheninternes) Bestrafen der eigenen Mitarbeiter – etwa durch Weitergabe an anderen Orten – nun in die Kritik gerät. Und natürlich muss mit den Finger auf andere gezeigt werden … weil vielleicht andere deshalb in die Täterstatistik geraten sind, weil sie – im Gegensatz zur Kirche – vom Staat auch erfasst wurden.

    Nunja … der arme Kleiderträger muss nun seelisch schlucken. Es hat ihn hart getroffen. Der „Hass“, den die Menschen der Kirche zuwerfen – in Form von Kirchensteuern, staatlichen Zuschüssen, Tanzverbote oder Kirchentage – lässt ihn regelrecht heulen. Oooooh! Eine Runde Mitleid.

    Und dann zurück zur großen ethischen Meisterleistung, den Opfern der Misshandlungen eine einmalige(!) Vergütung von bis(!) zu 5000 Euro zu geben. Nicht einmal ein Monatsgehalt(!) eines Bischofs. Applaus! So macht man sich zum Menschenfreund und darf mit der Betroffenheit der Kritiker rechnen.

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  2. Der Müller sollte sich seine Finger lieber in den Arsch stecken, als diese in Wunden zu legen, die ihn lediglich erneut als durchtriebenen Gauner entlarven. Zusätzlicher Vorteil nebenbei, die Stelle wäre für andere Penetrationsversuche besetzt.

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  3. Bischof Müller geht auch in diesem Interview wieder wolkig mit den Fakten  – hier zum Kindsmißbrauch in der katholischen Kirche und mit dessen Verschleierung durch Kirchenfunktionäre – um. Bei seiner blumigen Beschreibung kommen einem Leser kaum die mehr als 30.000 Mißbrauchsfälle in den letzten 50 Jahren in den Sinn, denn „es seien ja nur Einzelfälle“, eben mehr als 30.000 zerstörte Menschenleben oder gar Familien. Zur Ablenkung von der fast 2000 jährigen und seit dem ersten Jahrhundert aktenkundigen „Liturgie des Kindsmißbrauchs“ ruft er im Interview mit dem Wochenblatt einfach „Haltet den Dieb“ und verweist auf die „freie Kultur der 60er und 70er Jahre, die auch die Priester erfasst habe“. In einer Karikatur der NYTimes vom 20.-21. Mai 2011 fragt der Karikaturist Wassermann „Warum die Bischöfe…“ denn nicht wenigstens auf die Klagen der armen Opfer hörten?“ worauf die  Bischofskarikaturen erwidern „Hmm..das ging ja nicht..denn die Musik in dieser Zeit war einfach zu laut…“ 😉

    Wie viele Kirchenfunktionären macht es sich Herr Müller mit seinem kircheninternen MissbrauchsProblem zu einfach. Ein Blick ins Wikipeda rückt die Fakten zurecht.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Sexueller_Missbrauch_in_der_römisch-katholischen_Kirche
    Die Englische Darstellung zeigt es handelt sich nicht nur um ein deutsches sondern um ein weltweites also um ein vatikanisches Problem.
    http://en.wikipedia.org/wiki/Catholic_sex_abuse_

    Leider fehlt im Interview jede Frage auf das „achte Gebot“. „Du sollst nicht falsch gegen deinen Nächsten aussagen“…denn am 25. Mai 2008 predigt
    Bischof Müller in Tirschenreuth, Bayern. Dabei stellt er die falsche Behauptung auf, der Philosoph und Schriftsteller Schmidt-Salomon lasse in seinem Buch „Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel“ einen Rabbi, einen Bischof und einen muslimischen Gelehrten in Gestalt eines Schweins auftreten. Weiterhin verkündet Müller entgegen der Faktenlage, dass Schmidt-Salomon Kindstötungen bei Berggorillas dazu heranziehe, um den Infantizid beim Menschen zu legitimieren. Auf die Spitze treibt es der Bischof  mit einem üblen NAZI Vergleich.

    Im katholischen Katechismus werden Gläubige unter der Referenz 2464 zu Redlichkeit angehalten.

    „Das achte Gebot verbietet, in den Beziehungen zu anderen die Wahrheit zu verdrehen. Diese moralische Vorschrift ergibt sich auch aus der Berufung des heiligen Volkes, Zeuge seines Gottes zu sein, der die Wahrheit ist und sie will. In Worten oder Taten gegen die Wahrheit zu verstoßen, bedeutet eine Weigerung, sich zur moralischen Redlichkeit zu verpflichten; es ist eine tiefgreifende Untreue gegenüber Gott und untergräbt damit die Fundamente des Bundes.“
    http://www.vatican.va/archive/DEU0035/_P8N.HTM

    Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof stellt in einem Urteil vom 24. Februar 2011 fest, dass die Behauptungen des Regensburger Bischofs Müller über Schmidt-Salomon im Widerspruch zu Schmidt-Salomons tatsächlichen Veröffentlichungen standen und geeignet waren, dessen Ansehen in der Öffentlichkeit zu schaden. Da der Bischof seine „Pflicht zur Sorgfalt, Sachlichkeit und Wahrhaftigkeit nicht erfüllt“ habe, sei der Philosoph in seinem „Persönlichkeitsrecht verletzt“ worden. Daher verurteilt das Gericht das Bistum Regensburg dazu, die Schmidt-Salomon entstandenen vorgerichtlichen Rechtsanwaltskosten zu erstatten.

