Der evangelische Nicht-Märtyrer


Papst Benedikt XVI. mit einem Gemälde seines inzwischen selig gesprochenen Amtsvorgängers Johannes Paul II. (Bild: AP)

Wegen ihres Widerstands gegen das Hitler-Regime sind die Kapläne Johannes Prassek, Eduard Müller und Hermann Lange hingerichtet worden. Am Samstag wurden sie selig gesprochen. Dem Vierten im Bunde, dem evangelischen Pastor Karl Friedrich Stellbrink, wird diese Ehre nicht zuteil.

Von Michael HollenbachDeutschlandradio Kultur

Der Lübecker Historiker Peter Voswinckel ist überzeugt: wenn man die letzten Briefe von Johannes Prassek, Eduard Müller, Hermann Lange und Karl Friedrich Stellbrink liest, muss man sie wegen ihres Gottvertrauens als Märtyrer bezeichnen. Dieser Begriff wird seit dem 11. September vor allem mit Selbstmordattentätern und deren Verherrlichung durch radikale Muslime assoziiert. Hamburgs Erzbischof Werner Thissen erklärt die Bedeutung des Märtyrers im Christentum:

„Ein Märtyrer kann keine Gewalt anwenden, wo Gewalt angewandt wird, dann können wir nicht von Martyrium sprechen. Ein christlicher Märtyrer, der will auch nicht sterben, der will leben. Aber wichtiger als sein Leben ist Gott und das Sich-Verhalten nach den Geboten Gottes.“

Doch ein Pfarrer wie Karl Friedrich Stellbrink hat sich nicht immer nach den Geboten Gottes verhalten. Der evangelische Theologe war lange ein glühender Nationalsozialist, der völkisch-rassistische Positionen vertrat. Kann so jemand ein Märtyrer sein, kann er als Vorbild dienen? Der frühere Lübecker Bischof Karl Ludwig Kohlwage:

weiterlesen