Légion Étrangère: Soldaten ohne Vergangenheit


Siebenflammige Granate: Abzeichen der Légion Étrangère, Quelle: wikipedia

Manche haben noch pubertäre Pickel im Gesicht, viele schauen finster. Im Auswahlzentrum der Fremdenlegion im südfranzösischen Aubagne werden alle jungen Männer empfangen, die in die Legion eintreten wollen. Die „Blauen“ werden sie im Legionärsjargon genannt, wegen der blauen Anzüge, die sie tragen müssen. Sie warten im Gang des Zentrums, alle sind sichtlich angespannt. Denn hier entscheidet sich, ob sie ein neues Leben als Legionäre beginnen.

Von Martina Zimmermannevangelisch.de

Wer in die Fremdenlegion eintritt, lässt die Vergangenheit hinter sich. Unter Umständen kann er später französischer Staatsbürger werden und wenn er will, einen anderen Namen und eine andere Identität annehmen. Es ist die Legion der Ausländer, die für Frankreichs Interessen kämpfen, seit König Louis Philippe am 9. März 1831 die Truppen für die Kolonisierung Algeriens gründete. Mit der Einrichtung einer aus Ausländern bestehenden Freiwilligentruppe bekam der König zudem eine schlagkräftige Berufsarmee, die später in fast allen Kolonialkriegen eingesetzt wurde – unter anderem im Algerienkrieg (1954-1962), berüchtigt für die extreme Brutalität französischer Einheiten.

Knapp 8.000 Mitglieder

Heute dienen die knapp 8.000 Fremdenlegionäre überwiegend im Rahmen von UN- oder NATO-Einsätzen. Die Fremdenlegion ist Teil der französischen Bodenstreitkräfte, sie zählt 146 Nationalitäten. Im vergangenen Jahr kamen die Kandidaten aus 70 verschiedenen Ländern: 40 Prozent vom Balkan und aus den ehemaligen Sowjetrepubliken, immer mehr Anwärter stammen auch aus Asien und Südamerika.

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1 Comment

  1. Ende der Fünfzigerjahre machte ich in einem Pariser Bistro die Bekanntschaft eines Fremdenlegionärs, der – so wie ich -in der Schweiz geboren wurde. Er war im Algerienkrieg schwer verwundet worden (ein Lungen-Durchschuß) und lebte jetzt als französischer Bürger von seiner Invalidenrente. Nach meiner Rückkehr erzählte ich meiner Mutter beiläufig von dieser Begegnung. Sie war danach wie elektrisiert und rief gleich eine Freundin an, deren Sohn vor Jahren zur Legion gegangen war und von dem seither jede Nachricht fehlte. Er sollte in Kürze für tot erklärt werden, was seine Mutter aber stets verhinderte.

    Noch am selben Tag traf sich die Frau mit mir und anhand eines von mir geschossenen Fotos erkannte sie gleich ihren für tot gehaltenen Sohn. Da ich mir die Anschrift des Legionärs notiert hatte, (er lebte unter neuem Namen in Paris) reiste die Frau nach Paris und konnte dann ihren vermißten Sohn wieder in die Arme schließen. Eine Rückkehr in die Schweiz wollte der Ex-Legionär nicht riskieren, da er dann wegen seines Dienstes in der Legion vor ein Militärgericht gestellt worden wäre.

    Dass es im Algerienkrieg seitens der Fremdenlegionäre zu schweren Kriegsverbrechen (auch an der Zivilbevölkerung) kam, hat mir nicht nur der in Paris lebende Ex-Legionär bestätigt. Anläßlich einer Reise quer durch Tunesien und Algerien hatte ich auch die Gelegenheit, mit einem mißhandelten Opfer eines Berber-Stammes zu sprechen. Er zeigte mir seine Hände, an denen Legionäre ihm sämtliche Fingernagel gezogen hatten. Sie wollten ihn mit dieser Folter dazu bringen, den Aufenthaltsort von Rebellen der FLN zu verraten.

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