„Stern“ titelt vor 40 Jahren: „Wir haben abgetrieben“ und heute?


Quelle: emma.de

„Wir haben abgetrieben!“
In West-Deutschland hatte es 1968 ein erstes Aufbegehren der Frauen innerhalb des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) gegen die eigenen Genossen gegeben („Die Herrschaft der Schwänze hat ihre Grenze“). Doch danach war frauenpolitisch wieder Friedhofsruhe eingetreten. Die rebellischen Studentinnen hatten resigniert oder sich in „Kapitalschulungen“ nach Marx von den Genossen einreden lassen, die Emanzipation der Frauen sei nur ein „Nebenwiderspruch“, neben dem „Hauptwiderspruch“ Klassenkampf.

Von Alice SchwarzerEmma

 

Ich lebte damals in Frankreich, wo ich als freie Korrespondentin arbeitete und in der Pariser Frauenbewegung aktiv war. Doch während in der ganzen westlichen Welt die Frauen auf die Barrikaden gingen, hielten die deutschen Gretchen still. So still, dass es selbst der Brigitte zu brav war. Die klagte im Frühling 1971: „Deutsche Frauen verbrennen keine Büstenhalter und Brautkleider, stürmen keine Schönheitskonkurrenzen und emanzipationsfeindlichen Redaktionen, fordern nicht die Abschaffung der Ehe und verfassen keine Manifeste zur Vernichtung der Männer. Es gibt keine Hexen, keine Schwestern der Lilith, wie in Amerika, nicht einmal Dolle Minnas mit Witz wie in Holland, es gibt keine wütenden Pamphlete, keine kämpferische Zeitschrift. Es gibt keine Wut.“

Wenige Wochen später explodierte sie, die Wut der deutschen Frauen. Als am 6. Juni 1971 der Stern mit dem Titel „Wir haben abgetrieben!“ erschien, brachen alle Dämme. Endlich. Endlich redeten die Frauen! Aus den 374, die als erste das Tabu brachen, wurden bald tausende, ja hunderttausende, die forderten: Der § 218 muss weg! Denn er bedroht Millionen Frauen und auch die Ärzte, die abtreiben, mit Gefängnis. Er entmündigt, schüchtert ein, bedroht. Schluss mit der Angst! Schluss mit der Scham!

Und es blieb nicht bei dem Protest gegen die Abtreibung. Unmittelbar verknüpft damit war die Angst vor der Sexualität (Nicht zuletzt wegen der Angst vor ungewollten Schwangerschaften), waren die Probleme mit Männern im Bett wie im Büro. Im ganzen Land bildeten sich nun die so genannten „218-Gruppen“, in die Frauen aller Altersgruppen und aller Provenienzen strömten.

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Und heute?

Bis heute hat sich die katholische Kirche offiziell in ihrer Haltung zu Abtreibungen keinen Deut bewegt. Klerikale Über-und Eingriffe in das Selbstbestimmungsrecht von Frauen haben sich proportional zur Säkularisierung wieder verschärft und sogenannte Kampf-Lebensschützer werden immer radikaler. Abtreibung war und ist Mord, dafür gibt es keine Ausnahmen und dies sollte politische Priorität haben. Die Politik wird von den christlichen Fundis aufgefordert, PID und Abtreibungen rigoros zu verbieten und unter Strafen zu stellen, die nicht hoch genug sein können. Ist uns alles bekannt, nun werden jedoch weitere Geschütze aufgefahren, deren Protagonisten die Grenze zum Wahnsinn weit überschritten haben.

NEU: Die ganz normale Anti-Baby-Pille und die Spirale sind Mittel zur Abtreibung.

Dies wird auf einer Internet-Seite, die sich frech-dreist „Pharma-Informationen“ nennt, erklärt, veranschaulicht, „wissenschaftlich“ untermauert und schließlich wird nachdrücklich darum gebeten, diese Weisheiten überall zu verbreiten:

Die Anti-Baby-Pille kann auch abtreibend wirken

Was geschieht, wenn ein befruchtetes Ei in der Gebärmutter-schleimhaut keinen Platz zur Einnistung (Nidation) findet? Dieses kleine menschliche Wesen findet keine Nahrung, um wachsen zu können und stirbt. Dies geschieht nahezu jeden Monat bei Frauen, die eine Spirale tragen. Die Spirale verhindert nicht die Entwicklung und Befruchtung der Eizellen, sondern sorgt dafür, dass befruchtete Eizellen, d.h. neu gezeugte Menschen, wieder aus der Gebärmutter abgestoßen werden. Das bedeutet Tötung wie am Fließband!

