Von der religiösen Gleichgültigkeit der Ossis


Arnulf Baring

  1. In der alten DDR herrschte im Grunde genommen, wie man es früher formuliert hätte, polnische Wirtschaft, aus den Menschen dort sind deutsch sprechende Polen geworden.
  2. Die Universitäten waren weitgehend keine Universitäten, die Schulen keine Schulen, die Leute waren unfähig zur Ausübung ihrer Berufe.
  3. Die Leute im Osten sind verzwergt und verhunzt. Ob sich heute dort einer Jurist nennt oder Ökonom, Pädagoge, Psychologe, Soziologe, selbst Arzt oder Ingenieur, das ist völlig egal: Sein Wissen ist auf weiten Strecken unbrauchbar. Die frühere DDR ist weithin ein kopfloses Land.
  4. Die Renitenz des Ostens, die kompensatorische Arroganz des unterlegeneren Schwächeren. Dieser sächsische Dialekt, dieses Idiom des deutschen Sozialismus.

Als „erfolgreichste Hinterlassenschaft von 40 Jahren realsozialistischer Herrschaft“ hat der aus der ehemaligen DDR stammende Theologe Wolf Krötke (Berlin) ironisch den verbreiteten Atheismus in Ostdeutschland bezeichnet.

Märkische Oderzeitung

Dieser habe kaum etwas mit dem teils aggressiven Atheismus westlicher Prägung zu tun. Er „zeichnet sich vielmehr durch eine gänzliche Gleichgültigkeit gegenüber dem Gottesglauben aus“, betonte Krötke am Freitag beim „Zentrum Muslime und Christen“ auf dem Evangelischen Kirchentag in Dresden. Um hier Menschen neu für das Christentum zu begeistern, seien „viele persönliche Begegnungen“ nötig, „bei denen deutlich wird, wie man lebt, wenn man glaubt“. Zwingend in säkularer Umgebung sei „das Eintreten für den Glauben außerhalb des kirchlichen Raums“.

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