Gott – Ein Gedankenkonstrukt


Timeline des Universums, Quelle: firstgalaxies.co.uk

Es ging um Physik und Welterklärung. Interessant war die Enttäuschung der Atheisten, dass sich Wissenschaftler offen für die Grundfragen des Lebens zeigten

Von Dr. Rober HarsieberSuite101®.de

Im Rahmen der Wiener Vorlesungen diskutierten am 31. 5. 2011 die Physiker Walter Thirring und Anton Zeilinger sowie der Mediziner und Theologe Johannes Huber zum Thema „Baupläne und Materien der ‚Schöpfung‘“. Wissenschaftler befassen sich ihr Forscherleben lang mit begrenzten Detailfragen. Wenn sie in die Jahre kommen, beginnen sich viele von ihnen mit den Grundfragen des Lebens als Ganzem zu beschäftigen, stellte Prof. Hubert Christian Ehalt, Koordinator der Wiener Vorlesungen, schon eingangs fest.

Bemerkenswert war die Reaktion einiger Atheisten aus dem Publikum, die sich enttäuscht darüber zeigten, dass sich Wissenschaftler auch mit Glaubensfragen beschäftigen. Von Physikern hatten sie sich nicht diesen „religiösen Touch“ erwartet. Anton Zeilinger hatte betont, dass man als Wissenschaftler nur Agnostiker sein kann, sich als Mensch aber nicht dieser Beschränkung unterwerfen müsse. Trotzdem beharrte ein Zuhörer darauf, dass wohl Atheisten weniger unter Beweisdruck stünden als jene, die an Gott glauben. Damit konnte aber Zeilinger schon gar nichts anfangen, denn beweisen könne man ohnehin weder die eine, noch die andere Einstellung.

5 Comments

  1. @Muriel

    Ob er das in Bezug auf Feen, Kobolde und Super Mario auch so sieht?
    Mir geht dieser Spruch immer so auf den Geist. Als könne man wissenschaftlich überhaupt jemals etwas „beweisen“.

    Es ist überhaupt kein Problem, einen Gott, einen Geist oder eine unsichtbare rumschwebende Tomate zu beweisen. Alles was man dazu benötigt, ist ein wenig Logik, ein Messgerät und genügend Hirnschmalz. Wenn es einen Gott gibt, so muss es mit unserer Realität, mit unserer Welt, interagieren. Es muss „mess-bar“ sein. Ob es sich durch Masse, durch Atome oder auch nur durch Logik alleine messen lässt, überlasse ich der Frage. Jedoch entziehen sich sämtliche Götter, Geister und Dämonen einerseits der „materiellen Welt“, andererseits der Logik. Und zwar nicht nur einmal, sondern konsequent am laufendem Band. Ein „christlicher“ Gott, innerhalb des christlichen Weltbildes, macht in einer polytheistischen Weltanschauung überhaupt keinen Sinn. „Belegen“ lässt er sich natürlich nicht in dieser Weltanschauung. Und die Ideologie? Die verläuft komplett in eine andere Richtung und hat womöglich in der polytheistischen Religion gar unethische Züge. Dasselbe verhält sich umgekehrt, wenn Polytheismus-Götter auf eine monotheistische Weltanschauung treffen. Schon das erste Testament negiert dogmatisch die Existenz vieler Götter, obwohl sie es indirekt zugibt. Denn warum soll man keine Götter haben, wenn es überhaupt keine Vielgötterei gibt? 😉 .

    Jedoch existiert neben den spiritistischen Weltanschauungen, die alle für sich eine eigene „Erklärung“ der Welt liefern, eine weitere. Diese weitere Weltanschauung ist die bis jetzt das beste, präziste und (noch) einzigste Modell, mit der man sogar wissenschaftliche Vorhersagungen machen kann! Wie das christliche Weltbild mit Vorhersagungen umgeht, konnten wir an H.Campings Weltuntergangsprophezeiung sehen. Anscheinend sind die Christen immer noch nicht verrückt … äh … weggerückt … uhm … entrückt 🙂 . Nächstes Jahr werden wir die esoterische Weltanschauung auslachen dürfen, wenn 2012 in das Jahr 2013 übergeht, und noch immer kein Synchronisationsstrahl ausserirdischer Güte uns in eine neue Ebene mitnimmt 😀 .

