PID: Aber 260 gegen Rechtsstaatlichkeit und Menschlichkeit


Von der Leyen/CDU: pro PID - Nahles/SPD: contra Quelle: emma.de

Auch in Deutschland dürfen Mütter, die künstlich befruchten, unter bestimmten Kriterien das 0,1 Millimeter große befruchtete Ei vor der Implantation auf schwere Behinderungen untersuchen lassen – unter der Bedingung, dass die Eltern eine genetische Veranlagung zu einer schwerwiegenden Erbkrankheit haben oder eine Tod- bzw. Fehlgeburt wahrscheinlich ist. Von 620 Abgeordneten waren 326 für das Recht auf die PID – aber 260 waren dagegen (und 34 haben sich enthalten bzw. nicht abgestimmt). Das ist die gute Nachricht. Die schlechte Nachricht ist: Bei dieser Abstimmung – die fern von Rechtsstaatlichkeit und Demokratie war, sondern eine reine Frage christlicher Überzeugung – waren Abgeordnete und auch SpitzenpolitikerInnen ALLER Parteien gegen das Recht auf die PID. Und damit für den staatlichen Zwang, ein schwer behindertes oder totes Kind zur Welt zu bringen, obwohl die moderne Medizin dies verhindern könnte. Auch die Kanzlerin ist unter den PID-GegnerInnen.

Von Alice SchwarzerEMMAonline

 

 

Bei der CDU/CSU haben von insgesamt 237 genau 154 gegen das Menschenrecht auf PID gestimmt. Darunter, neben Angela Merkel, auch die Ministerinnen Schavan, Aigner und Böhmer sowie Minister Röttgen. Nun könnten alle bewussten Frauen und alle aufgeklärten Menschen sich sagen: Okay, wählen wir also die Anderen, die SPD oder die Grünen zum Beispiel. Aber da sind keine Anderen. Der Versuch, christliche Überzeugungen via Gesetz allen BürgerInnen dieses Landes aufzuzwingen, ist längst kein Patent der Christlichen mehr, sondern geht quer durch alle Parteien.

So haben bei der SPD von insgesamt 146 Abgeordneten zwar „nur“ 36 gegen das Recht auf PID gestimmt, darunter jedoch nicht nur die üblich verdächtige Andrea Nahles, sondern auch der Parteivorsitzende Sigmar Gabriel, die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF) Elke Ferner, sowie die einst als Parteilinke, wenn nicht gar Feministin geführten Ex-Ministerinnen Ulla Schmidt und Heidemarie Wieczorek-Zeul!

Den relativ höchsten Anteil der PID-GegnerInnen aber haben, neben den Konservativen, die Grünen. Da sind knapp zwei Drittel, 41 von 68, für ein PID-Verbot! Genauer: Nur 27 sind für das Recht auf PID, 36 dagegen und 5 haben sich enthalten bzw. nicht abgestimmt. Unter den PID-Gegnern sind, neben der einschlägig verdächtigen Katrin Göring-Eckardt, auch die Fraktionsvorsitzende Renate Künast und die Parteivorsitzende Claudia Roth, sowie Bärbel Höhn und Volker Beck. Es ist kaum zu fassen!

Und, eine echte Überraschung: Auch bei der Linken ist die Hälfte für ein PID-Verbot! Von insgesamt 76 Abgeordneten sind 29 für ein Verbot (plus 8 Enthaltungen bzw. Nicht-Abstimmer), darunter die als ganz besonders links geltende Frauen Luc Jochimsen und Ulla Jelpke.

weiterlesen

Im ZDF Parlameter kann eingesehen werden, wie jeder Abgeordnete abgestimmt hat.

4 Comments

  1. „Was sind bitte „Religioten“? “

    Ich reibe mir gerade die Schläfen. Also Religioten sind Leute, die entweder aus geistigem Unvermögen und/oder Bequemlichkeit an religiösen Vorstellungen festhalten, die einer argumentativ gut begründeten Kritik nicht standhalten.

    „Also es mag vielleicht stimmen, dass die Parteien sich immer mehr annähern (obwohl wenn wir in die USofA schauen, sehen wir eher eine Spaltung). “

    Wussten sie, dass Ossobuco ein überaus delikates Gericht aus der traditionellen milanesischen Küche ist? Warum ich das hier erwähne? Weil es genauso die politische Realität in der BRD beschreibt wie ein Hinweis auf die Parteienlandschaft in den USA.

    „Und wer Thierse, Nahles und Gabriel als Feinde des Laizismus verurteilt, sollte man lieber in die Geschichte der SPD schauen.“

    Nickpol hat dazu schon passendes geschrieben. Erst informieren DANN schreiben.

