Der inner-katholische Dialog – eine reine Farce


Quelle: katholisch.de

Angst vor heißen Eisen
In ihrem in Mannheim angestoßenen „Gesprächsprozess“ wollen die Bischöfe alles zur Sprache bringen, was Katholiken im Innersten bewegt. Doch eine zunehmende Lagerbildung verhindert den echten Dialog

Von Gernot FaciusWelt-online

Es ist ein Zeichen von Ehrlichkeit, dass die katholischen Bischöfe jetzt sparsamer mit der Vokabel „Dialog“ umgehen. Mit „Gesprächsprozess“ ist das Nachdenken über die Zukunft der Kirche in Deutschland, die noch immer unter den Missbrauchsaffären leidet, präziser und korrekter beschrieben. Denn von einem „Dialog“ kann, muss man Ergebnisse, verbindliche Aussagen erwarten. Doch was am vergangenen Wochenende in Mannheim eingeleitet wurde, wird so schnell keine von allen akzeptierte Resultate hervorbringen, es ist Meilen von dem entfernt, was zum Beispiel als gemeinsame Synode der Bistümer (1971-1975), als „deutsches Konzil“, in die jüngere Kirchengeschichte eingegangen ist. Damals zehrte man noch von der Aufbruchstimmung nach dem Zweiten Vatikanum. In der Synodenaula wurde offen und temperamentvoll debattiert, man verabschiedete Dokumente über die Laienmitverantwortung, die Ökumene, die Liturgiereform, um nur einige zu erwähnen – und man befürwortete das Diakonat der Frau: als Votum an Rom. Damals schon wurde die Empfehlung ausgesprochen, bewährte verheiratete Männer (viri probati) zum Priesteramt zuzulassen.

Mannheim und die darauf folgenden Phasen des Gesprächsprozesses haben keinen Beschlusscharakter. Es soll, sagte der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck, einer aus der aufstrebenden jungen konservativen Garde des Episkopats, theologisch verantwortbar und in geistlicher Redlichkeit all das zur Sprache gebracht werden, was Katholiken im Innersten bewegt, „auch wenn uns im Blick auf verbindliche Beschlüsse Grenzen gesetzt sind“. Mit diesem Einschub wird angedeutet, dass die bekannten heißen Eisen – Lockerung des Zölibats, Priestertum der Frau, Änderung der Sexualmoral – nach Möglichkeit vor der Tür des Gesprächsforums bleiben sollen. Die Zustimmung der zaudernden Mitglieder der Bischofskonferenz zu dem von Erzbischof Robert Zollitsch angestoßenen Projekt war nur um den Preis eines „geistlichen“ Prozesses, eingebettet in Gebet und Gottesdienst, zu haben.

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Auch wenn es in der Masse der Medien-Berichte zum Thema um Zufriedenheit mit dem Ergebnis der ersten Dialog-Veranstaltung ging, kann man diese Äußerungen absolut nicht ernst nehmen, denn obiger Artikel wie auch folgende  schildern genau die Hintergründe und unüberwindbaren Differenzen, die wir ständig thematisieren.

Warum hassen diese Katholiken die Kirche?

Kardinal Ratzinger zur Frage der Frauenordination:

[…]Aussagen wie „Ich leide als Frau an der Machtfrage“ oder die Rede von der „Machtlosigkeit der Frau in einer männerregierten Kirche“, wie diese zu Beginn des „Dialogprozesses in Mannheim gefallen sind (kath.net berichtete) führen den Kardinal zur Notwendigkeit der Frage, was das Priestertum denn nun wirklich sei: „Gibt es das Sakrament oder soll es nur eine gleitende Führung geben, in der niemandem ein dauerhafter Zutritt zur ‚Macht’ gestattet wird?“ 1996 meinte Kardinal Ratzinger, dass sich in diesem Sinn vielleicht auch die Diskussion im Lauf der nächsten Zeit etwas ändern werde. Es stellt sich nun erneut die Frage, inwieweit dies eingetreten ist.

