Missbrauch an Kindern: Muster der Misshandlungen


Quelle: noows.de

Canisius-Kolleg, Odenwaldschule, Heime, Kasernen und Jugendstrafanstalten – unterschiedliche Missbrauchsfälle haben ähnliche Ursachen. Was ist zu tun aus Sicht der Kriminologie?

Von Arthur KreuzerZeit-online

Ein Jahr lang wurden körperliche, seelische und sexuelle Misshandlungen in unterschiedlichen Einrichtungen entdeckt: im Canisius-Kolleg, in der Odenwaldschule („OSO“), der Benediktinerabtei Ettal, in Fürsorgeerziehungsheimen in der Bundesrepublik und in der DDR, in Kasernen, Ferienlagern und Sportvereinen. Daneben wurden Foltervorfälle in Jugendstrafanstalten strafgerichtlich aufgearbeitet. Die öffentliche Skandalisierung durchbrach ein Tabu und damit die Sprachlosigkeit der Opfer und die Mauern des Schweigens der Einrichtungen.

Es ist an der Zeit, dass auch die Kriminologie Stellung bezieht. Wer sich ständig mit Auffälligkeiten in staatlichen und gesellschaftlichen Subsystemen – von der Haftanstalt über psychiatrische Kliniken, Jugend- und Altenheime bis zu Kasernen und Polizeieinheiten – befasst, dem sind solche Misshandlungen durchaus geläufig. Sie spiegeln subkulturelle Machtstrukturen, Zwänge und Anreize in mehr oder minder abgeschlossenen Institutionen.

In sie gelangt man nur selten freiwillig, zumeist von Eltern geschickt, durch Urteil erzwungen, durch Autoritäten überredet, durch Alter, Krankheit oder Armut darauf angewiesen, durch berufliche Zwänge veranlasst. Die „Insassen“ verlieren tendenziell Kontakte nach außen und geraten in eine Rang- oder Hackordnung. Für sie, desgleichen für den „Stab“ – die Bediensteten –, gilt das Gesetz des Schweigens. Die eigene Gruppe und die Institution werden nicht bloßgestellt. Ansonsten drohen Nachteile, Mobbing bis hin zu existentiellen Gefährdungen.

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