Fundi-Anthroposoph Lorenzo Ravagli und seine abstrusen Rechtfertigungsversuche für Irrsinn


Quelle: buch.de

„Tut nichts, der Ketzer wird verbrannt“

Von Lorenzo RavagliAnthroblog

»Wie ungerecht kann die Presse sein?« frägt Michael Hanfeld in der FAZ im Hinblick auf die Berichterstattung über den Kachelmann-Prozess in anderen Blättern. »Parteiischer und einseitiger«, fährt er fort, »kann man sich die Arbeit von Vertreterinnen der ›vierten Gewalt‹ jedenfalls nicht vorstellen.« »Wer sich in den vergangenen Monaten über diesen Prozess allein aus ›Spiegel‹, ›Zeit‹, ›Bild‹ oder ›Bunte‹ informierte, war ziemlich schief gewickelt. Keine Rede mehr von der gebotenen journalistischen Distanz.«

Parteiischer und einseitiger kann man nicht? Doch man kann. Man muss sich nur einem anderen Prozeß zuwenden, dem Prozeß, den die »ZEIT« mal wieder »der Esoterik« macht. Unter dem Titel »Esoteriker unterwandern die deutschen Hochschulen« breitet sich Bernd Kramer über »Pseudowissenschaften« aus, die angeblich eine Bedrohung für die bundesdeutsche Universitätslandschaft, diese Hochburg der Rationalität und Wissenschaftlichkeit darstellen, wie wir ja spätestens seit Guttenberg & Co. wissen.

Kramer – offenbar ein Mitglied der ZEIT-Redaktion – fährt bei seinem Kampf gegen die »esoterische Unterwanderung« schwere Geschütze auf und greift tief in die Trickkiste der irrationalen Überzeugungssysteme. Er bedient sich alter Stereotype, die schon im Mittelalter von der katholischen Kirche angewendet wurden, um in der Bevölkerung Ängste vor dunklen Bedrohungen zu schüren, die damals angeblich von den »Gottesmördern«, den Juden, ausgehen sollten. So wie die mittelalterlichen Antisemiten dieser verfolgten Minderheit vorwarfen, Brunnen zu vergiften, ja sogar rituelle Kindesopfer zu vollziehen, so wirft Kramer heute den Esoterikern vor, sie würden den klaren Brunnen der Rationalität vergiften und das unschuldige Kind der Wissenschaft auf dem Altar ihres Aberglaubens opfern. Dabei beruft er sich auf besonders lautere Gewährsmänner: auf eine Internetseite namens esowatch.com, gegen die die Berliner Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen Cyberverbrechen, Verleumdungen, Urheberrechtsverletzungen und vielem mehr führt (Aktenzeichen 3031 PLs 453/11) und auf die »Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften« (GWUP), ein Sammelbecken fanatischer Skeptiker, die bei ihrem irrationalen Kampf gegen alles, was sie für irrational halten, vor keiner noch so verwegenen Behauptung zurückschrecken (zu esowatch und GWUP siehe eselwatch.com und promedwatch. Ebendies tut auch Kramer, in dessen Artikel sich Suggestivbegriffe wie »irrationale Lehren«, »Hokuspokus«, »Aberglauben«, »Glaube an Globuli«, »Ersatzreligion« und »Pseudowissenschaft« zu einer Schreckgestalt des Grauens zusammenballen, der die Lichtgestalt der Wissenschaft und Rationalität gegenübersteht. Kramer stilisiert sich selbst als edlen Recken oder wachsamen Mahner, der berufen ist, über die finsteren Bedrohungen »aufzuklären«, die andere nicht sehen oder sehen wollen.

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2 Comments

  1. Argumente sind halt nur was für ziemlich erdenschwere Schwächlinge, die das große Weltenganze weder sehen noch begreifen, geschweige denn als mythologischen Pickel zum Jenseits hin ausdrücken wollen.

    Ravaglis Anti-Diesseits-Programme bzw. fundierte Schmähschriften gegen die Endlichkeit des Lebens lesen sich mitunter zwar ganz lustig, auch schon mal aufschlußreich – aber letztlich bergen sie – in eine konkrete und anschauliche Sprache übersetzt – erhebliches antidemokratisches und -aufklärerisches Potential:

    http://www.steinerimbrett.wordpress.com/aktuelle-kommentare/

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  2. Dieser Artikel ist eine sehr gute Leistung, Herr Ravagli! Er zeigt nämlich sehr überzeugend, wie gut Sie in der Lage sind, mit ernst zu nehmenden Argumenten ihre Sache zu verteidigen: Schon mit dem 209. Wort („Gottesmörder“) ziehen Sie den Godwin und machen auf verfolgte Minderheit machen. Die Ironie, im Zusammenhang mit dem Kachelmann-Prozess auf Ermittlungen der Berliner Staatsanwaltschaft gegen Esowatch zu verweisen, entgeht Ihnen ganz offensichtlich. Dann mal zum mitschreiben: Kachelmann wurde angezeigt, DANN nahm die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen auf und es kam zum Urteil (wie lautete das noch mal?). Und jetzt also die 1000000-Dollar-Frage: Wie kam es zu den ‚Ermittlungen‘ gegen Esowatch (zur weiteren Erläuterung, da Sie ja offensichtlich ihre Probleme mit dem erkennen (sogar ihrer eigenen) Ironie haben: Man muss einfach mal das AZ googlen und sich die Treffer der ersten 4 Seiten anschauen. Das erklärt schon alles: Immer wieder das wortidentische Zitat, und das von Seiten solcher Koryphäen wie Lopez, ‚Helferzelle‘, etc).

    Also nochmal herzlichen Dank für diesen Artikel! Besser hätte man die schiere Argumentationslosigkeit auf Seite der Esos nicht zeigen können.

    Gruß

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