Sigmar Gabriel: Dodo des Monats Juni 2011


Dodo des Monat Juni 2011

Sigmar Gabriel hat gewonnen. Der Vorsitzende der asozialdemokratischen Partei ging  mit einem glasklarem Vorsprung durchs Ziel.

Die SPD, die mittlerweile älteste demokratische Kraft in Deutschland auf dem Weg zur Exoten-Partei. Während Helmut Schmidt das atheistische Weltbild seiner Ehefrau belächelte, selbst aber auch als durchaus areligiös bezeichnet werden kann, rennen die Sozis dem Christuskreuz hinterher, als würden sie glauben, dass er ihnen bessere Wahlergebnisse beschaffen könnte. Diese Irrationalität finden wir in sozialdemokratischer Politik und im undemokratischen Verhalten beim Umgang mit gottlosen, ungläubigen Genossen in den eigenen Reihen.

Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands mit einer klaren und eindeutigen Sprache, Religion ist Privatsache. Progressiv und modern, die mittlerweile in die Jahre gekommene Partei. Die Kirchen hatten klare Feindbilder, wenn es um die Sozialdemokratie ging und vice versa. Christen in der damaligen SPD haben ihre Religion entweder als Privatsache gelebt oder sie haben schlichtweg keinen Einfluss auf die  programmatische Arbeit der Partei gehabt.

Nachkriegsdeutschland (West) kam unter das Kuratel des rheinländischen Katholizismus. Nachkriegsdeutschland (Ost) träumte, von Seiten der Sozialdemokratie den Traum der Überwindung der Spaltung der deutschen Arbeiterbewegung, es sollte ein Alptraum werden. Mit der Vereinigung von Sozialdemokraten und Kommunisten im Osten Deutschlands war die Sozialdemokratie dort offiziell zu Ende.

Der rheinländische Katholizismus, älter als das Christentum, zwang die Sozialdemokratie zum Umdenken. Rigoros. Sie wendete sich hin zur sozialen Marktwirtschaft und öffnete sich den christlichen Glaubensinhalten. Die Gesamtdeutsche Volkspartei löste sich auf. Evangelisch geprägt kamen von dort Neuzugänge in die SPD, die Inhalte wesentlich gestalten sollten. Gustav Heinemann, Erhard Eppler und Johannes Rau brachten jede Menge Irrationalität in die Reihen der Sozis.

Die Leiden und die Kämpfe der Sozialdemokraten wurden mystifiziert, benutzt um sich gegenseitig das Heldentum der alten Genossen zu versichern, nach Gebrauch wurde es wieder ins Archiv verbannt.

Endlich im Jahre 94 sozialdemokratischer Zählung durfte Jesus Mitglied der SPD werden. Wahrlich einer SPD die nur noch dem Namen nach jener Partei entsprach, die Lasalle, Bebel und Liebknecht dereinst gegründet hatten. Die SPD korrumpierte sich selbst. Am deutlichsten ist das im Godesberger Programm von 1959 zu finden:

Der demokratische Sozialismus, der in Europa in christlicher Ethik, im Humanismus und in der klassischen Philosophie verwurzelt ist, will keine letzten Wahrheiten verkünden – nicht aus Verständnislosigkeit und nicht aus Gleichgültigkeit gegenüber den Weltanschauungen oder religiösen Wahrheiten, sondern aus der Achtung vor den Glaubensentscheidungen des Menschen, über deren Inhalte weder eine politische Partei noch der Staat zu bestimmen haben.

[…]

Die Sozialdemokratische Partei achtet die Kirchen und die Religionsgemeinschaften, ihren besonderen Auftrag und ihre Eigenständigkeit. Sie bejaht ihren öffentlich-rechtlichen Schutz.

[…]

Zur Zusammenarbeit mit den Kirchen und Religionsgemeinschaften im Sinne einer freien Partnerschaft ist sie stets bereit. Sie begrüßt es, dass Menschen aus ihrer religiösen Bindung heraus eine Verpflichtung zum sozialen Handeln und zur Verantwortung in der Gesellschaft bejahen.

