Seelsorge und Psychiatrie


Seelsorge kann Hoffnung geben, auch bei psychisch kranken Menschen, die nach Beistand suchen. Foto: Dee*/photocase

Pfarrer Werner Jahn ist seit über sechs Jahren als evangelischer Seelsorger am Zentrum für Psychiatrie Emmendingen in Baden-Württemberg tätig. Viele psychisch Erkrankte suchen ihn auf, weil sie drängende Fragen haben. Jahn hat dabei das Gefühl, in Emmendingen „richtig am Platz“ zu sein – obwohl er eine Tätigkeit wahrnimmt, die ihn mit schweren Schicksalen konfrontiert.

Die Fragen stellte Marijana Babicevangelisch.de

Wie sind Sie dazu gekommen, Seelsorger in einem Zentrum für Psychiatrie zu werden?

Werner Jahn: Ich wollte schon immer eine seelsorgerisch spezielle Tätigkeit machen und habe auch die Ausbildung als Pastoralpsychologe gemacht, was mit ausschlaggebend dafür war, dass ich diese Stelle hier bekommen haben. Die Stelle war fast schon eine Fügung.

Bekommen Sie viele Anfragen von Patienten?

Jahn: Relativ oft, ja, weil die Ärzte und Therapeuten nicht genug Zeit haben und auf Glaubensfragen auch keine Antworten geben können. Zu wenig Zeit, das wiederum liegt an unserem Krankenkassensystem. Unser psychiatrisches System ist nicht in Ordnung. Patienten kommen, sind ein paar Wochen da, und kommen zwei, drei Monate später wieder, weil die Probleme eben nicht aufgearbeitet wurden. Meist kommen Patienten mit Glaubensfragen zu mir. Wenn sie ernsthaft krank werden, stellen sie sich die Frage nach Gott. Die meisten haben Probleme mit dem Glauben. Dabei sind es manchmal fünf Patienten am Tag, manchmal fünf in der Woche.

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2 Comments

  1. Psychiatrische Seelsorge bedient gerne mal religiöse Wahnideen, was sich – Überraschung – meist als wenig hilfreich erweist . Was sich da so in der Nachsorge tummelt … insbesondere in Internetforen … ist mitunter echt von Übelsten. Von Pfaffen und Scientology bis hin zu Astrologen Homöopathievertretern versuchen ist alles vertreten, um neue (und zahlende) Kundschaft einzusammeln.

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  2. Allein schon an den Schilderungen dieses Pfarrers wird erkennbar, welche falschen Fragestellungen und irrigen Vermutungen sich aufgrund einer religiösen Erziehung bei Psychiatrie-Patienten ergeben können. Die Feststellung, dass die meisten Patienten mit Glaubensfragen auf den Pfarrer zukommen, unterstreicht diese Erkenntnis. Der gute Mann ist dann nämlich gezwungen, mit den Patienten über fiktive, völlig haltlose und nicht zu beweisende Glaubensannahmen zu reden. Dabei kann dann aber logischerweise nur eine ebenso fiktive wie irreale selbstbetrügerische Antwort als Ergebnis herauskommen. Und so verhindert ein religiotischer Ballast, dass für die tatsächlichen Ursachen und Probleme von Psychiatrie-Patienten keine wirklich sinnvolle und hilfreiche Gesprächstherapie möglich ist. Wer falsche Fragen stellt, kann leider keine richtigen und hilfreichen Antworten erwarten. Das endet samt und sonders im Selbstbetrug.

    Kranken Menschen aus sich heraus gewachsene mentale Stärke – zur Bekämpfung depressiver Zustände – ohne nutzlose religiöse Krüken vermitteln zu wollen, ist nun mal auf der Basis einer zutiefst verlogenen Religionsmystik nicht möglich. Religion und der anerzogene Gottglaube bewirken bestenfalls einen vagen Placeboeffekt, der letztlich aber keine echte Heilung darstellt, weil da der Selbstbetrug mit im Spiele ist.

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