Eine Retrospektive zum Evangelischen Kirchentag in Dresden


Die schaurige Geschichte eines Christen-Happenings an der Elbe

Wann immer ich in meinem Leben mit religiösen Menschen zu tun hatte, konnte ich deutliche Unterschiede zwischen den Religionen ausmachen. Nur bei Christen kamen immer seltsame Gefühle auf, die nie enttäuscht wurden. Muslimen, Juden, Buddhisten und anderen war es schlicht egal, dass ich Atheist bin, ungetauft. Über kurz oder lang fingen die Christen mit Versuchen des Missionierens an, obwohl eindeutige Grenzen von mir gezogen wurden, nein, pseudosanft versuchten sie Besitz von mir zu ergreifen. Bei Christen ist Konzentration im Dialog angesagt, wer nicht aufpasst wird ruckzuck ans Kreuz genagelt. Ein Leben ohne Glauben, ohne ihren Christus ist ihnen nicht vorstellbar. Mit kindlicher Brutalität wird angegriffen.

So ähnlich dürfte es der Stadt Dresden in den vergangenen Tagen ergangen sein.  Eine Stadt die im Laufe ihrer Geschichte etliche Schrecken und Heimsuchungen über sich ergehen lassen musste. Ob nun die verlorene Schlacht bei Kesselsdorf im 2. Schlesischen Krieg, die weitestgehende Zerstörung der Stadt durch Alliierte Bomberverbände, waren es nun die vereinten christlichen Kohorten, die wie eine göttliche Plage in die Stadt einfielen.

Trotz EHEC-„Epidemie“ wurde zum Abendmahlssalat der Christen-Sirtaki getanzt. Für Un-und Andersgläubige eine Zumutung. Privater Wahn im öffentlichen Raum, Flucht oder Resignation, andere Alternativen haben sich kaum angeboten. Ganz dem Motto entsprechend „Deutschland sucht den Super-Christen.“ Manege frei für die Prominenz aus Politik, Kultur, Wirtschaft, Kunst, Religion und Medien. Alle, vom Bundespräsidenten angefangen, bis hin zur theologischen Zoologie des Herrn Hagencord, eitel, selbstgefällig sonnten sie sich unterm Kreuz(evangelisch). Mutig wurde die Lebenslüge gelebt, ja es gibt ein richtiges Leben im falschen, kein Widerspruch, nirgends. Alle Flaschen waren vertreten, alle hatten sie ihre Etiketten und Labels, sei die Frage erlaubt, ob man für die Politiker-Flaschen auch Pfand zurück bekommt.

Deshalb bleibt die Feststellung, Christen sind penetrant. So etwas lässt sich natürlich materiell am leichtesten belegen. So lesen wir in den Dresdner Neuesten Nachrichten, ja es gibt Überlebende, einen Bericht von Ralf Redemund:

Insgesamt hatte der Kirchentag ein Budget von rund 14 Millionen Euro. Mehr als die Hälfte – 7,9 Millionen Euro – steuerte die öffentliche Hand bei. So zahlte der Freistaat 5,5 Millionen Euro, Dresden knapp zwei Millionen und der Bund 400.000 Euro. Nach Angaben der Kirchentagsveranstalter blieben aber sieben Millionen Euro der Aufträge zum Beispiel für Bühnentechnik, Honorare und Personal in der Region Dresden. Zudem schätzen sie mit Verweis auf eine Marktforschungsstudie zum Kirchentag 2009 in Bremen, dass die Kirchentagsgäste über 20 Millionen Euro ausgegeben haben. Demnach könne von einem regionalen Gesamtumsatz von über 27 Millionen Euro ausgegangen werden. Zudem dürfte das Treffen auch dem Image Dresdens gut getan und Gäste vielleicht zu weiteren Reisen nach Sachsen angeregt haben.

