Williamson: „Holocaust-Leugner“ will nicht freigesprochen werden


Bischof und Holocaust-Leugner Richard Williamson (Bild: AP)

Am kommenden Montag steht der als Holocaust-Leugner bekannt gewordene Pius-Bruder Richard Williamson in Regensburg wegen seiner Äußerungen zum Judenmord vor Gericht. Um Freispruch gehe es Williamson dabei nicht, sagt Günther Bernd Ginzel, sondern um das Recht, den Holocaust anzuzweifeln.

Günther Bernd Ginzel im Gespräch mit Katrin HeiseDeutschlandradio Kultur

Katrin Heise: In erster Instanz war Bischof Richard Williamson wegen Leugnung des Holocausts vom Amtsgericht Regensburg zu einer Geldstrafe von 10.000 Euro verurteilt worden. Am kommenden Montag steht Richard Williamson erneut vor Gericht in Regensburg, dann ist die Revisionsverhandlung vom Landgericht anhängig. Williamson beharrt auf der Holocaustleugnung und baut sich mehr und mehr zur Ikone des europäischen Rechtsextremismus auf. In der Neonaziszene wird er als Heldenbischof gefeiert. Der scharfe Antisemitismus von Williamson und seine Anhängerschaft geht auch in der erzkonservativen traditionalistischen Piusbruderschaft Vielen, sehr Vielen, zu weit, zumal sie in aller Ruhe am kommenden Wochenende eine Priesterweihe durchführen möchten. Günther Bernd Ginzel ist freier Journalist und hat im Februar dieses Jahres einen Film über die Piusbruderschaft gedreht. Ich grüße Sie, Herr Ginzel!

Günther Bernd Ginzel: Hallo, guten Tag! – Gedreht im vergangenen Jahr, ausgestrahlt im Januar, ja!

Heise: Ausgestrahlt, Entschuldigung! – Herr Ginzel, am Montag nächster Woche wird in Regensburg der Prozess gegen Williamson neu aufgerollt. Übrigens vor diesem Gericht, weil er damals in Niederbayern eben einer schwedischen Zeitung dieses umstrittene Interview gegeben hatte. Williamson wollte die gegen ihn verhängte Geldstrafe ja nicht akzeptieren. Mit welcher Strategie geht er denn jetzt in die neue Verhandlung?

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7 Comments

  1. Schlimm an der Sache ist, dass der verantwortliche Papst, der diesen sog. Bischof rehabilitiert hat nun sogar im Bundestag reden darf. Offensichtlich hat Ratzinger bei der Hitlerjugend doch eine Färbung bekommen. Und unsere gewählten Volksvertreter sind auch noch stolz darauf, dass dieser Mann aus Deutschland kommt. Welch eine Schande für dieses Land.

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  2. @ Karsten: Zustimmung. Ich behaupte auch nicht, dass das alles perfekt umgesetzt wird; bin ja auch kein Jurist. Habe mir das aber so erklären lassen, dass es gängige juristische Praxis ist Rechtsgüter abzuwägen. Die von dir angeführten Beispiele gehören meiner Meinung nach auch sanktioniert. Bildung ist selbstverständlich die Voraussetzung für Abwägungen jeglicher Art. Sinngemäß muss ich hier aber ein Zitat bringen, von dem ich nicht mehr weiss wer es gesagt hat: „Bildung ist in unserem Land frei, jedoch für viele umsonst.“

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  3. @ Joe:
    Wenn du anfängst die Konsequenzen abzuwägen, fallen mir direkt dutzende Aussagen ein, die nach deiner Argumentation verboten werden müssten, weil sie ganz real Schaden anrichten.
    „Gott hasst Homosexuelle“ ist pure Volksverhetzung, die nicht nur in dritte Welt Ländern das Leben der Homosexuellen bedroht.
    „Homöopathie heilt“ kann medizinische Behandlung verhindern.
    ….
    Hier helfen meiner Meinung nach keine Verbote, sondern nur Bildung!

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  4. @ stefan:

    Grundsätzlich finde ich es wichtig, dass man alles anzweifeln darf. Nur diese Art der „Meinungsäußerung“ ist wohl noch etwas vertrackter. Hier wird erstens nicht wissenschaftlich gearbeitet, und zweitens: die Stoßrichtung in die besagte Holocaustleugnung zielt, führt ironischerweise dann noch dazu, dass die Typen im „rechten“ Lager Lust bekommen „die“ Juden für ihre vermeintlichen „Lügen“ bezahlen zu lassen. Man spricht hier auch von Volksverhetzung. Und daher muss man die Konsequenzen einer „Meinungsäußerung“ gegen das Recht auf vermeintlich freie Meinungsäußerung abwägen. Eine Morddrohung ist beispielsweise auch keine einfache Meinungsäußerung. Oder üble Nachrede.

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  5. Ich verachte diesen Mann auch. Ebenso verachte ich die Aussagen, die er tätigt.

    Ich halte den deutschen Weg der Strafbarkeit einer Meinungsäußerung jedoch für völlig verfehlt und antidemokratisch und somit kann ich seiner Aussage in diesem Fall nicht sehr viel kritik entgegen bringen.

    Jeder darf soviel Arschloch sein wie er will – solange er mit dem gesellschaftlichen Gegenwind klar kommt. Als Bishof hat er in diesem Punkt natürlich einen gewissen Vorteil gegenüber anderen Menschen. Bischöfe dürfen nunmal meist ungestraft dummes Zeug erzählen.

    Sie DAFÜR einzubuchten finde ich jedoch armseelig.

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  6. Gott, der Herr, hat diesen Holocaust-Leugner offenbar nicht mit Weisheit gesegnet. Er suhlt sich somit weiterhin lustvoll in der braunen Scheisse. Kein Wunder, dass bei dieser Veranlagung ein katholische Pfaffe aus ihm geworden ist.

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  7. Hakenkreutz und Xtenkreutz haben schon damals gut zusammengepasst. Nur gut, dass das Tausenjährige Raich bereits im 988. Jahr begonnen hat, sonst wäre die Welt menschenfrei. Und ich würde diesen Text jetzt nicht schreiben.

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