Die Anti-Baby-Pille wurde in erster Linie entwickelt, um durch Hormonwirkung das Heranreifen neuer Eifollikel zu verhindern. Damit würde die Pille eine Befruchtung, d. h. die Schwangerschaft, verhindern. Tatsache ist, dass trotz Pilleneinnahme immer wieder Eifollikel heranreifen (Eisprünge) und Befruchtungen stattfinden. Deswegen wird der sogenannte Pearl-Index, der die Anzahl von Schwangerschaften trotz vorschriftsmäßiger Pilleneinnahme bei 100 Frauen in einem Jahr beschreibt, nicht mit 0, sondern mit 0,37 angegeben. Die Anzahl der Eisprünge, die trotz Pilleneinnahme stattfinden, ist aber um ein Vielfaches größer. Sie können in 7% aller Monats-Zyklen auftreten. Dass es dennoch nicht mit der gleichen hohen Wahrscheinlichkeit zur Geburt eines Kindes kommt, liegt zum einen daran, dass es nicht immer zur Befruchtung kommt. Zum anderen liegt es daran, dass es weitere Wirkmechanismen der Pille gibt, die auch nach der Befruchtung eines Eies zum Tragen kommen können: Die Gebärmutterschleimhaut wird hormonell so verändert, dass der neu entstandene kleine Mensch Schwierigkeiten bekommt, sich in der Gebärmutter niederzulassen („Nidationshemmung“). Er wird Opfer einer lautlosen und unbemerkten Abtreibung.

Es gibt eine neuere Abschätzung*, wonach in Deutschland jedes Jahr 200.000 Mitbürger im frühesten Stadium ihrer Entwicklung getötet werden, indem die Pille ihre Aufnahme in der Gebärmutter verhindert. Aber selbst wenn man die Anzahl dieser Abtreibungen in keiner Weise bestimmen könnte: Allein die Tatsache, dass die Pille auch einen nidationshemmenden Effekt hat, ordnet sie in die Tötungsmittel ein. Folgender Vergleich kann dies verdeutlichen: Wenn jemand auf einer Brücke steht, die über eine Landstraße führt und gelegentlich ohne hinunterzuschauen einen Stein auf die Straße fallen läßt, dann kann dies eine tödliche Wirkung für die Autofahrer haben. Auch ohne die Häufigkeit eines tödlichen Ausgangs genau bestimmen zu können, würde jeder, der vorbeikommt, zum sofortigen Unterlassen des Steinewerfens auffordern.

Und zu welchem Ergebnis diese Erkenntnis führen muss, kann man sich wohl denken: Empfängnisverhütung ist Tötung und gehört verboten:

Zusammenfassung der rechtlichen Vorgaben:

Als Schwangerschaft wird der Zustand nach erfolgter Einnistung des Embryos definiert.Die Anti-Baby-Pille wirkt vor der Einnistung. Deshalb bezieht sich auch die Straffreiheit des Schwangerschaftsabbruchs im § 218 nicht auf die „Anti-Baby-Pille“.

Gemäß dem Embryonenschutzgesetz ist die Entnahme eines nicht eingenisteten Embryos aus der Gebärmutter strafbar. Es wird nicht unterschieden, ob die Entnahme mechanisch oder chemisch erfolgt. Die Schutzbestimmung wendet sich nicht gegen                         Leihmutterschaften, denn diese sind kein „nicht seiner Erhaltung dienender Zweck“, sondern beabsichtigen gerade die Erhaltung des Embryos. Wissenschaftliche Experimente sind jedoch solche verbotenen Zwecke. Wenn nun die Vernichtung des Embryos sogar völlig ohne einen forschungsrelevanten Zweck geschieht, wie bei der Anti-Baby-Pille, fällt diese dann nicht auch unter dieses Verbot?

Frau Schwarzer, fangen Sie schon mal an! Auf ein Neues, Frauenbewegung tut bald wieder Not!

2 Comments

  1. bitte keine Berichte von der männerhassenden bildblogenden Hetzerin A.S.
    Die übrigens nicht abgetrieben hat. (wie hätte es auch dazu kommen können?)

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