Gottesknechte bestimmen deutsche Politik, somit ist die Gesellschaft nicht repräsentiert


Quelle: wolfgang-dudda.de

Viele bekennende Christen bestimmen die deutsche Politik
Glaube – Gilt auch für die Politiker in Bund und Land noch, was der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Nikolaus Schneider, in seiner Pfingstbotschaft 2011 einfordert: „Pfingsten heute leben heißt, im Geiste Jesu in den entscheidenden Fragen unseres Lebens und unserer Gesellschaft Partei zu ergreifen, Stellung zu nehmen, für den Frieden und gegen Gewalt und Krieg auf allen Seiten einzustehen“? Zunehmend haben viele Bürger den Eindruck, das das Christliche im politischen und gesellschaftlichen Leben auf dem Rückzug ist. Doch der Blick täuscht, wirft man ihn auf die Politiker dieses Landes.

Von K. Rüdiger DurthEvangelisch.de

Das mehrheitliche Nein der Berliner zu einem verpflichtenden Religionsunterricht an den allgemeinbildenden Schulen, das Pflichtfach Ethik im Land Brandenburg, der Streit um die Straffreiheit von Abtreibung nach Beratung, oder um die embryonale Stammzellforschung sowie um die Präimplantationsdiagnostik haben den Eindruck verstärkt, das Christliche sei auf dem Rückzug, wobei übersehen wird, dass dieser Streit oft quer durch die Kirchen geht.

Und wie das Ungeheuer von Loch Ness taucht immer wieder die Kritik am staatlichen Kirchensteuereinzug auf (an dem der Staat millionenschwer mitverdient) oder an kirchlichen Privilegien wie theologischen Fakultäten, kirchlichen Kindergärten (die sich freilich allein die rheinische Kirche pro Jahr über 50 Millionen Euro kosten lässt), Schulen und Krankenhäusern. Dabei haben sich selbst die Freien Demokraten längst von ihrem Programm freier Kirchen im freien Staat aus den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts verabschiedet, das eine strikte Trennung von Staat und Kirche forderte.

Zurück zur Pfingstbotschaft 2011 des EKD-Ratsvorsitzenden: Viele verantwortliche Politiker bekennen sich offen zu ihrem christlichen Glauben, vom katholischen Bundestagspräsidenten Norbert Lammert bis zur evangelischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (beide CDU). Viele ehemalige Bundespräsidenten waren kirchlich verankert, bis hin zum kirchlichen Amt: Gustav Heinemann war Präses der EKD-Synode, Carl Carsten war bekannt für seinen sonntäglichen Gottesdienstbesuch, Roman Herzog gehörte lange Zeit der Synode der EKD an, Richard von Weizsäcker war Kirchentagspräsident und Mitglied des Rates der EKD, Johannes Rau gehörte viele Jahre der Synode der rheinischen Landeskirche an und Horst Köhler ist regelmäßiger Gottesdienstbesucher und seine Frau Marie-Luise singt im Kirchenchor mit.

So viele Politiker im kirchlichen Nebenamt wie nirgendwo anders

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Die Politiker-Kaste bildet eindeutig ein Paralleluniversum und selbst bei in Zukunft 50 % Konfessionslosen, wird sich die Anzahl der politischen Gottes-Vertreter nicht verringern, solange Ungläubige vor Wahlen nicht auf ihre Interessen aufmerksam machen, bzw. die zur Wahl Stehenden auch damit konfrontieren. Christioten werden zum politischen Engagement erzogen und verpflichtet, auch wenn sie quantitativ nicht relevant sind, ist es die Gruppe, die laut fordert und die Gehör findet, weil ansonsten Stille und damit „Wurschtigkeit“ herrscht.
Auch kein Wunder, dass die Lügen zur Finanzierung kirchlicher Aktivitäten immer und immer wieder gebetsmühlenartig aufs Tablett kommen.

2 Comments

  1. Es ist offensichtlich, dass lediglich ein kleinerer Teil der Bevölkerung Kenntnis bezüglich des hier aufgezeigten Sachverhaltes hat. Es stellt sich die Frage, weshalb dieses Thema in Wahlkämpfen bisher nicht thematisiert wurde ? Irgendjemand scheint ein großes Interesse daran zu haben, dass diese Fakten nicht publik gemacht werden ! Ich vermute, dass das Thema Kirchenfinanzierung von der Politik deshalb totgeschwiegen wird, weil dies das Ende der verlogenenen christlichen Leitkultur bedeuten würde. Es wäre zudem für die meisten christlichen Politiker gleichbedeutend mit dem Ende ihrer politischen Karriere. Was hindert uns eigentlich daran, dieses Ende zu einer politischen Zielsetzung zu erklären ?

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  2. Die Herrschaften Christen sind im Bundestag überrepräsentiert. Richtig, darauf mal wieder aufmerksam zu machen. Allerdings macht etwa ein Drittel der Abgeordneten keine Angaben zu Religionsnähe oder -Ferne. Das sind wohl die, die unsereinem nahestehen.

    Tja, ist es eine Stärke oder eine Schwäche, aus der persönlichen Stellungnahme zur Religion keine Identität /Weltanschauung zu machen? Einerseits die unbestreitbar vielen schädlichen Wirkungen der Religion. Andererseits das persönliche Zeitbudget. Die preussische Soldaten-Parole „viel Feind, viel Ehr“ ist absolut vorgestrig und unbrauchbar.

    Die Aussage im Text „staatlichen Kirchensteuereinzug auf (an dem der Staat millionenschwer mitverdient)“ ist m.E. in der Sache unzutreffend, völliger Unsinn. Warum behauptet Durth so etwas?

    Laut einer Kurzrecherche ist Durth Pfarrer in Bonn, was in der Quelle „evangelisch.de“ seltsamerweise nicht vermerkt ist.
    http://www.neukirchener.de/Kalender/Wort_fuer_die_Woche/autoren.html

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