Rückkehr zur Gregorianik


Pablo Colino, Quelle: katholisches.info

„Dramatisch, verzweifelt, bedeutungslos“. Maestro Don Pablo Colino nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn er den Gesundheitszustand der heute in den Kirchen praktizierten Musik beschreibt – auch wenn es ihm dann daran liegt, zu präzisieren, dass „es noch eine Möglichkeit gibt, diese gefährliche Tendenz nach unten umzukehren, indem man, ausgehend vom Gregorianischen Choral, das Studium der Musica Sacra und der liturgischen Gesänge potenziert“.

Von Orazio La Roccakath.net

Msgr. Colino ist weltweit als Musiker und Orchesterleiter bekannt. Nach Jahren des Dienstes im Vatikan dirigiert er heute den Chor der Römischen Philharmonie. Eine Autorität also, was religiöse Musik betrifft, die sich seit Jahren darum bemüht, sie von den Schlacken zu „reinigen“, die sie seines Erachtens in Gefahr gebracht haben. „Papst Benedikt XVI. ist der erste, der uns darum bittet und der an diesen Einsatz glaubt“, sagt er. „Viele Male hat mich der Papst ermutigt, weiterzugehen, da die Musica Sacra ein universales, in der echtesten liturgischen Tradition verwurzeltes Erbe ist“.

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1 Comment

  1. Unbestreitbar dürfte sein, dass die Kirchenmusik ein großes Kulturgut darstellt, dessen Wertschätzung weit über die amtlichen Kirchen und die Liturgie hinausreicht, und dies wird ja auch von solchen anerkannt, die diesen fern stehen, wie Dennett oder Dawkins. Was sich in dem Artikel in kath.net, viel mehr aber noch in den Leserkommentaren dokumentiert, kann angesichts seiner (teils musikkundlich aufgeplusterten) Borniertheit den Freund „geistlicher Musik“ nur erstaunen und in dem Verdacht bestätigen, dass speziell die katholische Kirche der Musik im Grunde immer fremd gegenüber stand. Die Kommentatoren beziehen sich reihenweise auf die Petrusbruderschaft, streiten über korrektes Neumenlesen usw. und gehören offenbar wirklich zu denen, die auch musikalisch gerne das Mittelalter zurück hätten. Wo als ein Ausweg aus der Krise der katholischen Kirche (wieder einmal) die Rückkehr zu den gregorianischen Gesängen angepriesen wird, ist intellektuell (und auch musikalisch-künstlerisch) offenbar alles verloren. Alleine schon die Tatsache, dass die Gesänge in der heutigen, pluralen Kultur ganz anders rezipiert werden als zur Zeit ihrer Entstehung und deshalb unmöglich eine Restauration ihres „ursprünglichen Geistes“ bewirken können, sollte zu denken geben. Gregorianische Gesänge haben ja längst den Weg in den allgemeinen Musikkonsum gefunden und werden auch von denen gehört, die mit der katholischen Kirche nichts im Sinn haben. Sie sind also in diesem Sinne auch liturgisch „entwertet“ und damit primär von der Intention des Gläubigen so wie die andere, abgelehnte Musik abhängig. Es handelt sich also letztlich um ein Selbsttäuschungsmanöver.

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