[…]

Freiheit des Denkens, des Glaubens und des Gewissens und Freiheit der Verkündigung sind zu sichern. Eine religiöse oder weltanschauliche Verkündigung darf nicht parteipolitisch oder zu antidemokratischen Zwecken missbraucht werden.

Das ganze kann man dann sozialdemokratische Spiritualität und Transzendenz nennen. Moderne parteipolitische Fortschrittlichkeit wurde dem Willen zur Macht geopfert. Mit dem Godesberger Programm feierte die SPD wahre Triumphe politischer Macht. Lichtgestalten, wie Willy Brandt und Helmut Schmidt, ließen  die sich langsam entwickelnde Zyanose der Sozialdemokraten nicht sichtbar werden. Aus einem leckeren Rotwein wurde saurer Essig, Hartz IV ist nur ein Höhepunkt sozialdemokratischer Essigwerdung.

Unter den ungläubigen Genossen der Partei regte sich der Unmut. Ein Arbeitskreis der Laizisten in der SPD gründete sich. Ziel dieses Arbeitskreises: die strikte Trennung von Staat und Religion. Sofort wurde die asozialdemokratische Äbtissin Nahles tätig, den Laiszisten wurde die Verwendung der IT-Infrastruktur der Partei untersagt, ebenso wie das Benutzen des Partei-Logos. Einstimmig wurde im Parteivorstand den Laizisten der Arbeitskreis untersagt. Partei-Buddha Gabriel verteidigt nun  die katholischen Positionen des Griesgrams Thierse. Der manchmal ob seiner Haarpracht eher an einen Taliban erinnert, denn an  einen Spitzenpolitiker.

Gabriel schwadroniert nun über kirchliche Bindungen, die er dem Grundgesetz der BRD entnommen haben will. Den atheistischen, weltanschaulich neutralen Genossen spricht er dieses Recht ab. Die asozialdemokratische Domestizierung der renitenten Genossen zeigt bereits Erfolge. Mit Rücksicht auf die politische Stellung des Katholiken Thierse ist man bereit laizistische Positionen zu verwässern. Leute wie Schwanitz lässt man im Regen stehen, weil er sich gegen eine Rede des letzten Diktators Europas, im Deutschen Bundestag, stellt. Die Medien verdrehen Informationen, Gabriel schweigt. Und so wird wohl der laizistische Selbstversuch einiger SPD-Genossen in der Vergessenheit verschwinden. Dafür möchte man Sigmar Gabriel ein Kruzifix auf den Arsch nageln, andererseits hab ich mich an diese spezielle sozialdemokratische Charakterlosigkeit gewöhnt. Inkonsequent, einem religionstheoretischem Pluralismus verfallen, wird schließlich die gesamte SPD im Orkus der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Leute wie Gabriel sind die Katalysatoren dieses Prozesses.

Gabriel beschwört die Gemeinsamkeiten des Christentums, insbesondere im sozialen Bereich. Da bleibt die Frage offen, wie er denn als Vorsitzender der SPD soziale Programmatik realisieren will? Offensichtlich soll Christus da etwas tun, ist ja auch einfacher.

Sigmar Gabriel

Es gibt mehr Gemeinsamkeiten zwischen den Konfessionen, als viele Menschen wahrnehmen. Denken Sie nur an das gemeinsame Sozialwort von 1997, das an Aktualität nichts verloren hat. Ich würde mir wünschen, dass es mit einem großen Donnerhall wieder Gehör findet in der Politik. Wie die beiden Kirchen enger zusammenarbeiten wollen, müssen sie miteinander klären. Für Durchschnittschristen wie mich ist beispielsweise der theologische Streit um das gemeinsame Abendmahl kaum nachvollziehbar.

