B. Ramelow: Der christliche Sozialist


Linker und Christ: Bodo Ramelow (r.) setzt auf sozialistische und christliche Werte – hier bei einem feierlichen Gottesdienst in Berlin mit Prälat Bernhard Felmberg. Foto: epd/Andreas Schölzel

Unter dem Titel Perspektiven veröffentlicht die Sächsische Zeitung kontroverse Essays, Kommentare und Analysen zu aktuellen Themen. Heute: Der Linken-Politiker Bodo Ramelow über Glaube, Kirche, Sozialismus und den evangelischen Kirchentag. Religion kann Teil der Lösung gesellschaftlicher Probleme sein. Ein Plädoyer für den Dialog von Sozialisten und Christen.

Von Bodo RamelowSächsische Zeitung

Empfänge, vor allem die zum Jahresstart, sind meistens eher dröge Veranstaltungen. Die Gäste sehen es häufig als Pflichtveranstaltung an, den Einladern beim Formulieren ihrer Wünsche für das Jahr zuzuhören. Es geht ums Sehen und Gesehen-werden.

Vor einigen Jahren habe ich einen Neujahrsempfang erlebt, der mir bis heute in Erinnerung geblieben ist. Die Thüringer Linke hatte ihren Empfang in das Erfurter Augustinerkloster verlegt und die Hausherrin, Pröpstin Elfriede Begrich, hatte ein Grußwort zugesagt. Bis dahin schon ungewöhnlich, aber nicht spektakulär. Pröpstin Begrich ließ es sich aber nicht nehmen, in ihrer Rede Adolf Grimme, den Namensgeber des bekannten Fernsehpreises, mit einer fast schon vergessenen Textstelle zu zitieren: „Ein Sozialist kann Christ sein, ein Christ muss Sozialist sein“. Das saß.

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1 Comment

  1. Ziemlich auffällig, dass in letzter Zeit immer mehr Politiker aus allen Parteien auf religiösen Pfaden auf Menschenfang gehen. Das allerdings könnte sich als Boomerang erweisen, denn nicht nur das Image der kath. Kirche ist stark angeschlagen, sondern die gesamte christliche Leitkultur hat erhebliche (historisch nachweisbare) Schäden davon getragen und leidet an einem Glaubwürdigkeits-Syndrom. Aber lassen wir doch die christlich geprägten Volksvertreter in ihrem Glauben, dass mit der christlichen Leitkultur gepunktet werden könne. Sie werden ihren Irrtum früher oder später erkennen müssen. Religion mit Politik zu vermischen ist längst kein Erfolgsrezept mehr. Im Gegenteil: Diese Vermischung gerät mehr und mehr zu einer Suppe, die kein Wähler mehr auslöffeln möchte. Die darin verarbeiteten Zutaten sind längst nicht mehr zeitgemäß und zudem von Grund auf undgenießbar.

    Ach, ja ! Ramelow und Jesus passen doch zusammen, wie die Faust aufs Auge ! Ein Sozialist kann sich zwar als Christ bezeichnen, aber das hilft ihm auch nicht weiter, weil ihm keiner diese Behauptung abnimmt. Und – dass ein Christ Sozialist sein müsse, wird man vorallem in der CDU/CSU und in der FDP nur mit schmerzverzogenem Gesicht zur Kenntnis nehmen wollen.

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