B16-RatzeBene: Dialog heißt, Verbrüderung mit jeglichem Feind der Säkularisierung


Quelle: dw-world.de

Der Papst und der Islam
‚Semina Verbi’ bedeutet nicht Religionspluralismus – Die wahre Grundlage eines zu erringenden Dialogs.

Von Armin SchwibachKath.net

[…]Der Dialog mit den anderen Religionen und Weltanschauungen ist zu dem geworden, was er immer hätte sein müssen: zu einer philosophischen und theologischen Frage. In einer Zeit, die wahres Wissen scheut und an allen Enden seine Relativierung vollzieht, in einer Zeit, in der der Wert einer Meinung darin besteht, sie zu haben, ist es von außerordentlicher Bedeutung, dass das gesuchte Gespräch zwischen Theologen und Philosophen zu einem Politikum geworden ist. Das Gottesbild ist die Voraussetzung dafür, dass überhaupt geredet werden kann. Dabei erstaunte es nicht, wenn über zu lange Zeit hinweg abgestumpfte Geister dies nicht wahrhaben können. Die Wortlosigkeit der Intellektuellen Europas war bedrückend. Der christlich-islamische Dialog aber stand alles andere als an einem Tiefstpunkt. Er stand vor seinem ersten wahren Anfang.

Zur neuen Transparenz gehörten und gehören zwei Fragen. Sie wären eigentlich selbstverständlich, sind nun aber machtvoll in der Vordergrund gerückt: Was ist das Ziel des Dialogs? Von welcher Grundlage aus muss dieser Dialog geführt werden? Das Ziel des Dialogs besteht im friedlichen Zusammenleben, in einer vernünftigen Auseinandersetzung mit der Geschichte und der Erhellung einer gemeinsamen ethischen Grundhaltung und Anthropologie, ohne dabei notwendige Differenzierungen zu verflachen. Dazu ist es unentbehrlich, dass die Menschen wissen, an welchen Gott sie glauben, wer Gott ist. Wir brauchen Gott, hatte der Papst damals zwei Tage vor der Regensburger Vorlesung in München am 10. September 2006 gesagt, wir glauben an Gott, so in Altötting am 11. September. Welchen Gott wir aber brauchen und an welchen Gott, an welche Wirklichkeit wir glauben, das ist die alles entscheidende Frage. Deshalb ist es für Benedikt XVI. wichtig, dass wir unser Gottesbild ganz und nicht nur fragmentiert zur Sprache bringen.

Gott und der Glaube an ihn sind nicht auf eine ideologische oder politische Diskussion zu reduzieren. Der Gott, der Liebe ist, muss bezeugt werden. Die Macht darf nicht denen überlassen werden, die den Namen Gottes missbrauchen, um Gewalt und Schändung des Menschseins zu rechtfertigen. Dies gilt für den säkularisierten Westen ebenso wie für alle anderen Religionen und Kulturen. Dies gilt, so scheint Benedikt XVI. anzumahnen, vor allem für diejenigen, die sich Gläubige nennen, sich aber in der Schalheit und Unkenntnis ihres Glaubens verlieren. Denn: Wenn in der konkreten Verwirklichung des Gottesverständnisses der Religion die Sicht abhanden kommt, dass das Handeln gegen die Vernunft ein Handeln gegen Gott ist, dann wird für diese Art der Religiosität alles möglich und alles rechtfertigbar. Die Gefahr der inneren Säkularisierung der Religion und der Kirche wird so deutlich.

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