Herr Gabriel, um Missverständnisse auszuschließen, Sie können von mir aus an Steine glauben, solange sie diese nicht nach mir werfen, Sie können mit einem Hajj-Cap, einer Flasche Bier und dem Playboy am Neptun-Brunnen sitzen und es sich wohl sein lassen. Stört mich alles nicht. Ich finde es jedoch höchst bedenklich wenn sich Religion politisch manifestiert. Das gefährdet unsere Demokratie, unsere Kultur und unsere Gesellschaft.

2009, nach der Bundestagswahl schrieben Sie in einem Antwortbrief an Genossen Ihrer Partei: „Unsere SPD befindet sich in einem katastrophalen Zustand“. Völlig richtig, mit Ihnen und mit Gott ist dieser Zustand zwei Jahre später weitaus schlimmer geworden. Die SPD ist ein Desaster, wie göttlich.

Herr Gabriel, zum Gewinn der kotztütenblauen Dronte meinen herzlichen Glückwunsch, verbunden mit der Hoffnung etwas Anregung im Denken geschaffen zu haben. Warum nur hab ich da meine Zweifel?

4 Comments

  1. Ja das ist vollkommen richtig, diesen Preis hat er sich wirklich verdient der Siegmar, aber wir sollten wirlich nicht ungerecht sein es gibt noch viele hochqualifizierte Anwärter in der Parteispitze die sich mit Katzbuckeln und Einschleimen ( früher sagte Mann Arschkriechen) bei den Amtskirchen Lieb-Kind machen. Wobei ich natürlich ehrlich feststellen muß gegen die hochdotierten Voll-Profis wie Bischof Meissner, Bischof Müller, Bischof Zollitsch u.s.w. sind sie alle nur Windbeutel.

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  2. Mein Favorit, Gabriel, hat erwartungsgemäß gewonnen ! „Ehren-Dodos“ würde ich allerdings zu gerne auch den SPD-Reli-Aktivisten Thierse und Nahles verpassen. Auch die grünen Politikerin Göring-Eckhardt müßte längst über eine umfassende Sammlung von „Dodos“ verfügen.

    Es gibt mehr als nur einen Moment in meinem Leben, wo ich mir wünschte, dass der Thierse und die Göring-Eckhardt hinter der DDR-Mauer verblieben wären ! Seitdem nämlich ehemalige DDR-Religioten in der Politik mitmischen, ist die Trennung von Politik und Religion mehr und mehr unterlaufen worden. Unsere Bundeskanzlerin ist ein beredtes Beispiel für diese Feststellung. In meiner Erinnerung hat die Religion vor dem Fall der Mauer in der bundesdeutschen Politik nicht annähernd eine solch dominante Rolle gespielt, wie dies heutzutage der Fall ist. Ich bin nun wirklich kein Gegner der deutschen Wiedervereinigung, aber auf einige der „geerbten“ Neubürger hätte ich liebend gerne verzichtet.

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  3. Zum Glück gibt es noch SPD – Politiker die anderst geartet sind als der Herr Gabriel oder ein Herr Thierse, nicht zu vergessen auch der MP von Rheinland-Pfalz. Ob der S. Gabriel den DODO zu schätzen weiss? 😉 Egal, verdient hat er ihn sich wirklich. Den mutigen in der SPD, aber auch Politikern aller anderer Parteien, welche sich beherzt für den Laizismus in unserem Land einsetzen, gelten meine Hochachtung und meine Erfolgswünsche.

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  4. Den Pessimismus teile ich nicht ganz. Es gibt Chancen – und natürlich auch eine Berechtigung – für den Laizismus in der SPD. Die laizistische Gruppierung befindet sich noch im Aufbau. Neben der ablehnenden Haltung der kirchenverseuchten Parteispitze gibt es durchaus positive Signale von Mitgliedern und sozialdemokratischen Sympathisanten. Ebenso beginnen Medien und Interessengruppen erst jetzt, im Zuge von Kirchentags-Berichterstattung und RatzeBene-Besuch das Thema aufzugreifen.
    Da kommt noch was. (Hoffentlich.)

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