    Also … einer Überprüfung von Göttern und Geistern steht überhaupt nichts im Wege:

    Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden. Die Zeichen aber, die da folgen werden denen, die da glauben, sind die: in meinem Namen werden sie Teufel austreiben, mit neuen Zungen reden. Schlangen vertreiben; und so sie etwas Tödliches trinken, wird’s ihnen nicht schaden; auf die Kranken werden sie die Hände legen, so wird es besser mit ihnen werden.

    (http://www.bibel-online.net/text/luther_1912/markus/16/#16)

    Einfach einen Priester, Bischof oder gar Papst fragen, ob er einen kräftigen Schluck Zyankali nehmen würde. Dann setzen wir noch ein paar Giftschlangen aus und beobachten, wie der Gottesmann diese Schlangen vertreiben kann. Und natürlich dürfte das altbekannte Heilen nicht vergessen, womit sie für den Chefarzt-Posten in unseren Krankenhäusern prädestiniert wären.

    Doch was erleben wir? Kaum ein Theologe ist praktizierender Arzt, der ohne naturalistische Ausbildung heilt. Gift tötet weiterhin sämtliche Gottesmänner und Schlangen zeigen sich gänzlichst uninteressant, ob die Person eine Bibel oder ein Mathebuch in der Hand hält. Das heisst, dass schon die sehr präzisen Behauptungen der Bibel nicht stimmen. Von den abgeleiteten Wunschbehauptungen wie etwa die Datierung einer Apokalypse oder die Benennung einer Massenhypnose als „Erscheinung der Jungfrau Maria“ ganz zu schweigen.

    Wir können wirklich nichts dafür, wenn Götter, Geister und Dämonen einfach nicht in unserer Realität existieren. Sie mögen tolle Film- und Romanfiguren abgeben, doch ausserhalb der literarischen Welt, ist der Naturalismus die bis jetzt bestbeschreibendste Weltanschauung, die wir kennen 🙂 .

    @Topic

    Baupläne und Materien der „Schöpfung“

    Schon der Titel lässt vermuten: Hier wurde etwas (von jemanden) erschaffen. Die Wahrscheinlichkeit, dass in einem sich selbst erschaffenem Universum, oder in einer sich ewig existenten/wiedererschaffendem Universum irgendwann eine Intelligenz gefunden und Deistisch dann besetzt haben könnte, wird von vornerein ausgeschlossen. Begründung? Keine. Passt nicht in das Weltbild, nachdem eben eine Gottheit den Anfang darstellt. Die Frage, wo diese Gottheit überhaupt ihren Anfang hat oder wie sie an das Wissen über Universen und Naturgesetze überhaupt kommen konnte, wird nicht gestellt. Und dies ist erst der Titel!

    Trotzdem beharrte ein Zuhörer darauf, dass wohl Atheisten weniger unter Beweisdruck stünden als jene, die an Gott glauben. Damit konnte aber Zeilinger schon gar nichts anfangen, denn beweisen könne man ohnehin weder die eine, noch die andere Einstellung.

    Es ändert rein gar nichts an der Tatsache, dass die Behauptung immer noch belegt werden muss. Ansonsten ist die Behauptung nicht nur unbelegt, sondern aufgrund der Beliebigkeit gar vollkommen überflüssig. Wenn zu einer Tatsache eine Gottheit nicht benötigt wird, dann kann man Ockhams Rasiermesser benutzen. Das ist bei einer Gottesvorstellung ständig der Fall. Sicherlich nicht ohne Grund 😉 .

