Gott und die Welt: Aufklärung erwünscht


Micha Brumlik, Quelle: Uni Heidelberg

Wenn es um den Kampf gegen Fehlentwicklungen in Staat und Gesellschaft geht, will sich der Deutsche Evangelische Kirchentag von niemandem übertreffen lassen.

Von Micha Brumlik taz

Nach dem Dresdner Kirchentag hatte die Direktorin der Amadeu Antonio Stiftung, Annetta Kahane, in einer bitter klingenden Kolumne der Berliner Zeitung moniert, dass zu einer Kirchentagsveranstaltung zum deutschen Rechtsextremismus noch nicht einmal genug Menschen gekommen waren, um eine entsprechende Resolution zu verabschieden. Auf der Veranstaltung selbst hatte Kahane religionssoziologische Forschungen präsentiert, nach denen rechtsextreme Haltungen unter Mitgliedern religiöser Gemeinschaften häufiger verbreitet seien als unter Konfessionslosen. Ihre weitere Bemerkung, dass in den Dresdner Kirchen eine Gleichsetzung des „Opferstolzes“ der Dresdner Bevölkerung mit dem Opferbewusstsein Überlebender der Schoah vorgenommen werde, brachte das Fass zum Überlaufen.

Nicht nur wandten sich die Präsidentin des DEKT, die grüne Bundestagsabgeordnete Katrin Göring-Eckhardt, und ihre Generalsekretärin, Ellen Überschär, in einem geharnischten Leserbrief an die Berliner Zeitung, nein, dem Vernehmen nach – es handelt sich nur um ein unbestätigtes Gerücht ! – soll sich der zwar nicht evangelische, aber dem Kirchentag verbundene Bundestagsvizepräsident Thierse bitter über Kahanes Kolumne beschwert und behauptet haben, sie hätte mit ihrer Behauptung unzählige Christenmenschen beleidigt. Si non e vero, e bene trovato!(Wenn es nicht wahr ist, ist es doch gut erfunden.[Giordano Bruno])

weiterlesen