Aus: Joseph Kardinal Ratzinger, Salz der Erde. Christentum und katholische Kirche an der Jahrtausendwende. Ein Gespräch mit Peter Seewald, Stuttgart 1996, S. 171-174

Frauenordination

Auch in einer anderen Frage, der Frauenordination, ist das absolute Nein hierzu »vom Lehramt auf unfehlbar Weise vorgelegt« worden. Dies wurde noch einmal im Herbst 1995vom Papst bestätigt. »Wir haben nicht das Recht, das zu ändern«, heißt es in der Erklärung. Es zählt also wiederum das Geschichtsargument. Wenn man das aber ernst nimmt, hätte es nie einen Paulus geben dürfen, denn alles Neue muß auch heilige alte Dinge abschaffen. Paulus hat neue Dinge gemacht.

Die Frage ist: Wann kann man Schluß machen mit einer bestimmten Regelung? Was ist mit dem Neuen? Und: Kann nicht auch die Verkürzung der Geschichte ein Götzendienst sein, der sich mit der Freiheit eines Christenmenschen nicht verträgt?

Joseph Kardinal Ratzinger: Da sind, glaube ich, ein paar Präzisierungen nötig. Die erste ist die, daß der heilige Paulus im Namen Christi Neues getan hat, aber nicht im eigenen Namen. Und er hat auch sehr ausdrücklich herausgestellt, daß wer einerseits die alttestamentliche Offenbarung als gültig anerkennt, andererseits dann aber ein paar Sachen eigenmächtig ändert, unrecht handelt. Neues konnte kommen, weil Gott Neues gesetzt hatte in Christus. Und als Diener dieses Neuen hat er gewußt, daß er es nicht erfunden hat, sondern daß das aus der Neuheit Jesu Christi selbst herauskam. Die dann ihrerseits ihre Bindungen hat; und da war er sehr streng. Wenn Sie etwa an den Abendmahlsbericht denken, so sagt er ausdrücklich: »Ich habe selbst empfangen, was ich euch überliefert habe«, und erklärt also deutlich, daß er an das gebunden ist, was der Herr in der letzten Nacht getan hat und was eben in Überlieferung ihm zugekommen ist. Oder an die Auferstehungsbotschaft, wo er wieder sagt: Das habe ich empfangen, und ich bin ihm auch selbst begegnet. Und so lehren wir, und so lehren wir alle; und wer das nicht tut, der entfernt sich von Christus. Paulus unterscheidet sehr deutlich zwischen Neuem, das aus Christus kommt, und der Bindung an ihn, die allein ihn legitimiert, dieses Neue zu tun. Das ist der erste Punkt.

Der zweite ist, daß in der Tat in allen Bereichen, die nicht wirklich vom Herrn und durch die apostolische Überlieferung her festgelegt sind, sich ständig Wandlungen vollziehen – auch heute. Die Frage ist eben: Kommt es vom Herrn oder nicht? Und woran erkennt man das? Die vom Papst bestätigte Antwort, die wir, die Glaubenskongregation, zum Thema Frauenordination gegeben haben, sagt nicht, daß der Papst jetzt einen unfehlbaren Lehrakt gesetzt habe. Der Papst hat vielmehr festgestellt, daß die Kirche, die Bischöfe aller Orten und Zeiten immer so gelehrt und es so gehalten haben. Das zweite vatikanische Konzil sagt: Wo das geschieht, daß Bischöfe über sehr lange Zeit hin einheitlich lehren und tun, ist es unfehlbar, ist es Ausdruck einer Bindung, die sie nicht selbst geschaffen haben. Auf diesen Passus des Konzils beruft sich die Antwort (Lumen gentium 25).

Es ist also nicht, wie schon gesagt, ein vom Papst gesetzter Unfehlbarkeitsakt, sondern die Verbindlichkeit beruht auf der Kontinuität der Überlieferung. Und tatsächlich ist diese Kontinuität des Ursprungs schon etwas Gewichtiges. Denn selbstverständlich war das nie. Die antiken Religionen haben durchweg Priesterinnen gekannt, und in den gnostischen Bewegungen ist das wieder so gewesen. Ein italienischer Forscher hat vor kurzem entdeckt, daß in Süditalien etwa im 5., 6. Jahrhundert verschiedene Gruppen Priesterinnen eingesetzt haben, wogegen dann sofort die Bischöfe und der Papst eingeschritten sind. Tradition entstand nicht aus der Umwelt heraus, sondern aus dem Inneren des Christentums[…]

3 Comments

  1. Der innerkatholische Dialog ist vergleichbar mit einer Diskussion von Blinden und Taubstummen über die Schönheit der Farben und die Herrlichkeit harmonischer Klänge.

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