    Für Zeilinger sind auch überzeugte Atheisten gläubige Menschen, denn sie glauben an die Nicht-Existenz Gottes.

    Wo keine Gottheit ist, da braucht man nicht an eine „Nicht-Existenz“ zu glauben. Ich „glaube“ auch nicht, dass ich keine Frau bin oder das ich keine 3 Arme habe, es ist schlichtweg eine überprüfbare Aussage. Ob über den Köpfen der Wissenschaftler ein Drache schwebt, ob der Urin eines Theologen über Nacht zu Wein wird oder ob Zeilinger sich bei Vollmond in einen Werwolf verwandelt, sind ebenfalls überprüfbare Behauptungen. Lässt sich keines dieser Behauptungen nachweisen, und bietet die Natur auch keine mögliche Lösung zu diesen Behauptungen, so kann man diese Behauptungen ruhigen Gewissens als inhaltsleer und falsch bezeichnen. Jedenfalls solange, bis ein Theologe oder ein Wissenschaftler klar nachweisen (und damit überzeugen) kann, dass an den Behauptungen was drann ist.

    Ein Gott macht genausowenig Sinn wie viele Götter. Ein hebräischer Vatergott macht genausowenig Sinn wie ein ägyptischer Sonnengott oder ein griechischer Meeresgott. Der Mensch „glaubt“ nicht nur nicht mehr an sie, sondern man ist schlichtweg durch Forschung sicher, dass sich die Natur ohne diese Gottheit erklären lässt. Die Wissenschaft ist die bis jetzt beste Beschreibung der Realität. Das ist kein Glaube, das ist Fakt.

    Für Jesus sind wir alle Kinder des einen Gottes, und für die Wissenschaft sind wir alle das Produkt ein und derselben Evolution

    Der feine Unterschied ist, dass die Gottheit eines Jesus, wie auch die Behauptung einer Abstammung, sich genausowenig belegen lässt, wie die Abstammung der Pharaonen aus ihren Götter oder die Abstammung der Tennos aus der japanischen Sonnengöttin. Bei der Evolution hingegen lässt sich das Genom klar analysieren und zurückverfolgen. Überprüfbar. Wiederholbar. Widerlegbar. Science works, eben 😉 .

    In der Inquisition, die den Fall prüfen sollte, saßen natürlich die Kollegen Galileis, die ihm das große Geschäft mit den Ferngläsern nicht gönnten. Sie zwangen den Großinquisitor nahezu, Galilei zu verurteilen.

    Na? Wer hat’s erfunden?
    Kleiner Tip … es waren nicht die Schweizer 😉 .
    Die Idee, religiöse Themen zur Vernichtung von Menschen zu benutzen, entstammte dem Geist des Menschen. Hätte irgendein Gott mit seiner unendlichen Altruismus/Menschenliebe/Erkenntnis gewirkt, hätte er schon viel viel viel früher in die Natur, und somit auf den Menschen gewirkt.
    Da aber Götter und Geister faktisch ausgeschlossen sind, bleiben nur die verblendeten Geisterideologen übrig, die sich in der Inquisition eine „göttliche Gerichtbarkeit“ vorstellten. Man wusste es damals eben nicht besser und hielt sich an den Geistlichen, den Hohepriestern. Und sie haben das Instrument natürlich zur Machterhaltung ausgenutzt.

    Es gibt in den Wissenschaften die Tendenz, Gott durch den Zufall zu ersetzen. Allerdings kann man, so Zeilinger, mit dem Zufall, also etwas, das man nicht erklären kann, auch nicht die Welt erklären. (..)

    Was soll dieser Strohmann? Der Zufall ist genausowenig eine „Weltformel“, wie es Gott ist. Der Zufall ist einfach nur Zufall. Es ist kein Synonym für „Gott“, „Schrkmpft“ oder „Drache in meiner Garage“. Wer oder was ein „Gott“ ist, unterscheidet sich fundamental vom Zufall. Ein Zufallszahlengenerator ist ja auch kein Gottesbeweis 😀 .