Genau genommen ist dieser Gott der Christen ein armes Schwein. Er nimmt sogar Fördergelder vom Bundesministerium des Innern an. Die Oberbürgermeisterin von Dresden, Helma Orosz veröffentlicht eine Grußandresse, da kommt das Wort Gott überhaupt nicht vor. Sponsoring durch Firmen, Gutscheine für Dresdner, die Übernachtungsmöglichkeiten zur Verfügung stellten, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist, Pop-Festival, Umsätze, Image. Es geht um Wirtschaft, um Förderung, Religion spielt da nur die Rolle des Alibis. ÜBEL.

7 Comments

  1. „Ihr habt gehört, dass gesagt ist: „Auge um Auge, Zahn um Zahn.“ Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Übel, sondern: wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar. Und wenn jemand mit dir rechten will und dir deinen Rock nehmen, dem lass auch den Mantel. Und wenn dich jemand nötigt, eine Meile mitzugehen, so geh mit ihm zwei.“

    Jesus von Nazareth

    Der Glaube ist die Hoffnung, ihn eines Tages durch Wissen ersetzen zu können. Entartet er zum Selbstzweck (Fundamentalismus), wird nicht mehr nach der Wahrheit gesucht und die Fundamentalisten wollen sie gar nicht mehr hören:

    „Der Herr sagte: Ihr habt alle Dinge verstanden, die ich euch gesagt habe, und ihr habt sie im Glauben angenommen. Wenn ihr sie erkannt habt, dann sind sie die Eurigen. Wenn nicht, dann sind sie nicht die Eurigen.“

    (nicht in der Bibel zu finden)

    Wie wir alle wissen, sind selbstverständlicher, allgemeiner Wohlstand und der Weltfrieden (noch) nicht die Unsrigen, obwohl die Überwindung von Massenarmut und Krieg in dem ersten Zitat bereits erklärt wird. Die wahre Bedeutung wird offensichtlich, wenn wir es mit dem folgenden Zitat aus dem bis heute unwiderlegten (alle „Gegenargumente“ basieren auf Vorurteilen und Denkfehlern), makroökonomischen Grundlagenwerk „Die Natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld“ aus dem Jahr 1916 vergleichen:

    „Man sagt es harmlos, wie man Selbstverständlichkeiten auszusprechen pflegt, dass der Besitz der Produktionsmittel dem Kapitalisten bei den Lohnverhandlungen den Arbeitern gegenüber unter allen Umständen ein Übergewicht verschaffen muss, dessen Ausdruck eben der Mehrwert oder Kapitalzins ist und immer sein wird. Man kann es sich einfach nicht vorstellen, dass das heute auf Seiten des Besitzes liegende Übergewicht einfach dadurch auf die Besitzlosen (Arbeiter) übergehen kann, dass man den Besitzenden neben jedes Haus, jede Fabrik noch ein Haus, noch eine Fabrik baut.“

    Silvio Gesell

    Die Aussagen von wahren Genies bleiben für gewöhnliche Menschen (Fundamentalisten) unverständlich, und selbst den Gelehrten und ernsthaften Studenten können sie nur mit Mühe sinnhaftig werden.

    „The greatest tragedy in mankind’s entire history may be the hijacking of morality by religion.“

    Arthur C. Clarke

    Herzlich Willkommen im 21. Jahrhundert:
    http://www.deweles.de/willkommen/cancel-program-genesis.html

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  2. Ups, ‚tschuldigung – vielleicht sollte man den Text erst mal genau lesen, bevor man meckert… 😉

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  3. Insgesamt hatte der Kirchentag ein Budget von rund 14 Millionen Euro. Mehr als die Hälfte – 7,9 Millionen Euro – steuerte die öffentliche Hand bei. So zahlte der Freistaat 5,5 Millionen Euro, Dresden knapp zwei Millionen und der Bund 400.000 Euro.

    Irgend jemand kann da nicht rechnen… 7,9 Millionen + 5,5 Millionen + 2 Millionen + 400 000 = 15,8 Millionen, nicht „rund 14 Millionen“…

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  4. Der evangeliotische Kirchentag in Dresden: Das ist mit öffentlichen Geldern geförderte Volksverdummung. Halleluja !

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