Ausgeprägter Katholizismus macht anständig saufen


Die Kehrseite der Medaille: Alkohol fließt im Emsland reichlich - auch in jugendliche Münder. Foto: dpa

Nirgends in Deutschland sind Jugendliche so anständig wie im Emsland. Haben zumindest Kriminologen herausgefunden. Ein Grund sei der ausgeprägte Katholizismus.

Von Teresa Havlicektaz

„Glänzend“: So steht es für Christian Pfeiffer, Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN), um die Jugend im Emsland. „Jugendliche als Opfer und Täter von Gewalt im Landkreis Emsland“ hat das Institut erforscht. Ergebnisse stellte Pfeiffer am Freitag in Hannover vor: Nirgendwo hierzulande ist die Jugenddeliquenz demnach niedriger als im Emsland.

6,7 Prozent der dortigen Neuntklässler gaben demnach an, im vergangenen Jahr gewalttätig gewesen zu sein. Bundesweit liegt die Quote bei 13,7 Prozent. Auch sonstige delinquente Verhaltensweisen – Ladendiebstähle, Sachbeschädigungen oder Einbrüche – kommen bei Heranwachsenden im Emsland seltener vor als im Bund.

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4 Comments

  1. @ Argus7:
    Eine selbsterfüllende Prophezeiung ist eine Vorhersage, deren Inhalt eintrifft, weil die Vorhersage existiert. Der „Hellseher“ kann dabei unter Umständen etwas nachhelfen.
    (In der Richtung wie „Sie werden einen Unfall erleiden“ und unter dem Glaskugeltisch liegt schon der Seitenschneider für die Bremsschläuche bereit. Oder „Sie werden demnächst stark über ihre Partnerschaft nachdenken.“ Dafür bracht man nicht einmal nachzuhelfen.)

    Das, was Pfeiffer getan hat, war einfach irgendwelche Zahlenwerte zusammensuchen, mit deren Hilfe (plus einer ordentlichen Portion Fantasie) er eine bereits vorhandene Meinung heraninterpretieren kann.
    Das grenzt eher an Numerologie.

    Übrigens, hat der Koryphäen-Professor seine Empierie veröffentlicht? Mich würde die mal am Rande interessieren.

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  2. Umfragen der hier beschriebenen Art bezeichnet man auch als „self-fulfilling prophecy“ (sich selbst erfüllende Prophetie). Allein schon aus der Fragestellung wird ersichtlich, welche Antwort der Fragesteller letztlich erwartet. Zudem: Empirische Belege sind nun mal keine wissenschaftlich relevanten Beweise. Wer Wahrheit als meßtechnische Frage ausgibt, determiniert bereits die Antworten.

    Keineswegs selten, dass Umfragen dieser Art produziert und zu Wahrheiten erhoben werden. Mir selbst ist es in meiner beruflichen Tätigkeit zweimal vorgekommen, dass ich zwei angesehene Professoren glossieren mußte, die versucht hatten, mittels einer theoretischen Empirie Wahrheit in Zahlen und Meßwerte umzumünzen. Einer dieser Professoren trat nach meiner öffentlich geäußerten Kritik vorzeitig in den Ruhestand. Der andere weilte zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr unter den Lebenden, wird aber heute noch als Koryphäe verehrt !!! Ein beredter Beweis für die unsterbliche menschliche Dummheit !

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  3. Pfeiffer ist der Wilders oder Goldner der Kriminologie, hetzt und lügt er nicht gegen Videospiele, braucht er andere Feindbilder und Ideale, etwa Ausländer, Unterschichtler und andere.

    Auf der anderen Seite wäre das ein Paradebeispiel für praktizierten Gruppendruck, Diktatur der Masse über das Individuum. Man kann den Druck durch Religion und Gesellschaft auch mit einer Droge vergleichen.

    Bei Pfeiffers Umfragen fehlt es an Wissenschaftlichkeit, seine Fragebögen sind dafür bekannt, darauf ausgelegt zu sein seine Meinung und Ideen zu beweisen und nicht darauf aus den Daten auf Thesen und Ideen zu kommen oder einfach ausgedrückt, Pfeiffer weiß schon am Anfang seiner Untersuchungen, was am Ende das Ergebnis ist. Wie seine Kollegen häufig feststellen mußten, gibt er seine Studien und Zahlen auch niemanden in die Hände und verweigert die Auswertung seiner Daten durch Außenstehende.

    Es wäre natürlich auch interessant zu wissen, wie andere Landkreise abgeschnitten haben und wie stark die Unterschiede sind. Natürlich ist im Falle von Pfeiffer auch die Frage nötig, ob die Faktoren der unterschiedlichen Landkreise, was Ausländeranteil, Arbeitslosigkeit, … überhaupt berücksichtigt hat und ob der Herr Kriminologie nicht einmal wieder Äpfel mit Steinen vergleicht.

    Vielleicht ist auch einfach nur Scham der Grund für die Ergebnisse, wer unter gesellschaftlichen oder religiösen Druck steht, fängt an zu lügen, wenn er Angst hat bloss gestellt zu werden oder seiner Gemeinschaft zu schaden. Loyalität gegenüber den seinen ist nicht immer förderlich.

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  4. „6,7 Prozent der dortigen Neuntklässler gaben demnach an…“
    Und wie sieht die objektive Kriminalstatistik aus? :p
    „Innerfamiliäre Gewalt haben 40 Prozent der Heranwachsenden erlebt…“
    Ich habe Aussagen von orthodoxen Katholiken gehört, nach denen sie Züchtigung nicht als Gewalt ansehen.
    Die Art der Umfrage erinnert mich irgendwie an Gutachter von Pflegeversicherungen, die einer 90-jährige Demenzpatientin Fragen wie „Und können sie sich denn noch die Schuhe alleine zubinden?“ stellen nach einem „Jaaaa“ ihr Häkchen auf dem Fragebogen setzen.
    Das ist ungefähr genauso aussagekräftig.

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