    Ist es notwendig, Gott Eigenschaften zuzuschreiben, fragt Zeilinger, und verneint die Frage.

    JA! NATÜRLICH IST ES NOTWENDIG!
    Jede Religion, sogar Jesus selbst(!), schreibt dem/die/das Gott Eigenschaften zu. Er ist Vater, lieb, gerecht, toll, schmeckt nach Vanille, Erschaffer, Vernichter usw.
    Ganz klare Eigenschaften. Wer auch immer dem Gott oder der Göttin oder den Göttern die Eigenschaften „fortnehmen“ möchte, und sie lieber durch metaphsyische Nomen wir „Sinnlichkeit“ oder „Unendlichkeit“ ersetzen möchte, der träumt sich hier nur eine (eigene) Gottheit herbei.

    Und was über das „persönliche“ am Gott geschrieben wurde, ist wiederum theologische Fantasterei, und hat in der Naturwissenschaft nichts verloren. Ohne diese Anthromorphisierungen, wären Religionen weit weniger „anfassbar“ und hätten keine solche Verbreitung erreicht. Wir sind eben Tiere und kommen mit „tierischen“ Artgenossen – auch übersinnlichen – besser klar. Die Vorstellung, ein „gerechter Gott“ wäre ein Prinzip der Natur, die sich auch ohne der These eines „gerechten Gottes“ erklären lässt, lässt auch hier Ockhams Rasiermesser schwingen. Die Lösung ist eben, sich eine „persönliche“ Gestalt vorzustellen. Eine „Liebe“, die sich von der naturalistischen „Liebe“ dadurch unterscheidet, dass sie eben „intelligent“ (=göttlich) wirkt. Und auch hier bleibt die Beweislast bei den Gläubigen. Solange sie diese ominöse Intelligenzliebe nicht klar in unserem Weltbild belegen können – das selbe Weltbild, was einen angeschossenen Past vor dem Tode bewahrt – bleibt laut Ockham die simpelste Lösung stets die richtige: Es gibt (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) keinen Gott.

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  2. @Joe: Das ist eine Begriffsunschärfe, stimmt. Du hast Recht, und gleichzeitig mit erläutert, warum ich auch irgendwie Recht habe. Danke dir!
    Ich meine jedenfalls, dass Herr Zeilinger in beiden Interpretationen Unrecht hätte.

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  3. @ Muriel:

    Man kann schon etwas wissenschaflich beweisen. Hat was mit vollständiger Induktion oder unvollständiger Induktion zu tun. Aber „richtig“ beweisen lassen sich wohl nur Dinge in der Mathematik. Der Rest der Wissenschaften -korrigiert mich bitte- benutzt weitgehend deduktive Verfahren.

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  4. Damit konnte aber Zeilinger schon gar nichts anfangen, denn beweisen könne man ohnehin weder die eine, noch die andere Einstellung.

    Ob er das in Bezug auf Feen, Kobolde und Super Mario auch so sieht?
    Mir geht dieser Spruch immer so auf den Geist. Als könne man wissenschaftlich überhaupt jemals etwas „beweisen“.
    Man kann nur Indizien sammeln. Und bisher sprechen alle, die wir haben, gegen einen Gott, zumindest gegen jeden, der auch nur grundsätzliche Ähnlichkeit mit dem biblischen hat.

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  5. Kein vernunftbegabter Mensch wird von der Wissenschaft fordern, dass sie die Existenz eines Gottes beweise oder widerlege. Sie sollten es aber gar nicht erst versuchen, eine Gottesthese aufzustellen, wenn ihnen der Existenzbeweis für ein Fantasieprodukt, wie Gott es ist, zum Vorhinein als unmöglich erscheint. Dann erübrigt sich nämlich auch das zwangsläufig zum Scheitern verurteilte Bemühen, die Existenz von etwas Nichtexistentem beweisen zu wollen.

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