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  4. Normale Menschen – also geistig gesunde ohne psychische Probleme – wird man im Talar nur in extremen Ausnahmen finden. Herr Müller gehört sicher nicht zu diesem Kreis.

    Nimmt man die Bekundungen der Amtskirchen getreu dem Inhalt ihrer Bibel, dann sind das durchweg Fundamentalisten, die sich nach Gusto entgegen den heiligen Vorgaben ihre Glauben aus wenigen Positivbausteinen zusammen basteln. Die negative Einschätzung des 2.ten Gutachtens teile ich nicht, das erste Gutachten hat 350 Bischöfe und 4.400 Priester der USA wegen sexuellem Missbrauch von 11.000 Kinder und Jugendliche belastet und zu <5000 Verurteilungen geführt. Dafür hat die RKK 3 Milliarden US$ an Entschädigungen zahlen müssen. Nur 70% der Täter werden von der RKK ihres Amtes enthoben, was man sicher nicht dem Gutachten anlasten kann

    Der radikale gemeingefährliche Fundamentalismus hat die psychopathologischen Kerne des AuserwähltSyndroms und des Missionierungssyndroms. Ersteres ist ein nützlicher Wahn, der Fanatiker stellt sich im krankhaften Narzissmus als etwas Besonderes dar. Missionierung hat diverse Motive wie Machtbedürfnis, Narzissmus, Identitätsförderung, Geschäftemacherei, Sicherheitsbedürfnis, alles in unterschiedlicher Kombination. Der an sich harmlose Fundamentalist mutiert zum psychopathologisch Wahnsinnigen, wenn er sich auserwählt dünkt und mit einem Missionierungsauftrag ausgestattet wähnt. Die Zeugen Jehovas haben 106 und Religiösen mit IQ<95. Zum gleichen Resultat kommt Michael Blume. Religionen rekrutieren sich als negative Auslese aus den untersten Bildungsschichten. 8 Jahre lang Texte mit heiligem Geschwurbel auswendig lernen unter Missachtung historischer Fakten, Menschenrechte und ethischer Normen sind Gehirnwäsche und keine Bildung.
    50% der RKK-Priester sind schwul,
    5 – 15% kriminell pädophile,
    10% sind abhängig von Alkohol und/oder Drogen
    10.000 Priester haben 3000 illegale Kinder,
    für die die Bistümer die Alimente überweisen.

    Bischof Welsh versuchte in einem Hotel in Boston eine Hure zu erwürgen. Der katholische Priester Volker S. vergewaltigt in Österreich einen Strichjungen und sticht ihn nieder. Verurteilt zu 12 Jahren Haft beißt er im Jahr 2008 in der Peterskirche in Frankfurt einem Jungen fast den Penis ab. Den Priester Gerald Pointer (48) besteigt in einem Stall bei Seattle ein Hengst, ein James Fait filmt das Geschehen. Das Pferd dringt zu tief ein, der Darm reißt, der Priester stirbt. Der Priester Gerald Robinson aus Toledo/Ohio misshandelt und tötet seine Angestellte Margaret Ann Pahl in einer Kapelle und erhält 15 Jahre Haft. Im Jahre 2003 klagt ihn ein Opfer an sie als Kind sexuell missbraucht zu haben. Zur Verurteilung meint er „Ich bin nie stolzer gewesen ein Katholik zu sein“.

    Für den Bischof Bernado Alvarez/Teneriffe gibt es Minderjährige, die Missbrauch wünschen um ihre sexuellen Neigungen auszuleben, man muss die Priester schützen. Eine spanische Zeitung berichtet 2010 über die Call-boy Werbung des Priesters Samuel Martin für Sexdienste außer Sodomie mit Preisen von 50 – 120 €/h. Die Kosten für die Anzeigen in Höhe von 17.000 € werden dem Opferstock der Kirche entnommen. In Garland/Texas gibt der suspendierte Priester John M. Fiala den Mord seines 16-jährigen Missbrauchopfers in Auftrag und handelt mit einem verdeckten Ermittler ein Honorar von 5.000 US$ aus. Der Erzbischof von Maputo Francisco Chimoio behauptet die Kondomhersteller präparieren diese bei der Herstellung mit HIV-Viren. Der Priester Don Riccardo Seppia aus Genua ist seit 1994 pädophile aktiv, HIV positiv und Kokain süchtig. Seine telefonische Anfrage bei einem Seminaristen für neue Opfer im Alter bis zu 10 Jahren belegt Menschenhandel auch in der RKK. Der Erzbischof Angelo Bagnasco hat absolut nichts gewusst – sagt er trotz Zeugen, die eine frühzeitige Unterrichtung der Kurie belegen.

    Bei derart vielem moralischem Schrott an Menschen im Priesteramt ist es müßig einzelnen Motiven nachzugehen, daraus lässt sich kein Muster bilden

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