    „Diese Wissenschaftsdogmatik ist wirklich lächerlich.“

    Welche Wissenschaftsdogmatik? Behauptungen BITTTE BITTTE durch konkrete Zitate belegen!

    „Vor allem wenn sie dann dazu führt, dass man die rechtsliberale FDP unterstützt, der sonst eigentlich alles egal ist.“

    Was hat denn das jetzt wieder mit Dogmatik zu tun? Und warum hängt das eine mit dem anderen zusammen?

    „Zumal die Politik (Sowohl auf SPD, als auch auf Konservativer Seite) noch viel stärker von Religion bestimmt war.“

    Bestreitet das irgendwer?

    „Ihr Feindbild ist einfach antiquiert.“

    Hallo? Gibt es dafür Belege? Leben wir jetzt in einer aufgeklärten Gesellschaft, oder was? Gibt es philosophische Wunder?

    „Schade eigentlich, weil in der Sache hat die wissenschaftliche Position Recht.“

    Danke für das Zugeständnis. 😉

    Liken

  2. Was sind bitte „Religioten“? Also es mag vielleicht stimmen, dass die Parteien sich immer mehr annähern (obwohl wenn wir in die USofA schauen, sehen wir eher eine Spaltung). Und wer Thierse, Nahles und Gabriel als Feinde des Laizismus verurteilt, sollte man lieber in die Geschichte der SPD schauen. Diese Wissenschaftsdogmatik ist wirklich lächerlich. Vor allem wenn sie dann dazu führt, dass man die rechtsliberale FDP unterstützt, der sonst eigentlich alles egal ist.

    Zumal die Politik (Sowohl auf SPD, als auch auf Konservativer Seite) noch viel stärker von Religion bestimmt war. Ihr Feindbild ist einfach antiquiert. Schade eigentlich, weil in der Sache hat die wissenschaftliche Position Recht.

    Liken

    1. Stammzellenforscherin

      Und wer Thierse, Nahles und Gabriel als Feinde des Laizismus verurteilt, sollte man lieber in die Geschichte der SPD schauen

      Selbst gucken und sich mit der Geschichte der SPD mal befassen. Bis zum Godesberger Programm war die Partei areligiös. Danach haben sie sich das Christuskreuz in die Fahne gepinnt. Mittlerweile ist die SPD eine Partei aus dem 19. Jahrhundert, die nicht Willens ist sich zu ändern. Dank Gabriel, Nahles ,Thierse und Co. Liebknecht, Lasalle und Bebel würden sich im Grabe drehen, angesichts dieser Parteinulpen.

      Liken

  3. Angesichts der hier dargestellten Abstimmungsergebnisse braucht man sich über die stetig um sich greifende Wahlmüdigkeit und Politikverdrossenheit einer großen Zahl der Wahlbürger nicht zu wundern. Jahrelang habe ich mich bemüht, wahlmüde Freunde, Bekannte und Verwandte zur Teilnahme an Wahlen zu animieren. Inzwischen hätte ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich dieses Bemühen auch weiterhin an den Tag legen würde. Die Unterscheidungsmerkmale der Parteien haben sich sukzessive mehr und mehr verwischt. Eine der Ursachen ist der in den letzten Jahren zunehmende Einfluß der Religioten auf die Tagespolitik. Dieser polarisierende Einfluß bekommt der Politik leider nicht gut.

    Wenn ich SPD wählen soll, möchte ich mit meiner Stimme nicht den militanten Katholibanesen Thierse und Nahles und dem Evangeloten und Laizisten-Feind Gabriel zu einem Mandat verhelfen. Entscheide ich mich aber für die CDU, verhelfe ich Frau Merkel in ein Amt, in welchem ich sie allein deshalb nicht gerne sehe, weil sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit von der „christlichen Leitkultur“ faselt. Aber auch bei den Grünen tummeln sich diverse Religioten wie z.B. die Göring-Eckhardt. Hinzu kommt bei den Grünen deren Präferenz für die bescheuerte Homöopathie, die Pseudowissenschaft Anthroposophie und deren Hang zur Esoterik. Zu meinem maßlosen Erstaunen bleibt da nur noch die FDP übrig, deren politische Repräsentanten zumindest ihre private Meinung zur Religion (weitgehend) zu Hause gelassen haben. (Über die Linke erspare ich mir eine Wertung. Deren Historie ist mir immer noch viel zu supekt.)

    Wie einfach war es da noch vor einigen Jahren – als die Politiker Politik und Religion noch weitgehend zu trennen vermochten – sich als Wähler für eine klar ersichtliche, eindeutige politische Richtung zu entscheiden. Heutzutage wählt man ja mit jeder Stimme, die man für eine der Bundestagsparteien abgibt, automatisch mindestens 50 Prozent oder gar mehr Religioten mit.

    Liken

Kommentare sind geschlossen.